60 Jahre Automobil Industrie

100 Jahre ZF Friedrichshafen: Mechanik und Elektronik

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Meilensteine in der Fahrwerkstechnik

Nicht nur im Antriebsstrang, sondern auch in der Fahrwerktechnik setzte ZF wichtige Meilensteine. Als sich der Konzern im Jahr 1984 zu 51 Prozent an der Lemförder-Unternehmensgruppe beteiligte, markierte das seinen tieferen Einstieg in die Fahrwerktechnik. Das Portfolio bestand zunächst aus hochwertigen Einzelkomponenten wie Kugelgelenken oder Spurstangen für Pkw und Nfz. Doch darauf war es nur kurz beschränkt: Mitte der neunziger Jahre suchten die OEMs erstmals nach externen Lieferanten für komplette Achssysteme – und fanden in ZF einen kompetenten Partner. Binnen kürzester Zeit entstanden in den USA zwei neue Achsmontagewerke in unmittelbarer Nähe der OEM-Produktionsstätten. In Duncan startete 1994 die Produktion kompletter Vorderachsen für den BMW Z3. Und der Standort in Tuscaloosa stellte ab 1996 für die dort gefertigte Mercedes-Benz M-Klasse komplette Vorder- und Hinterachsen als einbaufertige Module bereit – zusammengesetzt etwa aus Differenzialgetriebe, Antriebswelle, Lenkung, Spurstangen, Lenkern, Bremsen sowie Feder- und Dämpferteilen.

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Übernahme der Mannesmann Sachs AG

Eine ähnlich schnelle Markteroberung gelang ab 2001 auch bei Stoßdämpfern, nach der Übernahme der damaligen Mannesmann Sachs AG. Das elektronisch geregelte CDC-System zählt hier zu den größten Innovationen: Es hebt in der aktuell vierten Generation den Zielkonflikt zwischen einer eher sportlichen oder komfortablen Abstimmung auf. Für eine weitere Innovation war Mitte 2013 Produktionsstart. Die Active Kinematics Control (AKC) unterstützt den Lenkeinschlag von Pkw durch Spurwinkeländerungen an der Hinterachse. Durch diese Technik lassen sich die Fahrsicherheit und die Fahrdynamik verbessern.

Einstieg in die Lenkungstechnik

Als sich der Zahnrad- und Getriebespezialist in den dreißiger Jahren nach neuen Produktfeldern und Marktchancen umsah, lag die Lenkungstechnik durchaus nah. Denn die Mechanik in einem Lenkgetriebe passte zum Produktions-Know-how eines Getriebeherstellers. Zum Einstieg wählte ZF den Weg der Lizenzfertigung: Für das US-Unternehmen Ross Gear and Tool Comp. Inc. produzierte ZF in Europa die so genannte „Ross-Lenkung“. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konzentrierte ZF das Lenkungsgeschäft am Standort Schwäbisch Gmünd. Dort begann 1953 die Herstellung der Gemmer-Lenkung, für die ZF wieder die Lizenz eines US-Unternehmens erworben hatte. Mit ihr konnten die Räder nach dem Lenken sehr bequem in den Geradeauslauf gebracht werden, weil die Gemmer-Lenkung das Rückstellmoment nutzte. Noch mehr Komfort wurde möglich, als ZF das Prinzip der Gemmer-Lenkung mit hydraulischen Hilfskraftanlagen kombinierte – der Beginn der Servolenkung. 1954 war ZF mit einem Produktionsvolumen von 400.000 Lenkungen pro Jahr der größte europäische Lenkungshersteller.

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