Wachstumsmarkt Leichtbau

Viel ungenutztes Leichtbaupotenzial

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Pkw-Hinterachse aus glasfaserverstärktem Kunststoff

Ein Beispiel für Ansätze von Zulieferern bietet die Pkw-Hinterachse aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) mit radführender Querblattfeder der ZF Friedrichshafen AG. Sie verspricht extreme Leichtigkeit und Elastizität. Eine weitere Leichtbau-Komponente könnte das McPherson-Federbein mit integriertem GFK-Radträger der Friedrichshafener sein. Sie ist eine Konstruktion aus GFK, hochfestem Stahl und Aluminium, die halb so viel wiegt wie konventionelle Federbeine.

Türen 40 Prozent leichter

Auch Türen der Brose-Gruppe haben dank Kunststoffträgern aus langglasfaserverstärktem Polypropylen gegenüber Stahl 40 Prozent weniger Gewicht. Brose bietet ein Seitentürschloss mit einer Gewichtsreduzierung um bis zu ein Kilogramm pro Fahrzeug; beim Heckschloss können der Bauraum um 60 Prozent und das Gewicht um 30 Prozent sinken. Bereits im Jahr 2009 stellte Brose sein Leichtbausitzkonzept vor, das vier Kilogramm weniger wiegt als herkömmliche Systeme. Entscheidend ist die durch Kleben, Laser und Reibschweißen ermöglichte Kombination von hochfesten Stählen, Kunststoff und Aluminium.

Aus Blechteilen lasergeschweißte Ventilkonstruktion

Das Unternehmen Webasto-Edscha, das Mercedes für dessen SLS AMG Roadster beliefert, setzt für das Stoffverdeck einen Magnesium-Frontspiegel ein, der bei hoher Festigkeit Gewicht spart. Auch im Motorenbereich ist weniger mehr: Mit einer aus Blechteilen lasergeschweißten Ventilkonstruktion hat die Firma Mahle eine Optimierung für Ottomotoren gefunden. Die effektiv bewegte Masse beträgt im Vergleich zum bisherigen Ventil lediglich noch 77 Prozent. Dadurch verringert sich die Gesamtmotormasse. Auch bei Bremsen lässt sich das Gewicht mindern. Ein Beispiel ist die Festsattelbremse mit Aluminium-Monoblock-Bremssattel und gezogenen Bremsbelägen für mittelschwere Pkw vom Zulieferer Continental. Verglichen mit verbreiteten Faustsattelbremsen bringen Festsattelbremsen pro Rad 1,5 Kilogramm weniger Gewicht.

Blick zu Forschungsinstituten

Die Beispiele zeigen die vielseitigen Möglichkeiten der Gewichtseinsparung. Es gilt, über die gesamte Wertschöpfungskette die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Zulieferern zu intensivieren – auch der Blick zu Entwicklungsdienstleistern und Forschungsinstituten ist hier nötig. Nur so lassen sich, wie schon bei der Elektromobilität, die für alle geltenden CO2-Grenzwerte auch mittels Leichtbau erreichen. Es bietet sich durchaus auch ein Anlass für einen weiteren „nationalen Entwicklungsplan“ für weniger Gewicht im Automobilbau, um mit Innovationen aus Deutschland an diesem Wachstumsmarkt zu partizipieren.

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