Im Interview: Dr. Michael Roesnick

„Preh ist Preh geblieben“

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Welche Produkte werden in China gefertigt?

Wir sind gestartet mit Lenkrad-Multifunktionsschaltern für die VW-Modelle Lavida, Polo und Passat. Im weiteren Jahresverlauf sind Klimabediensysteme für den VW Polo und den Skoda Fabia hinzugekommen.

Ferner gibt es in China auch eine Entwicklungsabteilung mit rund 30 Mitarbeitern. Wie eng ist diese mit dem Stammsitz in Bad Neustadt verzahnt?

Sehr eng, zumal wir uns auch in Ningbo eins zu eins an den Qualitätsstandards von Bad Neustadt orientieren.

Zum 1. Juni 2012 wurde die Preh-Geschäftsführung um das Ressort Produktentwicklung und Einkauf erweitert – geleitet von Jochen Ehrenberg. Warum?

Das war eine weitreichende strategische Maßnahme und ein deutliches Signal in Richtung Kunden und Mitarbeitern, dass Preh auch nach dem Einstieg eines chinesischen Mehrheitsgesellschafters ein deutscher Zulieferer bleibt, mit weltweiter Aufstellung in Europa, Nordamerika und Asien. Weiterhin ist sich Joyson darüber im Klaren, dass der wesentliche Teil an Innovationen in der Automobilelektronik auch in den nächsten Jahren aus Deutschland kommen wird und der Produktentstehungsprozess von Preh am deutschen Stammsitz extrem wichtig ist für den technologischen Führungsanspruch unserer Produkte. Dementsprechend hat Joyson ein großes Interesse daran, das Management von Preh langfristig zu binden und ein hohes Maß an Kontinuität in den nächsten Jahren sicherzustellen. Schon bei der Übernahme im vergangenen Jahr wurden alle Geschäftsführerverträge verlängert.

Welche Leistungen aus Ihrem Portfolio wurden zuletzt überdurchschnittlich nachgefragt? Und auf welchen Märkten ist Preh besonders stark gewachsen?

Derzeit haben wir sehr viele Anfragen für Klima- und Fahrerbediensysteme. Und besonders gut hat sich unser Geschäft in Nordamerika entwickelt. Um mit dem starken Wachstum weiterhin Schritt halten zu können, haben wir im mexikanischen Monterrey ein zweites Werk aufgebaut.

Nach dem Absatzeinbruch 2009 wächst auch die russische Automobilindustrie wieder kräftig. Fehlt Russland noch in Ihrer Strategie?

Unsere Produkte verursachen geringe Logistikkosten. Folglich macht es für uns keinen Sinn, in einem Markt zu viele Produktionsstandorte zu haben. Wir können Russland von unserem Werk in Rumänien aus sehr gut bedienen.

Wie entwickelt sich das Geschäft von Preh mit der Elektromobilität?

Für die BMW-Fahrzeuge ActiveHybrid 5 und ActiveE liefert Preh die Steuergeräte für das Management der Lithium-Ionen-Batterien.
Für die BMW-Fahrzeuge ActiveHybrid 5 und ActiveE liefert Preh die Steuergeräte für das Management der Lithium-Ionen-Batterien.
(Foto: Preh)

Wir liefern beispielsweise die Steuergeräte für das Management der Lithium-Ionen-Batterien in den BMW-Fahrzeugen ActiveHybrid 5 und ActiveE. Das ist zweifellos ein interessantes Segment mit Wachstumspotenzial. Insgesamt sehe ich die Elektromobilität allerdings noch etwas verhalten: Ich glaube eher an eine langfristige Entwicklung. Mittelfristig werden die Stückzahlen auf der unteren Erwartungskurve von dem liegen, was man vor zwei Jahren prognostiziert hat.

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