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Bilanzpressekonferenz: Bosch bleibt auf Kurs

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Drei Entwicklungslinien für die Mobilität von morgen

Für die Zukunft der Automobiltechnik verfolgt Bosch drei Entwicklungslinien: das Fahren elektrifizieren, automatisieren und vernetzen. „Die Elektrifizierung des Antriebs müssen und werden wir erschwinglich machen. Ganz wichtig dafür: die Batterie", sagte Denner. Deren Energiedichte will Bosch bis Anfang der nächsten Dekade mehr als verdoppeln. Der Zulieferer arbeitet an einer ganz neuen Zelltechnologie, die vom amerikanischen Start-up Seeo übernommen wurde. Zugleich treibe man das System- und Komponenten-Geschäft für den elektrischen Antrieb voran. Denner: „Wir entwickeln neue Generationen von E-Maschine und Leistungselektronik. Und nicht zuletzt arbeiten wir an der elektrischen Achse. Das heißt: Elektromotor, Leistungselektronik und Getriebe werden in einem Gehäuse integriert. Dies reduziert die Komplexität des E-Antriebs und spart bis zu zehn Prozent Volumen und Gewicht.“ Für die Automatisierung des Fahrens hat Bosch nach eigenen Angaben alle wesentlichen Kompetenzen im Haus. Inzwischen beschäftigt der Zulieferer auf diesem Feld rund 2.500 Entwickler, nahezu 500 mehr als ein Jahr zuvor. Die Ziele lauten: vollautomatisiertes, also fahrerloses Einparken bereits in zwei Jahren, automatisiertes Fahren auf Autobahnen bis Ende der Dekade. Parallel will man mehr Sicherheit durch Fahrerassistenz schaffen. Dies ist für Bosch ein stark wachsendes Geschäftsfeld, das 2016 erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro übertrifft. Allein der Absatz von Radarsensoren legt dieses Jahr um 60 Prozent zu, der von Videosensoren um 80 Prozent.

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Vernetzung auf zwei Wegen

Die Vernetzung des Fahrens schließlich ermöglicht Bosch auf zwei Wegen: einerseits über die Smartphone-Integration, so dass Apps im Fahrzeug sicher bedienbar werden, andererseits über fest eingebaute Kommunikationsboxen, wie man sie etwa für den Notruf E-Call benötigt. „Bedienbar machen wir die Vernetzung über unsere Infotainment- und Anzeigesysteme“, ergänzte Denner. Ein Geschäft, in dem Bosch jährlich zweistellig wächst, also deutlich stärker als der Markt. Allein der Absatz der frei programmierbaren Kombiinstrumente legte zuletzt um ein Viertel zu. Das Fahren automatisieren, die Kommunikation zwischen Auto und Außenwelt erleichtern – diese beiden Entwicklungspfade kreuzt Bosch besonders beim vernetzten Parken. Hier bietet das Unternehmen nicht nur Technik-, sondern auch Service-Innovationen: Zum einen den automatisierten Parkservice. Hier genügt es, das Auto auf einem Übergabeplatz abzustellen, und es fährt selbsttätig zum Stellplatz. Dabei navigiert es erst auf den letzten Zentimetern mit seinen Ultraschallsensoren, zuvor aber mit Hilfe der Videoüberwachung im Parkhaus. Dank dieser Vernetzung von Fahrzeug und Infrastruktur wird der automatisierte Parkservice laut Denner schon 2018 Realität.

Zum anderen das Online-Parken. Hier werden die Autos selbst zu Sensoren. Im Vorbeifahren erkennen sie Parklücken am Straßenrand. Via Internet gehen diese Meldungen an den Bosch-Server. Es wird eine Echtzeit-Parkkarte berechnet und via Internet zurück in die „Community“ der beteiligten Fahrzeuge gespielt. Denner: „Gerade dieses Beispiel zeigt, wie kreativ Bosch das entstehende Service-Geschäft erschließt.“

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Über den Autor

 Claus-Peter Köth

Claus-Peter Köth

Chefredakteur Automobil Industrie & Next Mobility