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Sound Management Johnson Controls prüft weltweit Autositz-Geräusche

| Redakteur: Michael Ziegler

An das Geräusch eines Autositzes werden höchste Ansprüche gestellt. Gleichzeitig ist es ein messbares Qualitätsmerkmal und lässt Rückschlüsse auf mögliche Produktionsfehler zu. Johnson Controls prüft deshalb zentral am Standort Solingen die Geräuschqualität ihrer weltweit produzierten Sitze.

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Die Akustikingenieure von Johnson Controls können von Solingen aus in Produktionswerke weltweit „hineinhören“. Sie stellen so die Sound-Qualität jeder einzelnen Sitzstruktur, die von den Bändern der angeschlossenen Werke läuft, sicher.
Die Akustikingenieure von Johnson Controls können von Solingen aus in Produktionswerke weltweit „hineinhören“. Sie stellen so die Sound-Qualität jeder einzelnen Sitzstruktur, die von den Bändern der angeschlossenen Werke läuft, sicher.
(Foto: Johnson Controls)

Das „Sound & Vibration-Labor“ von Johnson Controls am Standort Solingen hat sich mit einem Team von Akustikingenieuren in dem selbst definierten Bereich Sound Management vor allem auf Sound Design und akustische Qualitätssicherung spezialisiert. Zum ganzheitlichen Sound Management zählen gezieltes Sound Design bereits in der Produktentstehung, eigene Soft- und Hardware für akustische Prüfprozesse sowie ein einzigartiges Remote Testing-System. Es erlaubt die Überwachung von aktuell 219 Prüfständen an Produktionsstandorten von Johnson Controls weltweit.

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Das Ohr am Produktionsband – über tausende Kilometer entfernt

Aus der Solinger Kleinserienfertigung von akustischen Messinstrumenten entstand innerhalb weniger Jahre ein international vernetztes Prüfsystem, das laut Johnson Controls sogar weltweit einzigartig ist. Über Datenleitungen haben die Akustikingenieure des Sound & Vibration-Labors damit immer ein Ohr am Band. Jeder elektrisch verstellbare Sitz aus der Serienfertigung durchläuft an den akustischen Prüfständen eine Hundert-Prozent-Prüfung, er wird in allen seinen Einstellrichtungen getestet. Die mit den Seriendaten des Produkts verknüpften Sound-Daten werden aufgezeichnet. Überschreitet eine Messung die definierten Toleranzwerte, erhalten die Akustikingenieure in Solingen eine Information. Stefan Lingnau, Leiter des Sound & Vibration-Labors von Johnson Controls in Solingen: „In diesem Fall holen wir uns die betreffende Sound-Konserve per Remote-Zugang in unser System, hören sie ab, schauen uns die grafische Darstellung an und starten die Fehleranalyse. Oft über tausende von Kilometern hinweg.“ Ohne einen Blick auf den Sitz geworfen zu haben, kommen die Ingenieure so nahezu jeder Fehlerursache auf die Spur. Ihre Trefferquote bei der Lösung akustischer Probleme liegt laut Lingnaus Aussage bei 98 Prozent.

Dieses Zusammenwirken von hochentwickelten Instrumenten, globaler Einsetzbarkeit und Rückverfolgbarkeit soll dabei nicht nur Kunden überzeugen. Es bestehen zudem Einsparpotenziale bei Reaktionszeiten und Personalkosten. Noch bedeutender sind jedoch die Kosten einzuschätzen, die dank des Remote Testing-Systems gar nicht erst entstehen: Denn rund 65 Prozent aller Reklamationen an Sitzen von Neufahrzeugen gehen auf Geräusche zurück, die den Käufer stören.

2009 definierte Stefan Lingnau erstmalig den Begriff des Sound Managements und wurde 2010 hierfür von der Deutschen Gesellschaft für akustische Qualitätssicherung (DGaQs) ausgezeichnet. Die insgesamt 219 akustischen Prüfstände stehen aktuell in Produktionsstandorten von Johnson Controls in den USA, China, Polen, Rumänien und Ungarn. Bis Ende 2013 soll die Zahl der akustischen Prüfstände in Werken auf insgesamt 260 ausgebaut werden.

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