Kommentar Einen Lieferanten zu wechseln, ist viel schwieriger als gewünscht

Von Claus-Peter Köth

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Die Zulieferer ächzen unter drastisch steigenden Kosten und wollen diese zum Teil an die Autobauer weitergeben. Die Verhandlungen sind eher konfrontativ. Doch der nächste Engpass kommt bestimmt.

Claus-Peter Köth
Claus-Peter Köth
(Bild: Stefan Bausewein)

„Verteilungskampf in der Autobranche“, titelte jüngst das „Handelsblatt“. Die Zulieferer ächzten unter drastisch steigenden Kosten und wollten diese zum Teil an die Autobauer weitergeben, stießen dabei aber auf Widerstand. Während die großen Zulieferer zumindest von „partnerschaftlichen Gesprächen“ berichten, kämpfen viele kleinere und mittelständische Zulieferer längst um ihre Existenz – insbesondere diejenigen, die nicht von den Megatrends Elektrifizierung, automatisiertes Fahren, Vernetzung und Software profitieren.

Gefrustet berichten sie, dass die Verhandlungen eher konfrontativ seien. Die OEMs kämen nicht runter von ihrem hohen Ross und würden ihnen etwa bei Materialteuerungszuschlägen nur so weit entgegenkommen wie unbedingt notwendig, um die Gefahren eines Lieferstopps abzuwenden.

Dabei sind die Rohstoffpreise geradezu explodiert: Stahl +66 Prozent, Magnesium +130 Prozent, Polypropylen +94 Prozent. Und im Gegensatz zu den Autoherstellern schaffen es die Lieferanten nicht, ihre Mehrkosten an die Kunden weiterzugeben.

Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr

Insofern können sich die Zulieferer nicht länger mit ihrer Sandwichposition abfinden, während die OEMs neue Rekordgewinne schreiben. Das Geschäftsmodell – die Hersteller garantieren stabile Stückzahlen, die Zulieferer stabile Preise – funktioniert in Zeiten rückläufiger Absatzmärkte nicht mehr.

Eigentlich sollten die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg gezeigt haben: Einen Lieferanten zu wechseln, ist sehr viel schwieriger als gewünscht. Es dauert lange und ist sehr kostenintensiv. Die Lösung für OEMs und große Zulieferer kann deshalb nicht lauten, die in Schieflage geratenen Lieferanten zu stützen, um die Supply Chain gerade noch so aufrechtzuerhalten.

Der nächste Engpass kommt bestimmt – dann braucht es auch wieder stabile Zulieferer in der zweiten und dritten Reihe. Jetzt gilt es, gemeinsam und proaktiv geostrategische Antworten zu entwickeln.

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