Im Interview: Dr. Alexander Haunschild „Die Zukunft gehört funktionalen Lacken“

Redakteur: Claus-Peter Köth

Künftige Lacksysteme können mehr als Farbe, Glanz und Schutz: Sie halten auch das Auto kühl und verbessern die Ökoeffizienz der Lackiererei. Ein Gespräch mit Dr. Alexander Haunschild, Leiter Geschäftsbereich Fahrzeugserienlacke Europa bei BASF Coatings.

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Im Gespräch mit Dr. Alexander Haunschild, Leiter Geschäftsbereich Fahrzeugserienlacke Europa bei BASF Coatings, über die Aufgaben und Eigenschaften künftiger Fahrzeuglacke.
Im Gespräch mit Dr. Alexander Haunschild, Leiter Geschäftsbereich Fahrzeugserienlacke Europa bei BASF Coatings, über die Aufgaben und Eigenschaften künftiger Fahrzeuglacke.
(Foto: BASF)

Herr Dr. Haunschild, vor welchen Herausforderungen steht die Lackentwicklung heute?

Ökoeffizienz und Nachhaltigkeit sind wichtige Themen, die nicht nur die Automobilbranche, sondern unsere gesamte Gesellschaft verändern. Neue Formen der Mobilität mit neuen Anforderungen entstehen. Die Elektromobilität entwickelt sich in rasantem Tempo. All das beeinflusst auch unsere Arbeit.

Was kann ein Lackhersteller zum Fortschritt der Elektromobilität beitragen?

Als Lackanbieter nehmen wir uns etwa des Themas „Heat Management“ über die Karosserieoberfläche an. Mit sogenannten „Cool Pigment“-Lacken kann die Temperatur der Außenhaut um bis zu 20 Grad Celsius reduziert werden. Als Folge reduziert sich im Innenraum die Temperatur um bis zu vier Grad. Entsprechend sinkt der Energiebedarf für die Kühlung, beispielsweise durch eine Klimaanlage. Der große Pluspunkt: mehr Reichweite dank geringerem Energieverbrauch.

Sind die „Cool“-Lacke bereits serienreif?

Der neue Lack wurde erstmals auf der IAA 2011 auf dem Konzeptauto Smart forvision vorgestellt. Die BASF konzipierte die innovativen Pigmente. Die Herausforderung für uns als Lackhersteller besteht in der gleichmäßigen Verteilung der Pigmente im Lack für eine anschließend makellos beschichtete Karosserieoberfläche. Für den reibungslosen Einsatz in der Serie ist noch Entwicklungsarbeit notwendig.

Nachhaltigkeit und Ökoeffizienz – welche Chancen ergeben sich hier für einen Lackhersteller wie BASF Coatings?

Nachhaltigkeit wird immer stärker zum Kaufargument und zwar nicht nur beim Produkt selbst, sondern auch mit Blick auf die Herstellprozesse. Noch nie war das „grüne“ Image eines OEMs in der Kundenwahrnehmung so wichtig wie heute. Lacke und Lackierprozesse stehen unter dem Aspekt der Ökoeffizienz heute stärker denn je im Fokus. Unter Nachhaltigkeitsaspekten ist jedoch nicht nur die Energieeffizienz, sondern immer auch die Wirtschaftlichkeit zu betrachten.

„Grün“ fördern – wie geht das?

Durchschnittlich 70 Prozent des Energiebedarfs eines Automobilherstellers wird für die Fahrzeuglackierung aufgewendet. Mit der Einführung unseres so genannten Integrierten Prozesses II werden bis zu 20 Prozent Energiereduzierung erzielt – das hat enorme Auswirkungen auf den CO2-Footprint und zugleich wirtschaftliche Vorteile. IP II verzichtet auf den Einsatz eines Füllers und reduziert so neben Energieaufwand auch Durchlaufzeit und Materialeinsatz. Integrierte Prozesse gelten mittlerweile als Standard bei fast allen westlichen OEMs – und das weltweit.

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