Der Kleinstwagen aus Aachen soll kein frugales Sparmobil sein, sondern ein Fahrspaß-Auto. Diesen Anspruch löst die Variante Life 60 mit ihrer fulminanten Anfahrbeschleunigung auch ein.
Mit seinem rundlichen und freundlichen Design hebt sich der E.Go Life deutlich ab.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)
Der Elektroautohersteller E.Go wollte in diesem Jahr so richtig durchstarten: Das Produktionsziel des Aachener Unternehmens für 2020 stand bei 5.000 Einheiten. Doch dann kam die Corona-Krise und mit ihr am 23. März die vorläufige Einstellung der Produktion. Am 2. April sah sich E.Go-Chef Günther Schuh sogar gezwungen, einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung zu stellen. Und weil die Zulieferkette noch nicht in vollem Maß wiederhergestellt werden konnte, ruht die Produktion auch jetzt noch.
Doch hier soll es weniger um die geschäftlichen Turbulenzen des Unternehmens gehen als um sein Produkt: den E.Go Life. Der Kleinstwagen ist als Kurzstreckenfahrzeug für den Einsatz im urbanen Gebiet gedacht und soll sich von der Konkurrenz durch einen niedrigen Preis, aber auch durch Fahrspaß abheben. Ist das gelungen? Nun: was den Fahrspaß betrifft, auf jeden Fall.
Größer als er aussieht
Beim Schweinfurter Bosch-Partner Mezger, einem der Vermarktungs- und Servicepartner von E.Go, hatte unser Schwestermagazin »kfz-betrieb« die Gelegenheit zu einer kurzen Probefahrt mit dem Elektro-Flitzer. Dass der Life kein frugales Sparmobil sein soll, macht schon der erste Augenschein deutlich: Breite Spur und pompöse 17-Zoll-Leichtmetallräder passen eher zu einem Sportwagen. Das rundliche Design mit den hoch angeordneten Scheinwerferaugen wirkt freundlich und hebt sich deutlich von der aktuellen, aggressiv-kantigen Designmode in der Autoindustrie ab.
Mit seiner Breite und Höhe wirkt der E.Go Life deutlich größer als er mit gerade einmal 3,34 Metern Länge tatsächlich ist. Und weil das Fahrzeugpackage von Anfang an auf den elektrischen Antrieb ausgelegt wurde, ist das Platzangebot erstaunlich generös: Vorn sitzen auch große Fahrer bequem, wobei die hoch angeordneten Sitze das Einsteigen erleichtern. Hier haben die Entwickler vor allem an gewerbliche Nutzer bedacht, die viele Male am Tag ein- und aussteigen müssen. Selbst auf den beiden Rücksitzen lassen sich erwachsene Fahrgäste für kurze Strecken akzeptabel unterbringen.
Der Vorführwagen gehört zur bislang einzig lieferbaren Variante Life 60. Sie besitzt den mit 57 kW/78 PS Spitzenleistung stärksten Antrieb und eine Batterie mit 21,5 Kilowattstunden Speichervermögen. Der Elektromotor ist an der Hinterachse verbaut und treibt den Life wahrlich lebendig voran. Vor allem die Beschleunigung von 0 auf 50 km/h (Werksangabe 4,3 Sekunden) verschlägt dem unvorbereiteten Fahrer kurz den Atem. Im Stadtverkehr bietet es sich sogar an, auf den leistungsreduzierten Eco-Modus zu wechseln, um beim Ampelstart nicht immer dem Vordermann an der Stoßstange zu kleben.
Der Federungskomfort könnte besser sein
Auch das Fahrverhalten mit der zackigen Reaktion auf Lenkbewegungen, der kaum spürbaren Seitenneigung und der straffen Federung ist viel sportlicher als für ein Stadtauto nötig. Hier wäre ein besserer Federungskomfort wünschenswert. Der Hersteller gibt den Stromverbrauch des Life 60 laut WLTP mit 15,5 Kilowattstunden auf 100 Kilometern an. Eine Batterieladung reicht damit für 139 Kilometer.
Der E.Go basiert auf einem Rahmen in Aluminium-Stahl-Mischbauweise. Die Außenhaut besteht aus durchgefärbten Kunststofftafeln. Diese sind äußerst robust und dürften kleinere Rempler oder auch Hagelattacken folgenlos überstehen.
Bei Antrieb und Fahrwerk des deutschen Kleinstwagens hat diese kostenoptimierte Konstruktion kaum negative Effekte. Im Innenraum hingegen lässt sich der angestrebte niedrige Fahrzeugpreis nicht mehr übersehen. Ein riesiges Hartplastik-Formteil dient als Armaturenbrett, in das die farblich und strukturell unpassende Konsole des Beifahrerairbags eingepasst wurde. Der klassische Zündschlüssel und der ungeschlachte Wählhebel für den Fahrmodus wirken altmodisch und passen nicht so richtig zu einem nagelneuen Elektroauto. Zentrales Bedienelement ist ein Touchscreen, ergänzt durch eine Schalterleiste und ein monochromes LCD-Display für die Klimabedienung.
Mit der Detailqualität einesVW E-Up kann sich der E.Go Life also keinesfalls messen, doch kann man mit dem Gebotenen durchaus leben – vor allem, wenn man den Stromer konzeptgerecht auf Kurzstrecken einsetzt.
Stand: 08.12.2025
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Der Konkurrenzkampf wird hart
Als eines der wenigen Start-ups auf dem Gebiet der Elektromobilität hat es E.Go also wirklich geschafft, ein Auto auf den Markt zu bringen. Allerdings stellt sich die Konkurrenzsituation heute vollkommen anders dar als beim Start des Unternehmens im Jahr 2015. Damals schien ein geplanter Verkaufspreis von 15.900 Euro für die einfachste Variante revolutionär.
Heute ist der E.Go Life in der Variante 40 (mit 41 kW und 122 Kilometern Reichweite) zum Grundpreis von 23.289 Euro teurer als der VW E-Up (ab 21.975 Euro) oder der Smart Fourtwo EQ (ab 21.940 Euro) – jeweils vor Abzug des Umweltbonus. Das Unternehmen musste sogar die Preise erhöhen, um sich den Herstelleranteil am Umweltbonus leisten zu können. Vorstandschef Günther Schuh sieht die Ausgestaltung dieses Verkaufsförderungsinstruments denn auch als existenzgefährdend an, „weil wir das Geld nicht vom Verkauf von Verbrenner-Autos nehmen können, wie das bei den großen Herstellern der Fall ist.“
Bei der Vermarktung bedient sich E.Go eines Agenturmodells, bei dem die angeschlossenen Partner eine Vermittlungsprovision erhalten. Die meisten Verkäufe dürften noch aus den von E.Go selbst generierten Vorbestellungen resultieren – allein Mezger hat auf diese Art schon 25 Fahrzeuge ausgeliefert. Der Schweinfurter Bosch-Partner bewirbt den Wagen auch sieht die Zusammenarbeit mit E.Go als Investition in die Zukunft und als Möglichkeit, das eigene Unternehmen fit zu machen im Umgang mit der Elektromobilität. Doch wie die Zukunft von E.Go selbst aussieht, das wird sich erst noch zeigen müssen.