Wachstumsmarkt Leichtbau Viel ungenutztes Leichtbaupotenzial
Bislang wurden Fahrkomfort, Dynamik, Sicherheit und Funktionalität mit Gewichtszunahmen erkauft. Kundenerwartungen zum Kraftstoffverbrauch und gesetzliche Vorgaben für CO2-Grenzwerte zwingen zum Umdenken. Leichtbau ist ein Wachstumsmarkt, doch noch bleibt viel Potenzial ungenutzt
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Ab dem Jahr 2020 drohen der Automobilindustrie in Europa empfindliche Abgaben für die Überschreitung der CO2-Grenzwerte. Bei den vorgesehenen Abgaben von 95 Euro pro Gramm Überschreitung der Grenze von 95 g/km und Neufahrzeug entstehen schnell Kosten in Milliardenhöhe. Seit 2012 liegt der Grenzwert bei 130 g/km für 65 Prozent der Flotte eines Herstellers – dieser „Erfüllungsgrad“ wächst über 75 Prozent in 2013 und 80 Prozent in 2014 auf 100 Prozent der Flotte in 2015.

Auf Grundlage von Zahlen von 2011 für Europa (Quelle: Jato Dynamics) führt heute die Fiat-Gruppe das CO2-Ranking mit einem CO2-Ausstoß von 123 g/km an – durch das von Kleinwagen geprägte Portfolio. Es folgt Toyota mit 124 g/km. Bester deutscher OEM ist derzeit der VW-Konzern auf Platz 9 (137 g/km), vor BMW auf Rang zwölf (145 g/km) und Daimler auf Platz 14 (155 g/km). Nach einer Hochrechnung der PA Consulting Group (PA) könnte Toyota im Jahr 2020 mit prognostizierten 92 g/km den Spitzenreiter Fiat mit voraussichtlich 94 g/km auf Platz zwei verdrängen, während VW mit 97 g/km auf den dritten Rang vorrücken kann.
Strafen verhindern
Um Strafen in Milliardenhöhe zu verhindern, müssen OEMs neben Innovationen in der Motoren-, Portfolio- und Elektroauto-Entwicklung ihren Fokus auf neue Materialien richten. Mit Leichtbauvarianten lassen sich nach Analyse der PA durch neue bzw. optimierte Materialien und Konstruktionen in Antriebsstrang, Fahrwerk, Innenraum und Karosserie Wirkungsgrade von zehn bis 20 Prozent auf die CO2-Reduzierung erzielen. Hinzu kommen Effekte aus dem über die Jahrzehnte und künftig weiter veränderten Materialmix: Der Aluminiumanteil – 1975 noch bei 3 Prozent – wird bis 2025 auf bis zu 20 Prozent steigen, der Stahlanteil aber im gleichen Zeitraum von 75 auf 40 Prozent sinken. Dagegen wird der Anteil von Kunststoff- und Verbundwerkstoffen von 6 Prozent 1975 auf 20 Prozent in 2025 steigen.
Fahrzeuggewicht um 43 Prozent gestiegen
Durch Fahrkomfort und -dynamik sowie durch Sicherheits- und Unfallvorsorge hat sich allerdings auch das Gewicht eines Fahrzeugs in der oberen Mittelklasse über sechs Modellgenerationen (1975-2012) um 43 Prozent erhöht. Dass es heute aber schon anders geht, zeigt Peugeot: Der neue 208 wird durch Materialumstellung, neue Fertigungsverfahren und Funktionsintegration um über 100 Kilogramm und damit zehn Prozent leichter.
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