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China Market Insider Chinas Coronakrisenplan: Technologie statt Beton

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Sven Prawitz

Chinas Regierung hat weitreichende Maßnahmen, die die Wirtschaft stützen sollen, beschlossen. Diesmal fließt das Geld allerdings nicht in Stahl und Beton.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
(Source: Deposit Photos)

Wie China seiner Autoindustrie aus der Coronakrise helfen will, hat Premier Li Keqiang gerade in seinem jährlichen Regierungsbericht dargelegt. Auf der diesjährigen Tagung des Nationalen Volkskongresses (NVK) in Peking, die wegen Corona zwei Monate lang verschoben worden war, verkündete Li eine Reihe von direkten und indirekten Fördermaßnahmen für den von der Krise schwer gebeutelten Sektor.

Man dürfe für 2020 mit mehr als 300 Milliarden Euro an Erleichterungen für Unternehmen in China erwarten.

Zu den direkten Stimulus-Ausgaben gehören milliardenschwere Investitionen des Staates in eine Reihe von Zukunftstechnologien, zusammengefasst als „Neue Infrastruktur“, darunter auch solche mit direktem Bezug zur Autoindustrie. „Der diesjährige Regierungsbericht erwähnt zum ersten Mal die ‚Neue Infrastruktur‘ und schlägt ausdrücklich den Ausbau von Ladestationen und die Förderung von New Engergy Vehicles (NEV) vor“, schreibt das Fachmagazin »Automobil Industrie China« in einer Analyse des diesjährigen Regierungsberichtes.

Obwohl einzelne dieser Fördermaßnahmen in den vergangenen Wochen und Monaten bereits verkündet worden sind, hat ihr Festschreiben im Regierungsbericht des Premiers in China Gewicht. Es ist ein wichtiges Signal an Zentralplaner und Provinz- wie Lokalregierungen. Chinas Marionettenparlament stempelt sie auf dem NVK zwar weitgehend kritiklos ab, doch Analysten erhalten wichtige Hinweise auf die Richtung der Regierungspolitik im kommenden Jahr.

Milliarden Euro für die Elektromobilität

Peking signalisiert also in diesem Jahr, dass es NEV – dazu zählen batteriegetriebene, Hybrid- und Brennstoffzellen-Fahrzeuge stark fördern will. Mindestens zehn Milliarden chinesische Yuan (rund 1,3 Milliarden Euro) werden in diesem Jahr landesweit in das Ladenetz investiert. Damit sollen unter anderem 200.000 neue öffentliche und 400.000 neue private Ladestationen errichtet werden.

Zu den indirekten Fördermaßnahmen, die große Bedeutung für den Elektromarkt haben, zählen die von Li angekündigten Ausgaben zum Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes, von Datenzentren, des Internets der Dinge (IOT) und der künstlichen Intelligenz. Dies werde „die weitere Digitalisierung und die qualitative Aufwertung verschiedener Teilbereiche der Automobilindustrie in China beschleunigen“, schreiben Marktbeobachter, vom automatisierten Fahren bis hin zum digitalen Marketing in der Automobilindustrie.

Mobilität satt Immobilien

Anders als bei früheren Wirtschaftskrisen beschränkt sich Chinas Regierung diesmal also nicht darauf, die Betonmischer anzuwerfen, sondern versucht zumindest einen Teil der nun erforderlichen Milliarden zur Stützung des heimischen Marktes in nachhaltige und zukunftsträchtige Felder zu lenken. Die Hersteller von Elektrofahrzeugen, Start-ups und etablierte Player im Bereich automatisiertes Fahren und Entwickler von digitalen Mobilitätsdiensten sowie deren Zulieferer gehören zu den Nutznießern dieser Wirtschaftspolitik.

Die Coronakrise wirkt also gerade als Katalysator für die Beschleunigung von Innovation im weltweit größten Markt für Elektromobilität. Noch indirekter, aber ein wichtiger Rettungsring von der Zentrale für die Autoindustrie des Landes, sind die wegen Corona beschlossenen Steuererleichterungen für Unternehmen. Man dürfe für 2020 mehr als 2,5 Billionen Yuan (mehr als 300 Milliarden Euro) an Erleichterungen für Unternehmen in China erwarten, mit den Produktions- und Betriebskosten finanziert werden können, rechnet »Automobil Industrie China« vor.

Über den Autor

*Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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