Entwicklungschef Jörg Burzer erklärt, welche Bedeutung die Modelle GLE und GLS für Mercedes haben und wie man sich künftig weltweit in den Märkten ausrichten will.
Jörg Burzer, Entwicklungschef der Mercedes Benz Group AG
(Bild: Mercedes)
Mercedes richtet seine Strategie neu aus. Im Mittelpunkt steht eine flexibel angelegte Elektrifizierung der Produkte. Neben dem Ausbau rein elektrischer Modelle setzen die Schwaben weiterhin auf elektrifizierte Verbrennungsmotoren, um unterschiedlichen Kundenbedürfnissen und globalen Marktbedingungen gerecht zu werden. Kürzlich hat der Hersteller seine überarbeiteten Modelle GLE und GLS vorgestellt. Sie wurden technisch umfassend überarbeitet – es ist bereits das zweite Facelift der SUVs. Wie die Mercedes-Ingenieure dabei vorgingen und wie der OEM die Balance zwischen Märkten wie den USA, China und Europa finden will, erklärt Jörg Burzer, Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer der Mercedes-Benz Group AG.
Herr Burzer, die kommenden Generationen von GLE und GLS setzen auf hybridisierte Verbrenner statt auf rein elektrische Antriebe. Welche Rolle spielen solche elektrifizierten Verbrenner in Ihrer globalen Produktstrategie – bis zum Ende des Jahrzehnts wollte Mercedes weitgehend elektrisch werden?
Jörg Burzer: Unsere Strategie ist klar: Wir treiben die Elektrifizierung mit hoher Geschwindigkeit voran, bleiben aber bewusst flexibel. Unsere neuen Elektroautos wie der CLA kommen hervorragend an und erzielen fantastische Testergebnisse. Gleichzeitig sind elektrifizierte Verbrenner ein zentraler Baustein – sie reduzieren CO2 über die Flotte, ermöglichen unseren Kundinnen und Kunden einen schrittweisen Umstieg und sichern unsere Attraktivität in Märkten, in denen Ladeinfrastruktur oder Nutzungsszenarien reine Elektroantriebe noch begrenzen.
Was sind aus Ihrer Sicht die Höhepunkte des GLE und GLS?
Wir haben den GLE und den GLS gezielt technisch weiterentwickelt. Die größte Veränderung fand eigentlich im Auto statt: Dank unseres Betriebssystems MB.OS sind nun neue Assistenzfunktionen möglich, beispielsweise teilautomatisiertes Fahren nach Level 2++. Außerdem haben wir unser Motorenportfolio umfänglich erneuert: Im Fokus stehen durchgängig elektrifizierte Antriebe mit 48-Volt-Technik sowie ein deutlich aufgewerteter Plug-in-Hybrid mit hoher elektrischer Reichweite. Hinzu kommen spürbare Fortschritte beim Fahrkomfort.
In den USA bleiben große SUVs mit Verbrennungsmotor sehr gefragt, während in China die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen kontinuierlich wächst und mittlerweile lokale Hersteller dominieren. Wie balanciert Mercedes diese gegensätzlichen Marktanforderungen bei globalen Modellen wie GLE und GLS aus?
Wir setzen auf ein konsequent elektrifiziertes Verbrenner‑Portfolio, das Leistung, Effizienz und Komfort intelligent verbindet. Alle Benzin‑ und Dieselmotoren sind mit 48‑Volt‑Technik und integriertem Startergenerator ausgestattet – das sorgt für spürbar bessere Effizienz und den für Mercedes typischen Komfort. Ein zentraler Baustein ist zudem der Plug‑in‑Hybrid mit Reihensechszylinder, der über 100 Kilometer rein elektrische Reichweite ermöglicht. Für die meisten Menschen ist im Alltag so rein elektrisches Fahren möglich. Damit bleibt der GLE ein Allround‑SUV, ist auf künftige Emissionsanforderungen vorbereitet und deckt die Kundenbedürfnisse in den wichtigsten Marktregionen ab.
Mercedes baut seine lokale Produktion in den wichtigsten Märkten aus, etwa durch zusätzliche SUV-Produktion in den USA und die geplante lokale Fertigung eines verlängerten GLE in China. Ist diese „local-for-local“-Strategie künftig wichtiger als eine einheitliche globale Modellstrategie?
Unsere lokale Produktion gewinnt an Bedeutung, ohne die globale Modellstrategie abzulösen. Entscheidend ist die Kombination: Wir standardisieren dort, wo es Skaleneffekte und Effizienz bringt – und lokalisieren dort, wo es Kundennähe, Flexibilität und Resilienz erhöht. Für unsere Produkte heißt das: eine weltweit einheitliche Mercedes‑DNA und eine Lokalisierungsstrategie, die schnell auf Marktanforderungen reagieren kann. Neben der Produktion sind auch lokale Lieferantennetzwerke ein wichtiger Faktor.
Chinesische Marken setzen zunehmend auf hochdigitalisierte, preislich aggressive Elektrofahrzeuge. Wie kann Mercedes seine Position im Luxussegment verteidigen, wenn technologische Innovation und Softwarekompetenz immer stärker zu Differenzierungsmerkmalen werden?
In den für Mercedes relevanten Segmenten entscheidet neben der Geschwindigkeit einzelner Innovationen auch die Qualität der Gesamtintegration von Hardware, Software, Sicherheit und Nutzererlebnis. In der Kombination aus Innovation und unseren Kernwerten wie Sicherheit, Qualität und Fahrkomfort sind unsere Produkte absolut führend. Der Schlüssel dafür ist unser Betriebssystem MB.OS, mit dem wir digitale Funktionen, Assistenzsysteme und Komfortfeatures kontinuierlich weiterentwickeln können. Ein Beispiel: Unser System für teilautomatisiertes Fahren – Drive Assist Pro – wurde in Kooperation mit Partnern wie Nvidia und Momenta entwickelt. Hier verbinden wir Spitzentechnik mit der von Mercedes gewohnten Qualität und Sicherheit.
In welchen Bereichen sehen Sie für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre noch echtes Expansionspotenzial – etwa in neuen Märkten, im Software-Geschäft, bei Luxussegmenten oder bei neuen Fahrzeugkonzepten?
Wachstumspotenzial sehen wir dort, wo wir uns durch Spitzentechnik und herausragende Kundenerlebnisse differenzieren können. Das macht uns seit 140 Jahren stark. Nehmen Sie den neuen VLE oder den GLS – das fühlt sich an wie S-Klasse. Auch das automatisierte Fahren bietet sehr viele Möglichkeiten, weshalb wir auch mit Partnern an Robotaxis arbeiten. Ich bin überzeugt davon, dass die Industrie insgesamt hier erst am Anfang ist. Über allem steht unser Ziel des nachhaltigen, profitablen Wachstums – getragen von unserer Vorreiterrolle bei Innovationen und unserer starken Marke.
Mercedes gehört zu den ersten Herstellern, die bereits eine Level-3-Automatisierung auf die Straße gebracht haben. Welche Rolle soll automatisiertes Fahren künftig für die Positionierung von Mercedes im Luxussegment spielen?
Wir waren schon immer Vorreiter beim automatisierten Fahren und werden das weiter ausbauen. Für uns bedeutet das beides: Komfortgewinn und technologische Differenzierung. Für unsere Kunden bedeutet es vor allem Entlastung und mehr Sicherheit. Nehmen Sie unser System für assistiertes Fahren: Man gibt sein Ziel ins Navigationssystem ein und das Auto übernimmt viele Fahraufgaben, während der Fahrer überwacht. In China ist das bereits möglich, in den USA und Europa bald. Dieser Ansatz unterstreicht unseren Anspruch, Innovationen früh, aber vor allem sicher und verantwortungsvoll in Serie zu bringen. Dafür steht Mercedes.
Stand: 08.12.2025
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Mit Blick auf unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen in Märkten wie den USA, Europa und China: Plant Mercedes, automatisiertes Fahren künftig stärker als Software- oder Abo-Geschäft zu monetarisieren, und sehen Sie darin ein ähnlich großes Zukunftspotenzial wie im klassischen Fahrzeugverkauf?
Dank MB.OS sind unsere Fahrzeuge nun software-definiert – das heißt, wir können auch Updates und Funktionen innerhalb des Lebenszyklus bereitstellen. So können wir Fahrzeuge über Jahre hinweg aktuell halten und gezielt neue Optionen anbieten. Automatisiertes Fahren spielt dabei eine wichtige Rolle, weil es für Kunden einen klaren, erlebbaren Nutzen bietet. Denken Sie auch mal an den zweiten oder dritten Besitzer eines Fahrzeugs: Vielleicht findet man andere Dinge als der Vorbesitzer wichtig. Entscheidend ist für uns jedoch: Monetarisierung folgt dem Kundennutzen – und nicht umgekehrt.