Fahrbericht

Ferrari California T: Tabubrecher

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Aber noch immer reichen ein Kavalierstart, zwei, drei Gangwechsel, ein Zwischenspurt und 500 Meter auf einer gewundenen Landstraße, dann will man von der Musikanlage nichts mehr wissen und hört lieber die große italienische Oper aus den vier Endrohren. „Es ist schließlich nicht zuletzt der Sound, der einen Ferrari ausmacht“, weiß auch Motorenentwickler Vittorio Dini und kann stundenlang von den konstruktiven Kunstgriffen erzählen, mit denen die Ingenieure den Turbo zum Klangkünstler gemacht haben.

Die Kunden wird es freuen. Und wer es genau wissen will, kann die Arbeit des Laders sogar auf einem witzigen Display zwischen den Lüftungsdüsen verfolgen, das man wie eine Outdoor-Uhr mit einem Fingertipp auf dem Chromkranz steuert.

Ferrari California T: Jetzt mit Turbo
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Aber die Controller werden Signore Dini verfluchen. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so kompliziert und so teuer wird, einen Turbo zu entwickeln, der einem Ferrari gerecht wird“, sagt der Ingenieur mit Blick auf den extrem aufwändigen Lader, der zum Beispiel einen aus drei Teilen gefertigten Krümmer mit identisch langen Abgaskanälen erfordert. Vor diesem Hintergrund ist es fast schon bescheiden, dass der Preis für den California mit dem T hinter dem Namen nur um magere 3.000 Euro klettert und künftig bei 183.499 Euro beginnt.

Allerdings haben die Italiener dafür an anderer Stelle gespart und sich bei der Modellpflege brav zurück gehalten. Zwar wurden alle Bleche bis auf das versenkbare Hardtop modifiziert und neu modelliert, so dass der California T ein wenig schlanker wirkt und sich noch straffer auf die Straße duckt. Und neue Software für Fahrwerk, Lenkung, Getriebe und die Regelsysteme gibt es natürlich auch.

Mäßiges Navi, wenig Assistenzsysteme

Doch das Navigationssysteme ist auch nach dem Wechsel des Lieferanten allenfalls mäßig, das Verdeck zwingt den Ferrari-Fahrer auch künftig fast 20 Sekunden in den Stillstand und die Liste der Assistenzsysteme ist gefährlich kurz für ein Auto, das tatsächlich auch im Alltag bewegt werden will und dort auf Konkurrenten wie einen BMW M6 Cabrio, einen Mercedes SL 63 AMG oder einen Porsche 911 Turbo trifft.

Trotzdem kann die Mannschaft um Motorenentwickler Dini zu Recht Stolz sein auf den ersten Ferrari-Turbo der Neuzeit und muss sich in keiner Weise um die Sprungkraft des Cavallo Rampante sorgen. Doch haben die Italiener nicht umsonst den California für den Tabubruch ausgewählt: Der ist zwar mit über 10.000 Zulassungen in fünf Jahren das mit Abstand erfolgreichste Einzelmodell der Marke, hat aber die am wenigsten traditionsbewussten und dafür kompromissbereitesten Kunden, räumt Marketing-Mann Nicola Boari ein: „70 Prozent der California-Käufer kommen schließlich von anderen Marken und haben vorher nie einen Ferrari besessen“.

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