Great Wall Motor (GWM) bringt ein zweites SUV-Modell nach Europa und ändert die Modellbezeichnung der Marke „Wey“. Über die erste Fahrt mit dem „Wey 03“.
Kommendes Frühjahr soll der „Wey 03“ auf den Markt kommen.
(Bild: GWM)
Änderungen bei den Modellbezeichnungen oder bei den Produktlinien sorgen in der Autobranche meist für ziemlich viel Verwirrung. Zumindest anfangs, bis sich die Kunden daran gewöhnt haben. Der chinesische Hersteller Great Wall Motor braucht sich in dieser Hinsicht keine Sorgen zu machen. Die Marke ist in Europa noch weitgehend unbekannt. Und da stört es wenig, dass ein Modell anstelle von Wey „Coffee 02“ – es ist gut ein Jahr nach dem „Coffee 01“ das zweite SUV der Marke in Europa – nun „Wey 03“ heißen wird.
Bei dieser Strategie muss natürlich auch der Coffee 01 seinen alten Namen hergeben. Weil er das größere SUV von beiden ist, tauften ihn die Strategen von GWM jetzt Wey 05. Ob es eines Tages auch einen Wey 01, also ein kleines SUV geben wird, ist derzeit reine Spekulation. Die Chinesen lassen sich da nicht in die Karten schauen.
Seit elf Jahren an der Spitze
In China ist Great Wall Motor seit elf Jahren der Marktführer für Premium-SUVs. Diese Erfahrung ist dem Wey 03 schnell anzumerken. Verarbeitung, Oberflächen, Haptik und Qualität im Innenraum liegen auf hohem Niveau. Der Wey muss sich hier hinter deutschen Konkurrenzprodukten nicht verstecken.
Das gilt ebenso fürs Fahren. Der Wey 03 federt sanft, der Abrollkomfort ist ausgezeichnet, die Lenkung leichtgängig und die Innengeräusche extrem niedrig. Hinzu kommen gut gepolsterte Sitze mit angenehmem Seitenhalt. Man fühlt sich schnell wohl in diesem Auto, zumindest, wenn die Lenkradposition passt. Der Verstellbereich ist leider recht gering.
Gewöhnungsbedürftige Bedienung im Cockpit
Gewöhnen muss man sich an die Bedienung im Cockpit. So gut wie alles an Konnektivität, Navigation und Infotainment läuft per Touch über den riesigen Bildschirm in der Mitte. Die Logik erschließt sich einem nicht sofort und erfordert ein bisschen Übung.
Alles, was die Klimatisierung betrifft, fassten die Designer auf einem weiteren Display vorne auf der Mittelkonsole zusammen, ähnlich wie es Audi es beim Q8 E-Tron praktiziert. Die Mittelkonsole selbst beinhaltet, wie heute fast überall zu sehen, Cupholder, Ladeschlitz fürs Handy, Ablagefach und den Knauf für die Fahrstufen.
Überempfindliche Assistenzsysteme
Etwas übertrieben hat Wey es mit der Empfindlichkeit diverser Assistenzsysteme. Nach einiger Zeit meint man schon, anhand des Bimmel-, Ding-Dong- oder Piepton zu erkennen, über was das System da gerade meckert, sei es die Spurhaltung, das Tempo, die Ablenkung von der Straße oder was auch immer.
Einiges lässt sich zwar deaktivieren, jedoch nur für jeweils eine Fahrt. Sobald das Auto neu gestartet wird, sind sämtliche Sensoren wieder scharf geschaltet.
Zunächst nur Plug-in-Hybride
Antriebstechnisch setzt Wey bei all seinen Modellen zunächst auf Plug-in-Hybrid. Gut möglich, dass später auch einmal Vollstromer angeboten werden. Bislang aber übernimmt den BEV-Part die zweite Baureihe von GWM. Sie heißt Ora.
Unter der Haube des Wey 03 steckt ein Zweiliter-Turbobenziner mit 150 kW/204 PS. Hinzu kommen 120 kW vom Elektromotor. Beide wirken auf die Vorderräder. Wählt man die Allradversion, sitzt auf der Hinterachse zusätzlich eine E-Maschine mit einer Leistung von 135 kW. Damit bringt es der Wey 03 auf eine Systemleistung von 325 kW oder 442 PS.
Sie macht das 4,67 Meter lange Mittelklasse-SUV zu einem äußerst sportlichen Gesellen. Die Beschleunigung ist, bedingt durch die beiden Elektromotoren, geschmeidig und nahtlos, auch wenn sich der Turbovierzylinder ab einer bestimmten Leistungsanforderung ins Geschehen einbringt. Das gesamte Hybridsystem wirkt technisch sehr professionell abgestimmt und harmoniert gut mit dem Fahrzeug.
Rekordverdächtig ist die elektrische Reichweite des Wey 03. Kein anderer Hersteller stattet in diesem Segment sein Plug-in-Modell mit einer 34 kWh großen Batterie aus. Die Kapazität erlaubt, bis zu 139 Kilometer rein elektrisch zu fahren und macht das chinesische SUV schon fast zu einem vollwertigen Stromer.
Im Alltag reicht die Strecke gewöhnlich für drei Tage. Wer zu Hause den Wey 03 rechtzeitig mit der Wallbox verbindet, hört vom Verbrenner erst dann etwas, wenn es auf längere Touren geht oder wenn beherzt aufs Gaspedal getreten wird.
Stand: 08.12.2025
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Den kombinierten Verbrauch gibt GWM mit nur 0,5 l/100 km an, ein Wert, mit dem man in der Realität leider nichts anfangen kann. Fährt man mit voller Batterie die ersten 100 Kilometer elektrisch, liegt der Benzinverbrauch logischerweise bei null. Fährt man mit leerem Akku und damit fast ausschließlich mit dem Benziner, kann das Display auch schnell 10 l/100 km anzeigen.
Einen exakten Preis für seinen Wey 03 nennt Great Wall Motor noch nicht, da die Markteinführung erst Anfang 2024 ist. Beim bereits gut ausgestatteten Basismodell soll es bei rund 45.000 Euro losgehen.
Die Allradversion dürfte um die 53.000 Euro kosten, da sie mit einer höherwertigen Ausstattung verbunden ist. Das klingt zwar nach recht viel, ist aber verglichen mit Wettbewerbern wie Volvo XC60 und BMW X3 fast schon ein Schnäppchen.