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Leichtbaufahrzeug Cult und CNG
Die größten Produktionsanlagen vor Ort hat schon seit Jahren Magna Steyr. Das Unternehmen setzt sich in seiner Entwicklungsarbeit vor allem mit zukunftsweisenden Antriebstechnologien und Leichtbaulösungen auseinander. Wolfgang Kriegler, Leiter Advanced Development, blickt beim Thema Antrieb weit in die Zukunft: „Die übergeordnete Lösung sehen wir in der Brennzelle. Langfristig wäre es ideal, Elektroantrieb und Wasserstoffantrieb zu kombinieren.“ Wie Ventrex setzt auch Magna auf CNG („Compressed Natural Gas“): Ein solcher Motor soll das Leichtbauprojektfahrzeug Cult antreiben. Der Cult ist ein reines Vorentwicklungsprojekt, mit dem Magna ein modernes und effizientes Lifestyle-Vehikel präsentiert. Ziel ist es, das Gewicht auf weniger als 600 Kilogramm zu senken und einen CO2-Ausstoß von unter 50 g/km zu erreichen. Dabei helfen Funktionsintegrationen und der Materialsubstitutionen sowie verkleinerte Motoren und Achsen.
Motor-Baukastensystem e-Fusion
Ein weiterer großer Arbeitgeber in Graz ist AVL List. Es ist das weltweit größte private Unternehmen für die Entwicklung, Simulation und Prüftechnik von Antriebssystemen. Ein wichtiges Projekt von AVL ist das Motor-Baukastensystem e-Fusion. Es integriert in einem Antrieb zusätzliche Systeme und Komponenten wie Batterie, Generator, E-Motor und Leistungselektronik. Am Beispiel eines von AVL List gefertigten Plug-in-Antriebs schätzt Herfried Sorger, Leiter Konstruktion, Engineering und Technik Antriebssysteme, die Ersparnisse so ein: „Die Kosten für das System sind im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen je nach Applikation zwischen 10 und 40 Prozent niedriger.“ Der Plug-in-Antrieb besteht aus Verbrennungsmaschine, Getriebe, E-Motor, Leistungselektronik und Anbauteilen. Der Baukasten eignet sich auch für alle anderen Antriebsvarianten: vom konventionellen Antriebsstrang bis zum reinen Elektrofahrzeug. Laut Sorger soll ein Vorführmodell des e-Fusion in sechs bis neun Monaten serienreif sein. Noch fehlt zwar ein Auftraggeber, doch es gebe schon Interessenten.
Virtual Vehicle: Virtuelle Fahrzeugentwicklung
Beim letzten Programmpunkt der Österreichvisite handelt es sich nicht um ein klassisches Unternehmen. Virtual Vehicle ist vielmehr ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, das an zukünftigen Fahrzeugkonzepten arbeitet. Es entwickelt nicht nur Komponenten, sondern forscht an effizienten Gesamtfahrzeugen. Daneben sind der Leichtbau und Mobilitätskonzepte wesentliche Themen, mit denen sich die 190 Mitarbeiter beschäftigen.

Sie arbeiten eng mit der TU Graz zusammen und nutzen deren Test- und Prüfstände. Trotzdem betont Dr. Jost Bernasch, Geschäftsführer des Virtual Vehicle, den Unterschied zur Universität: „Experten kommen dort meist nur für die Dauer eines Projektes. Nach drei Jahren kracht das aufgebaute System meist ohne diese Fachkräfte zusammen. Wir haben dagegen zu 90 Prozent Stammpersonal. Das macht ein langfristiges Arbeiten möglich.“ Besonders intensiv verfolgt das Team um Geschäftsführer Bernasch die virtuelle Gesamtfahrzeugentwicklung. Virtual Vehicle hat sich darauf spezialisiert, mehrere Simulationen zu verknüpfen. „Sie kaufen keine Einzelteile, sondern ein Fahrzeug. Mit einer Systemsimulation kann ich alle Anforderungen prüfen und ein gesamtes System bewerten“, erklärt Bernasch. Der Vorteil für die OEMs bestehe darin, die Zahl der teuren Hardware-Prototypen zu reduzieren. Das Einsparpotenzial liege bei 500.000 bis einer Millionen Euro pro nicht produziertem Prototyp. Eine Software von Virtual Vehicle ist die Icos 2.0 (Independent Co-Simulation). Sie hilft beispielsweise dabei, die Lebensdauer von Batterien in Hybrid-Autos zu optimieren.
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