Zulieferer Mahle fokussiert auf elektrische Antriebe und intelligentes Laden

Von Claus-Peter Köth 6 min Lesedauer

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Mahle hat im Jahr 2022 erneut rote Zahlen geschrieben. Dieses Jahr soll sich das ändern – und bis 2025 will der Zulieferer wieder auskömmliche Erträge erzielen. Hohe Auftragseingänge in der E-Mobilität sind vielversprechend.

E-Motoren-Produktion: Im Rahmen seiner Elektrifizierungsstrategie fokussiert sich Mahle vor allem auf elektrische Antriebe und intelligentes Laden.(Bild:  Mahle)
E-Motoren-Produktion: Im Rahmen seiner Elektrifizierungsstrategie fokussiert sich Mahle vor allem auf elektrische Antriebe und intelligentes Laden.
(Bild: Mahle)

Der Automobilzulieferer Mahle richtet sich mit Blick auf die Transformation in der Automobilindustrie neu aus. Elektrifizierung und Thermomanagement sowie Komponenten für hocheffiziente, grüne Verbrennungsmotoren bilden den Kern der Unternehmensstrategie „Mahle 2030+“. Beim E-Auto sieht der Konzern für sich ein dreimal höheres Umsatzpotenzial als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.

Allein im Zeitraum bis 2026 würden über 20 elektrifizierte Fahrzeugplattformen führender Pkw- und Nutzfahrzeughersteller auf den Markt kommen, die auf Technologie und Produkte von Mahle setzen. „Wir werden mit einer Vielzahl innovativer, hocheffizienter Produkte für die E-Mobilität und unserer ausgereiften Systemkompetenz im Thermomanagement Wachstumschancen nutzen“, sagte CEO Arnd Franz bei der Bilanzvorlage am Dienstag (25. April) in Stuttgart.

Im Geschäftsjahr 2022 zog der Umsatz um 14 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro an. Der Konzern erzielte ein positives operatives Ergebnis. „2022 war für Mahle ein außerordentlich gutes Auftragsjahr. Wir werden den Rückenwind mitnehmen und den Aufschwung fortsetzen“, sagte Franz.

Mahle erwartet mehr Umsatz in 2023

Im laufenden Jahr erwartet der Zulieferer weiteres Umsatzwachstum und höhere Profitabilität. Der Technologiekonzern hat 2022 Neuaufträge für über elf Milliarden Euro erhalten, davon rund die Hälfte für Produkte unabhängig vom Verbrennungsmotor. Beim Umsatz am stärksten gewachsen sind die Geschäftsbereiche Thermomanagement mit plus 16 Prozent sowie Elektronik und Mechatronik mit plus 13 Prozent. Auch die mit dem Verbrennungsmotor verbundenen Geschäftsbereiche sowie das Ersatzteil- und Zubehörgeschäft verzeichneten ein zweistelliges Wachstum.

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Im Jahr 2022 beeinflussten krisenbedingte massive Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Fracht das Geschäft des Automobilzulieferers sehr stark – insbesondere in der ersten Jahreshälfte. Das Unternehmen steuerte mit Kosteneinsparungen, Produktivitätssteigerungen und Preisanpassungen dagegen, so dass sich Umsatz und operatives Ergebnis im zweiten Halbjahr deutlich verbesserten. „Wir haben das erreicht, auch weil wir eng mit unseren Kunden und Lieferanten zusammengearbeitet haben, um die Mehrkosten fair zu verteilen,“ sagte Mahle-CFO Markus Kapaun. „Der Aufwärtstrend aus dem zweiten Halbjahr hat sich nach vorläufigen Zahlen auch im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres fortgesetzt. Das zeigt, dass wir mit dem Mix aus innovativen Produkten für die E-Mobilität und ausgereifter Kompetenz beim Verbrenner erfolgreich sind“, ergänzte Franz.

Minus 332 Millionen Euro Jahresergebnis

Während in den ersten sechs Monaten des Vorjahres noch ein EBIT-Verlust in den Büchern stand, führten die Ertragsverbesserungen im dritten und vierten Quartal zu einem positiven operativen Ergebnis. Es fiel mit 60 Millionen Euro dennoch geringer als im Vorjahr aus. Die massiven Mehrkosten von 800 Millionen Euro ließen sich im Gesamtjahr nicht vollständig kompensieren. Insofern weist Mahle für 2022 nach Finanzaufwand und Steuern einen Fehlbetrag von 332 Millionen Euro aus und strebt für 2023 den Turnaround an. Die Eigenkapitalquote ging auf 20,2 Prozent zurück.

Für die strategische Neuausrichtung verfügt der Konzern laut Kapaun über eine solide finanzielle Basis durch fest zugesagte Kreditlinien und flüssige Mittel von 2,3 Milliarden Euro. Dazu zähle ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank über 300 Millionen Euro, um emissionsfreie Fahrzeugtechnologien zu entwickeln. „Mahle hat eine stabile Finanzierungsperspektive. Wir können auf ein vielfältiges und ausgewogenes Finanzierungsportfolio zurückgreifen“, betonte Kapaun.

Mahle-Chef Franz: „Ertrag geht vor Umsatz“

Der Zulieferer will mit dem unternehmensweiten Programm „Mahle 2030+“ die Ertragskraft und Liquidität sowie die Effizienz in allen Funktionsbereichen erhöhen. „Bis 2025 wollen wir wieder in der Erfolgsspur sein. Ertrag geht vor Umsatz. Und wir müssen deutlich schneller werden beim Kostenmanagement“, gab Franz, der seit November 2022 Mahle-CEO ist, als Ziel vor.

Er rechnet damit, dass Kostensteigerungen den Zulieferer nicht nur 2023, sondern auch in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen werden. „Die Transformation der Automobilindustrie wird nur mit leistungsstarken Zulieferern gelingen. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und Belastbarkeit der Zulieferer wird sein, dass schnelle und faire Lösungen für den Umgang mit solchen Kostensteigerungen gefunden werden“, sagte Franz und ergänzte: „Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch. Keine Frage. Aber auch saubere und effiziente Verbrennungsmotoren sowie Brennstoffzellenfahrzeuge werden zum Antriebsmix von morgen gehören.“

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Eigenen Marktprognosen zufolge könnte beim Pkw der Produktionsanteil batterieelektrischer und hybrider Antriebe weltweit von heute 13 auf 70 Prozent im Jahr 2035 steigen. Aber auch dann würden noch die Hälfte aller weltweit hergestellten Pkw mit einem Verbrennungsmotor an Bord ausgeliefert werden.

Ähnliches gelte auch für Nutzfahrzeuge weltweit. Nach aktuellen Einschätzungen von Mahle dürften in der Mitte des nächsten Jahrzehnts lediglich rund 30 Prozent aller Lkw rein elektrisch mit Batterie oder Brennstoffzelle fahren.

Elektrifizierung ist das Zukunftsthema

Technologisch hat Mahle die Transformation nach eigenen Angaben fest im Blick: 5,4 Prozent des Umsatzes fließen in Forschung und Entwicklung, ein Großteil davon in die drei Strategiefelder Elektrifizierung, Thermomanagement und effiziente, saubere Verbrennungsmotoren.

Im Rahmen seiner Elektrifizierungsstrategie fokussiert sich der Konzern vor allem auf elektrische Antriebe und intelligentes Laden. 70 Prozent der knapp 400 neu angemeldeten Patente betreffen die Elektrifizierung. Große Resonanz bei den Kunden finden laut Franz zwei neue Elektromotoren: Der Superior Continuous Torque (SCT) E-Motor sei bislang der erste elektrische Traktionsmotor am Markt, der dauerhaft hohe Leistung bringe. Er beseitige die hohe Diskrepanz zwischen Spitzen- und Dauerleistung. Das mache ihn besonders interessant für den Einsatz in Nutzfahrzeugen.

Der Magnet-free Contactless Transmitter (MCT) E-Motor komme dafür ohne Seltene Erden aus und arbeite höchst effizient und verschleißfrei. „Mit ihm machen wir die Welt unabhängiger von knappen und geopolitisch umkämpften Rohstoffen“, sagte Franz. Der Wirkungsgrad des Motors betrage in den meistgenutzten Fahrzuständen über 95 Prozent.

Ferner habe der Zulieferer mit „chargeBIG“ eine erprobte Ladelösung für Parkplätze am Markt, die für zwei Drittel aller Ladevorgänge geeignet sei, nämlich dort, wo Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum parken. Ob zu Hause im Mehrfamilienhaus, am Arbeitsplatz, am Bahnhof oder Flughafen.

Weiterhin arbeite man am kabellosen Laden. Hierfür hat Mahle mit Siemens eine Partnerschaft ins Leben gerufen, um gemeinsam das Gesamtsystem aus Infrastruktur und Fahrzeugtechnik zu entwickeln. Franz: „Wir wollen Standards für induktive Ladesysteme setzen.“

Schlüsselkompetenz Thermomanagement

Das Thermomanagement, also das Heizen und Kühlen, ist laut Franz elementar für die Elektrifizierung und eine Schlüsselkompetenz des Zulieferers. Hier sei das Wertschöpfungspotenzial beim E-Auto deutlich höher als beim Verbrennungsmotor. Eine wichtige Rolle spielten etwa Klimakompressoren. Das jüngste Produkt von Mahle sei mit bis zu 18 Kilowatt das leistungsstärkste der Welt. Der Gesamtauftragseingang bei elektrischen Klimakompressoren beläuft sich bislang auf circa 1,4 Milliarden Euro.

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Ein weiteres Erfolgsprodukt seien Batteriekühlplatten, die für schnelles Laden, hohe Reichweite und lange Lebensdauer empfindlicher Lithium-Ionen-Batterien sorgen. Darüber hinaus will Mahle mit seinen Wärmepumpensystemen helfen, den Energieverbrauch eines E-Fahrzeuges zu reduzieren und den Einbau kleinerer und günstigerer Batterien ermöglichen.

Eines der neuesten Produkte von Mahle ist der Flachmembranbefeuchter. Dabei handele es sich um eine Schlüsselkomponente für den zuverlässigen Betrieb von Brennstoffzellen.

Komponenten für effiziente Verbrennungsmotoren

Auch beim klassischen Antrieb will Mahle zuverlässiger Lieferant der Fahrzeug- und Motorenhersteller sein. Dabei setzt der Konzern auf mehr grüne Verbrenner, die mit Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, und will Marktanteile gewinnen. „Unsere Kunden schätzen, dass wir im Rahmen unserer Strategie auch den Verbrenner weiter begleiten“, sagte Franz.

Auch der Wasserstoffmotor habe neben der Brennstoffzelle das Potenzial, viele Schwerlast-Anwendungen schnell klimaneutral zu machen. Motorkomponenten von Mahle ermöglichten hier eine hohe Effizienz und Betriebssicherheit.

Last not least will Mahle in Form des Gemeinschaftsprojekts „Transformationsdialog“ gemeinsam mit Mitarbeitern, Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften „neue Wege beschreiten, um die Zukunft der weltweiten Standorte durch geeignete Instrumente und Maßnahmen zu gestalten“. Essenziell dafür sei der weltweite Ausbau digitaler Lernsysteme. Ende 2022 beschäftigte der Konzern weltweit 71.947 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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