Working-Capital-Studie

Deutsche Unternehmen nutzen liquide Mittel nicht optimal

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BMW und Leoni vorn

Die ungünstigen DPO-Werte (Tagesreichweite eigener Verbindlichkeiten) der DAX-Unternehmen erklärt Paul Moody so: „Die DAX-Companies können aufgrund ihrer finanziellen Kraft relativ schnell zahlen und sich dadurch attraktive Skonti sichern. Die anderen deutschen Unternehmen generieren mit Hilfe der längerfristigen Zahlungsziele günstige Kreditlinien.“ Freilich, so relativiert Jonas Schöfer: „Die deutschen und die DAX-Unternehmen waren auch 2014 führend, was Wachstum, Rentabilität, Gewinne und Exporterfolge anging. Bei verschlechterten Rahmenbedingungen und einer neuerlichen Finanz- und Wirtschaftskrise kann sich die im europäischen Vergleich schlechtere Working-Capital-Performance aber durchaus als kritischer Wettbewerbsnachteil auswirken.“

Wie breit gefächert das Liquiditätspotential bereits erschlossen oder noch erschließbar ist, zeigt auch ein Blick auf deutsche Unternehmen in der Automobildustrie: Bei den OEMs ist BMW mit einer Kapitalbindungsdauer von 41 Tagen Spitzenreiter, während Fiat Chrysler europaweit mit nur 23 Tagen führt. Volkswagen hat einen CCC-Wert von 55, Daimler bildet das Schlusslicht mit 68 Tagen.

Unter den deutschen Zulieferern führt die Leoni AG mit 33 Tagen CCC, die Hella KGaA braucht 48 und Schaeffler benötigt 76 Tage, um Cash in Cash plus Profit umzuwandeln. Die Autoneum Holding aus der Schweiz schafft das in nur vier Tagen.

Große Kluft

Dass das Thema Working Capital gerade bei der Leoni AG einen hohen Stellenwert hat, bestätigt deren CFO und CEO Dieter Bellé: „Neben der Profitabilität ist das Working-Capital-Management ein wesentlicher Bestandteil, um den Cash Flow zu optimieren. Der Free Cash Flow ist eine der zentralen externen Steuerungsgrößen und damit auch intern von großer Bedeutung.“ Und das ist für den Zulieferer und seine Entwicklung eine wichtige Basis, ergänzt der Firmen-Chef: „Ein positiver Free Cash Flow ist bei Eigen- und Fremdkapitalgebern von zentraler Bedeutung und schafft damit für LEONI die finanziellen Freiräume für organisches und anorganisches Wachstum.“

Dass generell Liquiditätspotentiale erfolgreich und konsequent genutzt werden können belegt die REL-Studie eindrucksvoll: In Deutschland erreichen die Spitzenunternehmen des statistischen 1. Quartils einen CCC-Wert von 31,2 Tagen gegenüber dem Mittelwert aller produzierenden deutschen Unternehmen von 74,6 Tagen, sie liegen also um 58 Prozent besser. Wie das möglich ist, zeigen die Einzelbereiche: Die Topunternehmen zahlen ihre Zulieferer nach 76,8 Tagen, der Durchschnitt nach 55,5 Tagen, sie treiben ihre Forderungen um 13,7 Tage schneller ein als das Mittel und halten ihre Lagerbestandsreichweite bei 36,7 Tagen, während der Mittelbereich die Lager für 74,9 Tage bevorratet.

Dafür müssen beim Working-Capital-Management Schwerpunkte gesetzt werden. Bei Leoni sind das laut Dieter Bellé folgende: „Das Working Capital Management bei Leoni fokussiert sich auf die drei Bestandteile Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Vorräte sowie Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Das lokale Management ist ständig gefordert, die genannten Positionen zu optimieren.“

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