60 Jahre Automobil Industrie

100 Jahre ZF Friedrichshafen: Mechanik und Elektronik

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Die geschwindigkeitsabhängige Servounterstützung

Die damaligen Servolenkungen für Pkw waren allerdings noch immer ein Kompromiss, denn die Servokraft war immer gleich hoch. Das war beim Einparken zu wenig und bei einer flotten Autobahnfahrt zu viel. Abhilfe schaffte 1986 die Servotronic – die zum Synonym für geschwindigkeitsabhängige Servounterstützung wurde. Mit ihr konnte der Fahrer mit einem Finger einparken, während bei hohen Geschwindigkeiten die Lenkung direkt wirkte und optimale Rückmeldung gab. Der Name dieser Lenkung, die zunächst dem BMW 7er und dem Opel Senator vorbehalten war, ging in die Ausstattungslisten vieler OEMs bis tief in die Kompaktklasse ein.

Elektrifizierung der Servokräfte

ZF arbeitete daran, den Kraftstoffverbrauch der Lenkung weiter zu senken. Potenzial eröffnete die Elektrifizierung der Servokräfte. Denn damit ließ sich das Power-on-demand-Prinzip verwirklichen. Um die Entwicklung der entsprechend leistungsfähigen Elektromotoren zu sichern, gründete ZF mit der Robert Bosch GmbH ein Joint Venture, das bis Anfang 2015 bestand: die ZF Lenksysteme GmbH. 2003 ging die Elektrolenkung unter dem Namen Servolectric in Serie – und das sogleich für die Golf-Plattform des VW-Konzerns. Sie senkte den Kraftstoffverbrauch um 0,3 Liter, später sogar um 0,4 Liter pro 100 km.

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Überlagerungslenkung und Rangierassistent

Mit der Überlagerungslenkung brachte ZF ein weiteres Highlight auf den Markt und schuf damit neue Möglichkeiten für die Vernetzung. Dank eines Überlagerungsgetriebes kann ein Elektromotor fahrerunabhängig auf die Lenkung einwirken. Bei langsamer, kurvenreicher Fahrt fällt daher der Einschlagwinkel der Räder deutlich größer aus als die Lenkbewegung des Fahrers. Bei Lkw kann die Überlagerungslenkung Seitenwind kompensieren, ohne dass der Fahrer selbst gegenlenken muss. Sie war neben dem Traxon-Hybridgetriebe und den Telematik- und Sensierungsfunktionalitäten von Openmatics auch ein wesentliches Element im ZF Innovation Truck: Dieser Lkw mit 25 Metern Länge lässt sich dank eines Rangierassistenten via Tablet außerhalb der Fahrerkabine rangieren.

Seit 2011 Telematik-Dienstleister

Mit Openmatics wagte ZF 2011 den Schritt zum Telematik-Dienstleister. Das System soll den Nutzfahrzeugkunden nicht nur die Fahrzeugdiagnose und -disposition erleichtern, sondern auch als Nachrichten- und Werbeplattform dienen. Openmatics ist eine offene Telematikplattform zur Übertragung von Fahrzeugdaten an ein Webportal. Auf gleichem Weg können auch Daten in das Fahrzeug übertragen werden, etwa Nachrichten oder Werbung. Telematik und Internet im Fahrzeug sind grundsätzlich nicht neu. ZF bietet mit der offenen Plattform Openmatics jedoch ein System aus einer Hand an, das verschiedene Funktionen übersichtlich bündelt.

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