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Sonderfahrzeuge Dwarf Cars: automobile Zwerge

Autor / Redakteur: SP-X / Thomas Günnel

Ernie Adams ist ein Bilderbuch-Amerikaner und lebt auf einer staubigen Farm in Arizona. Aber statt eines riesigen Pick-Ups fährt der Mechaniker lieber seine rostigen Dwarf Cars, Zwergenautos – selbst gebaute Hot Rods im Maßstab 1:2.

Große Pick-ups sind gerade in Amerika gefragt, Ernie Adams fährt aber lieber seine rostigen Dwarf Cars , Zwergenautos – selbst gebaute Hot Rods im Maßstab 1:2.
Große Pick-ups sind gerade in Amerika gefragt, Ernie Adams fährt aber lieber seine rostigen Dwarf Cars , Zwergenautos – selbst gebaute Hot Rods im Maßstab 1:2.
(Foto: SP-X/Benjamin Bessinger)

Sein erstes Auto hat er noch am Küchentisch aus Obstkisten zusammengeschustert, um damit durchs Wohnzimmer zu flitzen. Doch schon für das zweite hat er einen alten Kühlschrank zerlegt, der von einem Güterzug gefallen ist, sich auf dem Schrottplatz noch acht weitere Kühlschränke und einen 18 PS starken Chevrolet-Motor besorgt und daraus einen Wagen gebaut, mit dem er tagelang durch den heimischen Garten pflügen konnte: Seit Ernie Adams denken kann, denkt er an kaum etwas anderes als an Autos. Und statt sie nur zu fahren, baut er sie gleich selbst.

Maßstabsgerechtes Downsizing

Schon darin unterscheidet er sich von vielen anderen PS-Fans. Doch was Ernie gar vollends zum Exoten macht, ist das Format seiner Autos. Denn obwohl er mit Leib und Seele Amerikaner ist und über seiner staubigen Farm in Maricopa im US-Staat Arizona natürlich ein Star-Spangled-Banner weht, ist „big“ für ihn überhaupt nicht beautiful. Wo seinen Nachbarn ihre Pick-Ups gar nicht groß genug sein können, hat er sich schon dem Downsizing verschrieben, als „Kleinwagen“ in Amerika noch ein Schimpfwort war und Vierzylinder allenfalls in Rasenmäher eingebaut wurden.

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Nur dass er „Downsizing“ ein bisschen anders interpretiert als die Ingenieure in Detroit oder Stuttgart – nämlich wörtlich, und vor allem maßstabsgerecht. Er schrumpft nicht nur die Motoren, sondern die ganzen Autos und hat in seiner Scheune deshalb ein halbes Dutzend liebevoller Miniatur-Hot Rods von Ford, Mercury oder Chevrolet aus den 30er, 40er und 50er Jahren stehen: „Dwarf Cars“, Zwergenautos, nennt er die PS-Zwerge, die er auf den Maßstab 1:2 herunter gerechnet hat.

Skizzen von Hand auf Papier

Während er in seinen Kindertagen noch viel improvisieren musste, arbeitet er heute professioneller. Schließlich hat er nach der Schule eine Mechaniker-Lehre gemacht und seine Werkstatt entsprechend aufgerüstet. Zwar macht er die Skizzen noch von Hand auf Papier und nutzt dabei wenig mehr Technik als ein Lineal, einen Zirkel und einen Bleistift. Aber er dreht und schweißt und dengelt die Bleche wie ein Kunsthandwerker. Er bringt die Autos mit den gekürzten Achsen und den Motoren aus alten Toyota Corolla zum Fahren und sucht so lange auf den Schrottplätzen der Umgebung nach winzigen Felgen und kleinen Scheinwerfern, bis die Kopie dem Original nahe genug kommt.

Und mit viel Geduld und noch mehr Liebe zum Detail friemelt er in die Musclecar-Miniaturen sogar komplette Innenräume. Mit jeder Menge Lack und Leder und reichlich blank poliertem Chrom sind die so putzig wie Puppenstuben. Nur nicht ganz so jugendfrei. Wie es sich für echte Hot Rods gehört, sind auch seine Dwarf Cars ein bisschen provokant und anzüglich, so dass man nicht jede Grafik aus seinen Cockpits in ein Kinderbuch drucken sollte.

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