Elektro-Offensive Renault-Nissan-Mitsubishi: 35 neue Elektromodelle bis 2030

Von Yvonne Simon

Ende vergangener Woche hat die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi ihren Elektro-Fahrplan präsentiert. Zum Kern der Strategie gehören fünf gemeinsame E-Plattformen. Außerdem gab es einen Ausblick auf Nachfolger für Micra und ASX.

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Erster Blick auf den rein elektrischen Nachfolger des Nissan Micra.
Erster Blick auf den rein elektrischen Nachfolger des Nissan Micra.
(Bild: Nissan)

Die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi investiert in den kommenden fünf Jahren gemeinsam 23 Milliarden Euro in eine Elektro-Offensive. Bis 2030 sollen global 35 neue Elektromodelle auf die Straßen rollen.

Ziel ist es, die Nutzung gemeinsamer Plattformen von derzeit 60 auf 80 Prozent ihrer insgesamt 90 Modelle im Jahr 2026 zu erhöhen. Auf einer gemeinsam genutzten Plattform für das C- und D-Segment etwa sollen fünf Modelle stehen: Nissan Qashqai und X-Trail, Mitsubishi Outlander, Renault Austral und ein künftiges siebensitziges SUV.

Zudem wird es fünf gemeinsame Plattformen für E-Autos geben, auf denen 90 Prozent der neuen Elektromodelle stehen sollen:

  • CMF-AEV als Basis für das Günstig-SUV Dacia Spring
  • KEI-EV für „ultrakompakte“ Elektrofahrzeuge bzw. Kei-Cars
  • LCV-EV Family als Basis für den Renault Kangoo und den Nissan Townstar
  • CMF-EV unter anderem als Basis für den Nissan Ariya und den Renault Mégane E-Tech Electric. Bis 2030 sollen mehr als 15 Modelle auf der CMF-EV-Plattform basieren, geplant sind bis zu 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr.
  • CMF-BEV als kompakte Elektroauto-Plattform. Sie bildet die Basis für jährlich 250.000 Fahrzeuge der Marken Renault, Alpine und Nissan.

Die CMF-BEV-Plattform will die Allianz 2024 einführen. Sie sei der Schlüssel, um Elektroautos der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, kündigte Renault-CEO Luca de Meo an. Kompaktwagen sollen von da an preislich mit Verbrennern mithalten können.

Ausblick auf neuen Micra und ASX

Zu den Fahrzeugen, die auf der Plattform stehen werden, gehört neben dem Renault R5 auch der Nachfolger des Nissan Micra, auf den es bei der Präsentation erstmals einen Ausblick gab. Das Modell, das Nissan entworfen und Renault entwickelt hat, soll in Nordfrankreich produziert werden – ausschließlich als batterielektrisches Fahrzeug.

Zudem gab es Informationen zu einem weiteren neuen Modell: Anfang 2023 soll in Europa der „New ASX“ starten, eines von zwei Modellen auf Renault-Basis, die Mitsubishi den Verbleib auf dem Kontinent sichern sollen. Das B-SUV ASX werden die Japaner als Hybrid und als Plug-in-Hybrid anbieten. Es steht auf der CMF-B-Plattform, auf der auch Clio und Captur aufbauen, und soll im Renault-Werk im spanischen Valladollid vom Band laufen. Das zweite Mitsubishi-Modell soll dann Ende 2023 folgen.

Wird es perspektivisch auch ein Modell auf Basis der CMF-EV-Plattform geben, auf der bald der Renault Mégane E-Tech und Nissan Ariya starten? Das sei eine Option für die Zukunft, derzeit gebe es aber keine Pläne, erklärte Mitsubishi-CEO Takao Kato bei einer Fragerunde. Ziel von Mitsubishi sei es, zunächst „in Europa zu überleben“.

Renault bestätigt 100-Prozent Elektroquote bis 2030

In der Fragerunde wurden die CEOs auch nach ihren Plänen bezüglich der Elektrifizierungsquote gefragt. Luca de Meo bestätigte, dass Renault bis 2030 in Europa zu 100 Prozent rein elektrische Fahrzeuge anbieten möchte. Nissan-Chef Makoto Uchida bekräftigte, dass sein Unternehmen 2030 in den Kernmärkten 100 Prozent elektrifizierte Fahrzeuge im Angebot haben wird. In Europa will Nissan bereits 2026 auf 75 Prozent kommen. Mitsubishi rechnet damit, 2030 global 50 Prozent elektrifizierte Fahrzeuge zu verkaufen. Das klinge nach wenig, sagte Takao Kato, verwies jedoch darauf, dass in Mitsubishis Kernregion Asean der Fokus noch stärker auf Verbrennern liege.

Feststoffbatterie soll Kosten reduzieren

Teil der Elektropläne ist auch eine gemeinsame Batteriestrategie. Beispielsweise wollen Renault und Nissan einen gemeinsamen Batterielieferanten für die Kernmärkte auswählen. Ziel sei es, die Batteriekosten bis 2026 um 50 Prozent und bis 2028 um 65 Prozent zu senken. Bis 2030 soll die Allianz an den wichtigsten Produktionsstandorten weltweit über eine Batterieproduktionskapazität von insgesamt 220 GWh für Elektrofahrzeuge verfügen.

Zum Tragen kommt bei der Batteriestrategie auch das 2020 festgelegte „Leader-Follower-Modell“ der Allianz. Das heißt: Jeweils ein Hersteller übernimmt bei einer Technologie die Führung und stellt sie den Partnern zur Verfügung. So arbeitet Nissan an der Entwicklung einer Feststoff-Batterietechnologie, die allen Mitgliedern der Allianz zugute kommen soll. Ziel sei eine doppelt so hohe Energiedichte im Vergleich zu derzeitigen Flüssig-Lithium-Ionen-Batterien. Die Ladezeit soll sich auf ein Drittel verkürzen. Bis Mitte 2028 soll die neue Batterietechnologie in Serie produziert werden und für Kostengleichheit zu Verbrennern sorgen.

Fokus auf Vernetzung

Zu guter Letzt umfasst der Fahrplan auch Investitionen in Vernetzung und Digitalisierung. Bis 2026 will die Allianz über zehn Millionen Fahrzeuge bzw. 45 Modelle mit autonomen Fahrsystemen ausstatten. Schon heute seien 3 Millionen Fahrzeuge mit der Cloud der Unternehmen verbunden und tauschen permanent Daten aus. In vier Jahren sollen es 25 Millionen Fahrzeuge sein.

Unter der Führung von Renault entwickelt die Allianz eine zentralisierte elektrische und elektronische Architektur, die Elektronikhardware und Softwareanwendungen zusammenführen soll. Bis 2025 soll das erste „vollständig softwaredefinierte Fahrzeug“ auf den Markt kommen, um mit vernetzten Objekten, Nutzern und Infrastruktur den Allianzpartnern neue Geschäftsfelder zu erschließen.

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