Im Interview: Dr. Michael Roesnick „Preh ist Preh geblieben“

Redakteur: Claus-Peter Köth

Dr. Michael Roesnick, Vorsitzender der Geschäftsführung der Preh GmbH,über die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Mehrheitsgesellschafter Joyson,neue Märkte und Produkte sowie die Erwartungen für 2013.

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Dr. Michael Roesnick, Vorsitzender der Geschäftsführung der Preh GmbH spricht im Interview mit »Automobil Industrie« über die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Mehrheitsgesellschafter Joyson,neue Märkte und Produkte sowie die Erwartungen für das Jahr 2013.
Dr. Michael Roesnick, Vorsitzender der Geschäftsführung der Preh GmbH spricht im Interview mit »Automobil Industrie« über die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Mehrheitsgesellschafter Joyson,neue Märkte und Produkte sowie die Erwartungen für das Jahr 2013.
(Foto: Preh)

Im April 2011 hat der chinesische Automobilzulieferer Joyson die Preh GmbH übernommen. Wie lautet Ihre Bilanz nach anderthalb Jahren?

Die Partnerschaft mit unserem neuen Mehrheitsgesellschafter Joyson hat sich bewährt. Wir befinden uns auf einem sehr guten Kurs und können eine positive Zwischenbilanz ziehen. Das Jahr 2011 haben wir mit einem neuen Umsatzrekord in Höhe von 412 Millionen Euro abgeschlossen – ein Plus von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und auch im ersten Halbjahr 2012 sind wir mit etwa 16 Prozent überdurchschnittlich gewachsen. Unser Auftragsbestand lag sogar um 25 Prozent über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig ist uns ein schwieriger Spagat gelungen: Einerseits sind wir zu einem Global Player in unseren Marktsegmenten aufgestiegen.

(Grafik: Preh)

Andererseits haben wir an unserer bewährten Unternehmenskultur festgehalten und ein Höchstmaß an Kontinuität für unsere Kunden gewährleistet. Mit anderen Worten: Preh ist Preh geblieben – auch in der neuen Konstellation.

Welche konkreten Maßnahmen stecken hinter diesen Zahlen?

Wesentliche Maßnahmen waren zuletzt der Aufbau des zweiten Werkes in Mexiko und der Markteintritt in China mit unserem Werk in Ningbo. Aber auch an unserem Stammsitz hier in Bad Neustadt in Nordbayern haben wir kräftig investiert und im laufenden Jahr bereits mehr als 90 Mitarbeiter aufgebaut: Wir haben die Produktentstehung in unserem Entwicklungszentrum um eine weitere Etage erweitert und für PIA (Anm. d. Redaktion: Preh Innovative Automation) rund 2.700 Quadratmeter neue Produktionsfläche geschaffen.

An welchen Stellen müssen Sie noch nachjustieren – bei der Zusammenarbeit mit Joyson?

Der kulturelle Unterschied und die Sprache sind die größten Herausforderungen.

Gibt es in China auch schon Aufträge von chinesischen OEMs?

Zunächst einmal werden wir an unseren chinesischen Standorten den gleichen steilen Anlauf haben wie in Rumänien oder in den USA. Im ersten Schritt werden wir unsere bestehenden Kunden in China bedienen. Damit sind wir gut ausgelastet. Gleichzeitig haben wir mit einigen chinesischen OEMs ausgesprochen interessante Gespräche geführt, die zeigen, dass es im chinesischen Markt ein großes Potenzial für unsere Produkte gibt.

Und andersherum: Hat Joyson mit seinen Produkten in Europa eine Chance?

Aus meiner Sicht ja. Wir haben von mehreren OEMs äußerst positive Rückmeldungen erhalten. Es gibt eher mehr Optionen, als wir zurzeit bedienen können.

Das Center-Stack-Konzept für den Ford Fusion integriert sämtliche Infotainment- und Klimaregelungsfunktionen.
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(Foto: Preh)

Wie groß ist die Fertigungstiefe in Ihrem chinesischen Werk Ningbo?

Wir haben bei Preh generell eine hohe vertikale Wertschöpfungstiefe. Diese Tiefe werden wir auch in China anbieten. Dort sind wir sogar schneller im Aufbau als zuletzt in Rumänien oder Mexiko. Bis Ende dieses Jahres werden wir alle Fertigungskompetenzen vor Ort anbieten – vom Werkzeugbau und Kunststoffspritzgießen über die Elektronikfertigung und die Laserbeschriftung bis hin zur Montage. Eine weitere Fläche für die Lackiererei ist bereits reserviert. Hier fehlt uns derzeit noch das notwendige Volumen.

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