Im Interview: Dr. Alexander Haunschild

„Die Zukunft gehört funktionalen Lacken“

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Was kommt danach?

Der IP-Gedanke wird sich weiter ausbreiten. Die Vorbehandlung der Karosserien vor der farbgebenden Lackierung umfasst bis zu 15 Prozesse – von der Karosseriereinigung über die Entfettung bis zum Auftrag von Phosphatierung und Korrosionsschutz. Ähnlich wie beim Decklack könnten auch in der Vorbehandlung und bei der kathodischen Tauchlackierung Prozessschritte verkürzt und zusammengefasst werden.

Wo kommt der Lackanbieter ins Spiel?

Wir entwickeln Beschichtungs- und Lacksysteme, die eine kompaktere und effizientere Prozessgestaltung ermöglichen. Das heißt, dass die zur Zeit noch sehr komplexen Vorbehandlungsprozesse einschließlich des Korrosionsschutzes weiter verkürzt werden.

Wann könnten solche Systeme serienreif sein?

Im Labor erzielen wir erste Erfolge. Wir arbeiten in einem Forschungsprojekt mit Henkel als Spezialist für Vorbehandlungen zusammen – im Rahmen eines gemeinsamen Joint Ventures. Bis zur Serie ist es aber noch ein weiter Weg.

Zwei BASF-Mitarbeiter beim Qualitätscheck an der Lackierstraße.
Zwei BASF-Mitarbeiter beim Qualitätscheck an der Lackierstraße.
(Foto: BASF)

Welche Anforderungen werden heute an Fahrzeugserienlacke gestellt?

Die ästhetischen Anforderungen werden immer höher – weltweit und über alle Fahrzeugsegmente hinweg. Wir arbeiten intensiv an innovativen Farbeffekten. Dafür entwickeln wir als BASF neue Pigmente und Effektstoffe, die es uns ermöglichen, noch attraktivere und außergewöhnlichere Farbdesigns zu schaffen. Der zweite Schwerpunkt betrifft die Funktionalität, vor allem die vielfältigen Schutzfunktionen des Lacks. Bei der Kratzfestigkeit ist uns etwa mit der neuen Klarlack-Generation „iGloss“ ein entscheidender Schritt gelungen.

Kratzfeste Lacke sind nicht neu. Was macht „iGloss“ so besonders?

Im Gegensatz zu den bisherigen Lacksystemen erzielen wir eine langfristigere Kratzfertigkeit nicht über eine gehärtete Lackoberfläche, sondern über ein in sich kratzresistenteres Lackmaterial. Während des Trocknungsprozesses bildet sich in der Lackmasse ein sehr stabiles, nanostrukturiertes Netzwerk (siehe Kastentext unten; Anm. d. Red.), das für Kratzfestigkeit über eine lange Zeit sorgt. Ich spreche hier von einem Zeitraum von zehn Jahren und mehr. Das Plus für den Kunden: Ein schöner Lack beschert dem Auto nicht nur länger ein glanzvolles Aussehen, er steigert auch den Wiederverkaufswert.

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