Wie ein Fahrzeug mit den Insassen abhängig vom Automatisierungsgrad kommunizieren soll, ist Ziel des Forschungsprojekts „Karli“. Es soll etwa Reiseübelkeit vermindern.
Forscher arbeiten daran, relevante Informationen aus der Insassenüberwachung zu extrahieren und sie als Kontext für verschiedene Funktionen des Fahrzeugs, wie KI-Assistenten und Sicherheitssysteme, bereitzustellen.
(Bild: Fraunhofer IOSB/Zensch)
„Achtung, wenn du jetzt weiterliest, könnte dir bei der kurvigen Strecke schlecht werden. In fünf Minuten fahren wir auf der Autobahn, dann ist es besser.“ Oder: „Gleich wird es regnen und wir müssen das automatische Fahren beenden. Bitte bereite Dich darauf vor, selbst ein Stück zu fahren. Es tut mir leid, dass Du Deinen Laptop jetzt sicher verstauen musst. Sicherheit geht vor.“
So oder so ähnlich könnten Autos in ein paar Jahren mit ihren Fahrern kommunizieren. Mit zunehmendem Automatisierungsgrad der Fahrzeuge muss auch die Interaktion mit den Menschen neu gedacht werden. Diese Aufgabe hat sich ein Forschungsteam aus den Fraunhofer-Instituten für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB und für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO zusammen mit zehn Partnern, darunter Continental, Ford und Audi, sowie eine Reihe von Mittelständlern und Universitäten im Projekt „Karli“ gestellt. Der Name steht für Künstliche Intelligenz (KI) für adaptive, responsive und levelkonforme Interaktion im Fahrzeug der Zukunft.
Angepasst auf Automatisierungsstufe kommunizieren
Je nach Automatisierungslevel müssen sich die Fahrer auf die Straße konzentrieren oder können sich mit anderen Tätigkeiten befassen. Sie haben zehn Sekunden Zeit, das Lenkrad wieder zu übernehmen, oder müssen zum Teil gar nicht mehr eingreifen. Diese unterschiedlichen Anforderungen an die Nutzenden und die Möglichkeit, je nach Straßensituation zwischen den verschiedenen Stufen zu wechseln, machen es zur komplexen Aufgabe, passende Interaktionen für jede Ebene zu definieren und zu gestalten. Zudem muss durch Interaktion und Design sichergestellt werden, dass den Fahrenden stets das aktuelle Automationslevel bewusst ist, damit sie ihre Rolle darin erfüllen können.
Die im Projekt Karli entwickelten Applikationen haben drei Schwerpunkte:
Warnungen und Hinweise sollen ein der Automatisierungsstufe angepasstes Verhalten fördern. Beispielsweise soll verhindert werden, dass der Fahrer in einem Moment abgelenkt ist, der Aufmerksamkeit auf die Straße erfordert. Die Nutzeransprache ist dabei dem jeweiligen Level angepasst – visuell, akustisch, haptisch oder eine Kombination aus diesen Möglichkeiten. Die Interaktion wird dabei von KI-Agenten gesteuert, deren Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit die Partner evaluieren.
Das Auftreten von Reiseübelkeit – eines der größten Probleme beim passiven Fahren – vorhersehen und minimieren. Zwischen 20 und 50 Prozent der Menschen leiden an dieser sogenannten Motion Sickness. Abhängig von erwartbaren Beschleunigungen auf kurvenreichen Strecken sollen die Insassen zum richtigen Zeitpunkt Tipps mit Bezug auf deren aktuelle Aktivitäten gegeben werden.
Generierte User Interfaces, kurz „GenUIn‘“ sind der dritte Schwerpunkt im Projekt Karli. GenUIn erstellt individualisierte Ansprachen und gibt Hinweise, wie Übelkeit vermindert werden kann, sollte sie dennoch auftreten. Diese Tipps können sich auf die aktuelle Tätigkeit beziehen, die durch Sensoren erfasst wird, aber auch berücksichtigen, welche Möglichkeiten im aktuellen Kontext überhaupt zur Verfügung stehen. Die Nutzerinnen und Nutzer erhalten durch die Äußerung von Wünschen zudem die Möglichkeit, die gesamte Interaktion im Fahrzeug nach und nach zu personalisieren und an ihre Bedürfnisse anzupassen. Das Automationslevel wird bei der Interaktion immer berücksichtigt: So können die Hinweise mal kurz und rein sprachlich sein, wenn der Fahrende sich auf die Straße konzentriert, oder ausführlich und über visuelle Kanäle, wenn das Fahrzeug gerade die Fahraufgabe ausführt.
Um die Aktivitäten im Auto zu erfassen, kommen verschiedene Sensoren zum Einsatz, zentral dabei sind optische Sensoren aus Innenraumkameras. Diese werden durch die aktuelle Gesetzgebung zum automatisierten Fahren ohnehin verpflichtend, um die Fahrtüchtigkeit der Fahrenden sicherzustellen. Die visuellen Daten der Kameras kombinieren die Forschenden dann mit großen Sprachmodellen zu sogenannten Vision Language Models (VLM). Diese sind die Grundlage dafür, dass moderne Assistenzsysteme in (teil-)autonomen Fahrzeugen Situationen im Innenraum semantisch erfassen und darauf reagieren können. Diederichs vergleicht die Interaktion im Fahrzeug der Zukunft mit einem Butler, der sich im Hintergrund hält, aber den Kontext kennt und den Insassen bestmögliche Unterstützung bietet.
„Entscheidende Faktoren für die Akzeptanz solcher Systeme sind Vertrauen in den Dienstanbieter, die Datensicherheit und ein direkter Nutzen für die Fahrenden“, sagt Frederik Diederichs. Deshalb sind bestmögliche Anonymisierung und Datensicherheit sowie eine transparente und erklärbare Erfassung der Daten wesentlich. „Nicht alles, was im Sichtfeld einer Kamera ist, wird ausgewertet. Es muss transparent sein, welche Informationen ein Sensor erfasst und wofür sie genutzt werden.“ In einem weiteren Projekt (Anymos) arbeiten die Fraunhofer-Forschenden daran, Kameradaten zu anonymisieren, datensparsam zu verarbeiten und effektiv zu schützen.
Serieneinsatz ab 2026
Ein weiteres Thema des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Forschungsprojekts ist die Dateneffizienz. Die Projektbeteiligten haben einen Ansatz gewählt, der nach eigenen Angaben nur wenige, qualitativ hochwertige KI-Trainingsdaten benötigt. Diese seien empirisch erhoben und synthetisch erzeugt. Auf dieser Datenbasis könnten Automobilhersteller entscheiden, welche Daten sie später im Serienbetrieb erfassen müssen, um das System nutzen zu können. „So ist der Datenaufwand überschaubar und die Projektergebnisse werden skalierbar“, erklärt Diederichs.
Erst kürzlich nahmen Diederichs und sein Team ein mobiles Forschungslabor auf Basis eines Mercedes EQS in Betrieb, um die Nutzerbedürfnisse beim automatisierten Fahren im Level 3 auf der Straße zu erforschen. Dort werden die Erkenntnisse aus dem Projekt Karli in der Praxis getestet und evaluiert. Somit könnten erste Funktionen ab dem Jahr 2026 in Serienfahrzeugen zur Verfügung stehen. Diederichs sieht in einer positiven Nutzererfahrung beim automatisierten Fahren einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, wenn Autohersteller „mit KI auf die Nutzeranforderungen eingehen und die Interaktion individualisieren“.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.