Einerseits stranguliert das Coronavirus viele Wirtschaftsbereiche, andererseits fördert es manche Geschäftsideen, etwa die Entkeimung der Umgebungsluft. Der Ingenieursdienstleister Edag und Clean-Tec-Lighting entwickeln gemeinsam Systeme zur Luftreinigung im Fahrzeuginnenraum.
Geschäftsidee „saubere Luft“. Edag und Clean-Tec-Lighting entwickeln gemeinsam Systeme zur Luftreinigung im Fahrzeuginnenraum. Im Bild: Ein Beispiel der Luftreinigung bei BMW.
(Bild: BMW)
Eine Reinigungsleistung des UV-C-Lichts von 90 bis 99,9 Prozent bei Viren- und Bakterienstämmen ist schon seit Längerem bekannt. Clean-Tec-Lighting (CTL) hat zudem von einem akkreditierten Institut den Nachweis erbringen lassen, dass mit dieser Technik auch multiresistente Krankenhauskeime deutlich reduziert werden. Da das Coronavirus den Sars-Virenstämmen ähnelt, erwartet CTL-Geschäftsführer Michael Passi ähnliche Ergebnisse bei einem Wirksamkeitstest zu Covid-19.
Ansteckungsrisiken in der Bahn minimiert
Neben stationären Anlagen für Büro-, Krankenhaus- und Praxisräume hat CTL bereits Produkte mit angemeldeten Schutzrechten für Züge entwickelt und auf der Bahnmesse Innotrans 2016 vorgestellt. Auf Basis einer Studie der Hochschule Bremen entstanden unter den Sitzen angebrachte Systeme, mit denen die Ansteckungsrisiken für Fahrgäste und Personal minimiert werden können.
Die Technik der stationären Systeme in Gebäuden und der mobilen Systeme in Fahrzeugen (zum Beispiel Bahn, Bus, Pkw, Nutzfahrzeug, Schiff oder Flugzeug) ist ähnlich aufgebaut: Im Gehäuse sind ein oder mehrere Lüfter integriert, die Luft ansaugen und diese an der UV-C-Quelle vorbei leiten. Dabei werden Keime und Bakterien unschädlich gemacht. Die entkeimte Luft wird anschließend wieder in die Umgebung ausgeblasen.
Die in die Decken oder unter den Sitzen angebrachten Kleingeräte ließ CTL bisher in moderaten Stückzahlen von Partnern fertigen. Doch die Corona-Pandemie hat alles verändert. Derzeit haben Krankenhäuser, Praxen, der Handel sowie Betreiber von Veranstaltungshallen oder von Verkehrsunternehmen weltweit ein extrem hohes Interesse an Luftreinigungssystemen.
Hier kommt der Entwicklungsdienstleister Edag ins Spiel: „Unsere Kompetenzen und Erfahrungen in der Kleinserienproduktion sowie unser Entwicklungs-Know-how in Engineering- und Produktionslösungen machen uns für CTL zu einem idealen Projektpartner“, erläutert Thomas Klier, Sales Manager bei Edag Engineering in Ingolstadt.
Zweistufige Kooperation
Der am 2. Juni 2020 geschlossene Vertrag sieht vor, dass Edag seinen Partner CTL in mehreren Bereichen unterstützt – in einem ersten Schritt durch die Produktion der stationären Geräte für Gebäude und durch die Entwicklung von Nachrüstsätzen für Bahnfahrzeuge, Busse, Nutzfahrzeuge, Pkws, Schiffe und Flugzeuge. In einem zweiten, längerfristigen Schritt soll Edag die innovative Luftreinigungstechnik für integrierte Serienprodukte in Fahrzeugen adaptieren. CTL-Geschäftsführer Michael Passi: „Eines unserer Hauptziele ist es, den öffentlichen Personennahverkehr in Europa durch aktive Reduzierung von gefährlichen Keimen rasch sicherer zu machen. Jeder Mensch sollte mit einem besseren Gefühl in einen Zug oder einen Bus einsteigen. Die aktive Reduzierung und nicht das Sammeln von Keimen mittels Filtern ist hierbei unser Lösungsansatz.“
Da Edag bei der Nachrüstung für den Personentransport Aufgaben wie die Auslegung, Strömungssimulation, Festigkeitsuntersuchungen, Prototypenbau und die Applikation übernimmt, werden laut Thomas Klier Optimierungspotenziale systematisch erschlossen. Beispielsweise sind skalierbare Lösungen geplant, damit verschieden große Kabinen – etwa von Lkws oder Bahnwaggons – jeweils maßgeschneidert gereinigt werden können. Aktuell stehen CTL und Edag in aussichtsreichen Verhandlungen mit vielen Interessenten. „Hier ist das Interesse wegen Corona riesengroß. Erste Serienstarts für Bahnen, Busse und Taxis und damit der Anlauf der Produktion bei Edag stehen noch dieses Jahr an“, berichtet Klier.
Funktionaler Mehrwert
Parallel dazu treibt der Dienstleister in Zusammenarbeit mit CTL die technische Entwicklung für die Serienintegration des Luftreinhaltesystems in Fahrzeuge sowie den Vertrieb im Umfeld der Automobilhersteller voran. „Hier sehen wir uns in einer Dienstleisterfunktion, die Folgendes umfasst: Spezifikation, Integration und Entwicklung der Systeme bis hin zu Mustern und Prototypen. Sobald unsere Kunden – OEMs oder Tier-1-Zulieferer – in die Phase einer volumenstarken Serienfertigung eintreten, werden sie das filterlose Luftreinigungssystem auf UV-C-Basis vermutlich selbst verantworten“, so Klier. Er geht davon aus, dass solche hochintegrierten Lösungen jetzt verstärkt Eingang in die Produktplanung, die (Vor-)Entwicklungs- und Beschaffungsprogramme finden.
Wichtig ist laut Klier eine möglichst nahtlose Integration der Clean-Tec-Technik in bestehende Klimatisierungssysteme. Andererseits ist eine gewisse Zugänglichkeit gefordert, da die UV-C-Leuchtmittel oder LEDs nach einer vorgegebenen Anzahl von Betriebsstunden wegen Wirkungsverlust ausgetauscht werden müssen. „Dies sollte sich künftig – insbesondere für Taxis, Mietwagen und die Shared Mobility – zu einem Standard entwickeln, um ein Höchstmaß an Sicherheit für den Kunden zu gewährleisten“, ergänzt Klier.
Stand: 08.12.2025
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