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Vernetzung

E-Call: Verkehrssicherheit und Fahrzeugdiagnose aus der Ferne

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Ferndiagnose und E-Call: Zwei Funktionen – eine Technik

Sind die dazu notwendigen SIM-Karten und Auswerte-Algorithmen erst einmal im Fahrzeug installiert, fällt es nicht schwer, sie für weitere Services zu nutzen – und nicht nur für die automatische Unfallmeldung, die die EU fordert. Das ist dann der TPS-E-Call. Solche Systeme gehören heute schon zum Leistungsumfang von BMW, Peugeot und Volvo – es gibt sie bereits zu kaufen.

BMW bietet die Dienste Teleservice-Diagnose und Teleservice-Hilfe an – beide sind Bestandteile des Pakets Connected Drive. Bei einem Liegenbleiber kann der Fahrer über die Funktion „Pannenhilfe“ Kontakt zu den Mitarbeitern des unternehmenseigenen Pannendienstes herstellen, um die Ursachen der Funktionsstörung zu diagnostizieren. Über das Mobilfunknetz werden dann Daten des On-Board-Wartungssystems Condition Based Service sowie eventuelle Fehlermeldungen übermittelt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Störungen direkt mittels der BMW-Teleservice-Hilfe zu beheben. So lassen sich Steuergeräte bestimmter Fahrzeugkomponenten beispielsweise mithilfe eines Reset-Kommandos wieder zum Arbeiten bewegen. An sicherheitsrelevanten Bauteilen arbeitet BMW hingegen grundsätzlich nicht per Fernreparatur, heißt es aus München.

So weit wie BMW greifen Peugeot und Volvo nicht in die Elektronikarchitektur ihrer Fahrzeuge ein. Neben dem Unfallnotruf bieten die Systeme Volvo On Call (VOC) und Peugeot Connect die Möglichkeit, eine erste technische Fernkontrolle durchzuführen und einen Pannendienst zu rufen. VOC bietet darüber hinaus noch viele Komfortfunktionen.

Erste Auslieferungen noch dieses Jahr

Ein Zulieferer, der sich bereits seit Jahren mit der E-Call-Technik befasst ist die Peiker Acustic in Friedrichsdorf. Das Unternehmen steht derzeit kurz vor dem Serienstart für die Lieferung an zwei deutsche Premiumhersteller. Die Auslieferung der Produkte ist noch für dieses Jahr vorgesehen – zeitlich würde einer dieser Aufträge zu Mercedes-Benz passen. Der Stuttgarter Konzern gab gegenüber »Automobil Industrie« an, 2012 ein entsprechendes System auf den Markt bringen zu wollen. Dabei waren die Schwaben einmal Vorreiter: Von 1996 bis 2004 gab es bei ihnen das Teleaid-System, das allerdings mangels Nachfrage wieder vom Markt genommen wurde. Generell verzeichnet Peiker einen Zuwachs von Anfragen internationaler Automobilhersteller nach der E-Call-Technik.

Das Herzstück eines Telematikdienstes ist ein „Network Access Device” (NAD) – ein Gerät, welches die kommerziellen Drahtlosnetzwerke für die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Gegenstelle nutzt. Peiker verwendet dafür die Chipset-Technik von Qualcomm. Das NAD-Modul aus Friedrichsdorf ermöglicht laut Unternehmensangaben eine schnelle und zuverlässige Datenkommunikation mit Übertragungsraten von bis zu 14,4 Megabits pro Sekunde.

Fazit: Dass der E-Call kommt, scheint ausgemachte Sache zu sein. Der Wille der EU-Kommission ist deutlich, und die Technik bietet so viele mögliche Zusatzfunktionen, dass auch die Autohersteller sich nicht mehr sträuben. Kritik kommt allerdings aus dem Aftermarket: Wenn die Autohersteller die Hoheit über die E-Call-Daten haben, dann könnten sie andere Marktteilnehmer benachteiligen – etwa auf den lukrativen Märkten Pannenhilfe und Unfallreparatur. Die Wahlfreiheit des Kunden, wem er mit einem Auftrag betraut, wäre in Gefahr. Vertreter von Versicherungswirtschaft, Automobilklubs und Werkstätten fordern deshalb ebenfalls Zugang zu den E-Call-Daten.

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