Produktion

Hat das Fließband ausgedient?

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Die Roboter kommen

Die Industrie 4.0, derzeit in aller Munde, ist ein ganz wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg in die automobile Zukunft. Denn die fortschreitende Vernetzung der Maschinen, mit dem (noch fernen) Ziel der Selbstorganisation der Maschinen, führt über die Standardisierung und Modularisierung – beim Produkt ebenso wie in der Produktion. Autonom arbeitende Roboterschwärme in der Fertigung sind Vision. Doch die Roboter kommen. Sie werden die Menschen aber nicht aus der Fabrik verdrängen, sondern sie unterstützen. In einigen Autofabriken arbeiten bereits „kollaborierende Roboter“, die ohne Schutzzaun Seite an Seite mit den Mitarbeitern am Band arbeiten und ihnen beschwerliche Montagearbeiten abnehmen.

Alles nur möglich mit „Big Data“ – laut Schwabe ein weiteres wichtiges Schlagwort für die Zukunft der Automobilproduktion. Noch sehr visionär, aber sicher nicht unmöglich: Produktentwickler greifen Echtzeit-Daten aus der Produktion ab. Maschinen werden mit Gesten gesteuert. Kontaktlinsen oder Spezialbrillen übertragen Echtzeit-Produktionsdaten oder Cloud-Wissen. Dies ermöglicht eine optimale Auslastung der Fertigung oder eine Adhoc-Aus- und Weiterbildung bildung von Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz. „Big Data“ – die große Spielwiese der Visionäre.

Big Data: 340 Sextillionen IP-Adressen

Wie überfassbar groß „Big Data“ tatsächlich ist, das machte Prof. Dr. Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut (AIO) den Zuhörern klar. Er erklärte ihnen den neuen IPv6-Standard. Mit diesem, seit Mitte 2012 gültigen neuen Web-Standard sind 340 Sextillionen Internet-Protokoll-Adressen (IP-Adressen) möglich. Dies entspricht 667 Billiarden IP-Adressen pro Quadratmillimeter (!) Erdoberfläche. Beim Vorgänger-Standard IPv4 waren es gerade mal 8,4 IP-Adressen pro Quadratkilometer. Auch Bauer nennt die Digitalisierung die „treibende Kraft“ für die industrielle Zukunft. Er geht sogar so weit zu sagen, dass „smart factories“ zur Sicherung des Produktionsstandortes Deutschland beitragen.

Aber er betont zugleich die wichtige Rolle der Menschen in der Fabrik – auch in Zukunft. „Die Unternehmen brauchen agile, flexible und spontane Arbeitnehmer“, ist der Fraunhofer-Professor überzeugt. Die Voraussetzung: Die Unternehmen müssen Agilität, Flexibilität und Spontaneität im Arbeitsleben nicht nur zulassen, sondern auch gezielt fördern. Beispielsweise durch Wohnraum nahe den Arbeitsplätzen, um den Weg zwischen Arbeit und Zuhause zu verkürzen. Nicht nur um das Verkehrsaufkommen zu reduzieren, sondern um eben auch mal schnell in der Mittagspause nach den Kindern schauen zu können. Der Faktor Lebensqualität wird in der Arbeitswelt der Zukunft einen ganz neuen Stellenwert bekommen. Weil zufriedene Mitarbeiter die besten Mitarbeiter sind.

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