Mit Ladeleistungen jenseits der 1000-kW-Marke will der chinesische Hersteller BYD das Elektroauto endgültig auf Tankstellen-Niveau bringen – der Weg dorthin ist technisch anspruchsvoll und hat gerade erst begonnen.
BYD arbeitet am extrem schnellen Laden
(Bild: Tomas Hirschberger)
Das Megawatt Charging galt lange als Domäne von Nutzfahrzeugen, doch mehr und mehr drängt die Technologie nun auch in den Pkw-Bereich. An der Spitze treibt der chinesische Elektro-Riese BYD diese Entwicklung mit bemerkenswerter Geschwindigkeit voran. Während aktuelle Schnellladesysteme meist bei 150 bis 350 kW liegen, verspricht das sogenannte Flash Charging des Herstellers in zweiter Generation bereits Leistungen von bis zu 1500 kW. Für vollelektrische Fahrzeuge und Plug-In-Hybride bedeutet das technologisch einen Sprung ins nächste Zeitalter und könnte die Akzeptanz der Elektromobilität deutlich beschleunigen. Denn damit schrumpfen Ladezeiten erstmals in die Nähe klassischer Tankstopps – zumindest unter idealen Bedingungen.
Der nächste Schritt beim Schnellladen
Im Kern funktioniert Megawatt Charging nach einem einfachen Prinzip: Mehr Leistung ergibt sich aus höherer Spannung und höherem Strom. Sind 400 Volt-Plattformen heute Standard und der teure Sprung auf 800 Volt-Architekturen noch die Ausnahme, setzt BYD bereits auf 1.000 Volt und Ströme von bis zu 1.000 Ampere und mehr. Kombiniert mit der neuesten Generation der LFP-Blade-Batterien 2.0 (Lithium-Eisenphosphat), die nicht nur billiger sind, sondern auch widerstandsfähiger, sowie spezieller Leistungselektronik und gezielter Kühlung lassen sich so theoretisch Ladeleistungen von deutlich über 1.000 kW realisieren. In der Praxis bedeutet das: In etwa fünf Minuten können bis zu 400 Kilometer Reichweite nachgeladen werden, BYD spricht von neun Minuten für die Füllung eines 122 kW-Akkus (10 – 97 %) – ein Ladetempo, das bislang als unerreichbar galt. Selbst bei Temperaturen von minus dreißig Grad Celsius soll es der Ladevorgang nur drei Minuten länger dauern. Megawatt Charging könnte insbesondere auf Langstrecken oder im Flotteneinsatz neuen Rückenwind für Elektrofahrzeuge bedeuten und damit eine zentrale Hürde der Elektromobilität abbauen.
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Der Schlüssel liegt jedoch nicht allein in der Ladesäule, sondern im Gesamtsystem. BYD baut auf die sogenannte „Super e-Plattform“, bei der Blade-Batterie, Inverter, Motor und Peripherie auf das hohe Spannungsniveau abgestimmt sind. Siliziumkarbid-Halbleiter (SiC) ermöglichen dabei effizientere Stromverarbeitung bei hohen Spannungen, während neu entwickelte Zellchemien und Separatoren extreme Ladeleistungen verkraften sollen, ohne die Lebensdauer drastisch zu verkürzen. Die Garantie von acht Jahren (oder 250.000 km) auf die Akkus bleibt bestehen. Gleichzeitig kommen flüssigkeitsgekühlte CCS-Kabel und Steckverbindungen zum Einsatz, um die enorme Wärmeentwicklung zu beherrschen.
Technische Hürden für Netz und Infrastruktur
Gerade hier liegen auch die größten technischen Herausforderungen. Denn je höher die Ladeleistung, desto kritischer werden thermisches Management, Sicherheit und Netzintegration. Kabel müssen aktiv gekühlt werden, um Ströme im vierstelligen Amperebereich überhaupt übertragen zu können. Batterien wiederum dürfen bei der Schnellladung weder überhitzen noch vorzeitig altern – ein Problem, das bislang die Ladeleistung vieler Elektroautos begrenzt. Zudem stellt die Stromversorgung selbst eine Hürde dar: Megawatt-Lader benötigen enorme Anschlussleistungen, die das bestehende Stromnetz vielerorts überfordern. Studien belegen, dass solche Lasten erhebliche Auswirkungen auf Verteilnetze haben können und entsprechende Infrastruktur-Upgrades notwendig sind. BYD versucht, dieses Problem durch integrierte Energiespeicher an den Ladesäulen zu entschärfen. Diese fungieren als Puffer, laden sich langsam aus dem Netz und geben die Energie dann in kurzer Zeit mit hoher Leistung an das Fahrzeug ab. An jeder Säule sind zwei Pufferbatterien angedockt, die jeweils 185 kWh speichern können. Bis zu fünf Autos hintereinander können so laut BYD pro Stunde geladen werden.
Die Chinesen sind optimistisch und wollen das Projekt Flash Charging megaschnell in den Elektro-Alltag bringen. Stella Li, Vice President von BYD, hat das Ziel postuliert, global ein eigenes Flash Charging Netzwerk aufzubauen, Händler bei Investitionen zu unterstützen und auch mit etablierten Betreibern zusammenzuarbeiten. In China gibt es bereits 5.300 dieser Flash-Charger. Ende 2026 sollen es 20.000 sein. Weitere 6.000 sind außerhalb Chinas geplant, allein 3.000 in Europa bis Ende des Jahres, 300 der T-förmigen Ladestationen mit jeweils zwei Outlets werden in Deutschland ans Netz gehen. Hier peilen die Chinesen eine Lösung zwischen der ersten und zweiten Generation mit etwas über 1.000 kW an.
Gerade erst hat BYD mit dem Z9 GT der Premiumtochter Denza sein erstes Modell bei uns vorgestellt, das Super-Laden beherrscht. Wer ihn bis zum 30.9. bestellt, bekommt den Strom 18 Monate kostenfrei dazu, danach sind es immerhin noch zwölf Gratis-Monate. Zum Herbst folgt dann unter dem BYD-Label ein weiterer Speed-Lader. Erwartet wird ein Elektro-SUV im Format eines BMW IX3. Danach geht es Schlag auf Schlag. Zumindest alle kommenden Denza-Modelle (noch sechs bis zum Jahresende) haben Flash-Charging im Repertoire. Der ganze Aufwand ist kein Selbstzweck. BYD sieht in dem neuen Ladetempo für sich die Chance, fehlendes Image mit Vorsprung durch Technik wettzumachen.
Wettlauf um Lade-Revolution
Die Konkurrenz jedoch schläft nicht. Mercedes-Benz demonstrierte mit einem Konzeptfahrzeug bereits Ladeleistungen jenseits der Megawatt-Marke, wenn auch noch kein Serieneinsatz angekündigt ist. Tesla wiederum setzt bei seinen Megachargern bislang vor allem auf den Nutzfahrzeugbereich, während die Pkw-Infrastruktur aktuell bei deutlich geringeren Leistungen bleibt. Europäische Anbieter wie ABB E-Mobility, Siemens oder Alpitronic entwickeln parallel Hochleistungslader, die perspektivisch ebenfalls in den Megawattbereich vorstoßen dürften. So schnell wie BYD aber ist keiner.
Stand: 08.12.2025
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Langfristig wird sich Megawatt-Ladesysteme vor allem dort durchsetzen, wo Zeit ein kritischer Faktor ist: auf Autobahnen, in urbanen Schnellladehubs oder im gewerblichen Flottenbetrieb. Gleichzeitig dürfte die Technologie zunächst in hochpreisigen Fahrzeugsegmenten starten, bevor sie in den Massenmarkt durchgereicht wird.
Auf jeden Fall markiert das Flash-Charging einen technologischen Wendepunkt. Ob daraus tatsächlich der neue Standard für Elektro-Pkw wird, hängt weniger von der Machbarkeit ab als vielmehr von der Verbreitung der technischen Voraussetzungen der Autos, der Kosten und der Infrastruktur. Während andere noch Tüfteln, hat BYD den ersten großen Schritt bereits gemacht und bietet die Technologie schon jetzt serienreif und ohne Aufpreis an. Doch der Wettlauf um die schnellste Ladesäule der Welt hat gerade erst begonnen.