Klassische Fahrzeuge

Porsche 924: 40 Jahre Kulturschock

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Ausgeglichene Gewichtsverteilung dank Transaxle-Technik

Der Zwei-plus-Zwei-Sitzer und erklärte Erbe des legendären Porsche 356 überraschte aber auch mit anderen Ideen, die kaum ein Porsche-Fan für möglich gehalten hatte. War er doch erster Porsche mit Wasserkühlung und 125 kW/170 PS starkem Frontmotor von Audi. Hinzu kam das hinten liegende Getriebe in Transaxle-Bauweise, mit dem sich Porsche auf eine Lösung bezog, die laut Presseinformation „Professor Porsche schon in dem von ihm konstruierten Mercedes-Grand-Prix-Wagen der dreißiger Jahre angewandt hatte“. Was nicht erwähnt wurde: Auch der zeitgenössische 924-Konkurrent Alfa Romeo GTV vertraute auf die ausgeglichene Gewichtsverteilung der Transaxle-Technik. Einzigartig in dieser Form war dafür wiederum die große gläserne Heckklappe im Stil der Designikone Jensen Interceptor. Damit eignete sich der 924 auch als Sportler für junge Familien, passte doch bei umgelegten Rücksitzen theoretisch sogar eine Euro-Palette ins Ladeabteil.

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Charakteristika, durch die das Coupé massentauglicher war als der vorausgegangene Mittelmotorsportler 914. Gebaut wurde der neue 924 bei Audi/NSU in Neckarsulm mit preiswerten Großserienteilen aus dem VW-Konzernregal und einem Komfortangebot zum „Wohlfühlen, auch wenn man zu längerer Kolonnenfahrten verurteilt ist“, wie Porsche warb. Tatsächlich war der 924 das Ergebnis eines 1970 begonnenen Entwicklungsbündnisses zwischen Wolfsburg und Weissach, in dem nicht weniger als drei VW-Konzernchefs mitmischten. Unter Kurt Lotz sollte der Entwicklungsauftrag EA 425 den VW-Porsche 914 beerben, Nachfolger Rudolf Leiding wollte das Sportcoupé plötzlich als Volkswagen verkaufen, erst Toni Schmücker entschied: Aus EA 425 wird kein VW. Für Porsche ein Glücksfall, brauchte die Marke doch dringend ein global verkäufliches Volumenmodell, das dem Frontmotorlayout des ebenfalls neuen 928-V8-Flaggschiffs folgte.

„Meistverkaufter Sportwagen der Welt“

Bedingungslose Liebe wie der klassische Elfer erntete die erste Vierzylinder-Frontmotor-Baureihe mit Porsche-Logo trotz aller Vielseitigkeit nicht, aber doch begeisterten Applaus von Publikum und Presse. Nur in einem Punkt irrten alle Fachleute: Preise ab 24.000 Mark einschließlich herausnehmbaren Dachteils – immerhin 30 Prozent mehr als für den VW-Porsche verlangt wurde - könnten einer zügigen Verbreitung im Wege stehen. Weit gefehlt: Schon im Jahr 1977 eroberte der 924 den Titel „meistverkaufter Sportwagen der Welt“. War der 92 kW/125 PS leistende 200-km/h-Renner doch immerhin 40 Prozent billiger als das gerade einmal 10 km/h schnellere 911 Coupé. Vor allem kostete der Vierzylinder weniger als die zeitgenössischen Alpine A310, Lancia Beta Montecarlo oder Nissan 260 Z. Besonders die US-Kundschaft freute sich über die Klappscheinwerfer-Racer mit prestigeträchtigem Porsche-Logo, die sie den vergleichsweise biederen Nissan Z und Toyota Celica vorzog.

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