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Model Y Kommentar: Bei Tesla ist was los

| Autor / Redakteur: Jens Meiners/ampnet / Svenja Gelowicz

Kann das neue Model Y über die zahlreichen Negativ-Schlagzeilen von E-Autohersteller Tesla hinwegtrösten? Unser Chefkorrespondent Jens Meiners glaubt nicht daran. Ein Kommentar.

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Mitte März will E-Autohersteller Tesla sein neues Model Y vorstellen.
Mitte März will E-Autohersteller Tesla sein neues Model Y vorstellen.
(Bild: Tesla )

Steht der „Masterplan“ von Tesla vor der Erfüllung? Tesla-Großinvestor und Elektro-Guru Elon Musk kündigt für den 14. März die Premiere des Model Y an. Details gibt es bislang wenige, aber es wird sich um ein Crossover-Modell auf Basis der Mittelklasse-Limousine Model 3 handeln. Musk gibt jedoch schon jetzt bekannt, das Auto sei zehn Prozent größer als der Model 3, werde „deshalb“ zehn Prozent mehr kosten und über etwas weniger Reichweite verfügen.

Dass Elon Musk das Model Y gerade jetzt bekanntgibt, dürfte kein Zufall sein. Dafür nutzte er den Kurznachrichtendienst Twitter – ein Medium, das der Milliardär häufig und gerne verwendet, wobei er keiner Kontroverse aus dem Wege geht. Denn in der vergangenen Woche hat es zahlreiche wenig schmeichelhafte Neuigkeiten um die Elektromarke gegeben. Die gute Nachricht zuerst: Das Model 3 ist auf dem US-Markt nunmehr in der lange angekündigten Variante für 35.000 Dollar zu bekommen. Doch die Nachfrage ist inzwischen zusammengebrochen: Es gibt – auch für das neue Einstiegsmodell – praktisch keine Lieferzeiten mehr, und das gleiche gilt für die mittlerweile arg angestaubte Oberklasse-Limousine Model S und den skurrilen Van namens Model X. Die Verkaufspreise für Model S und Model X wurden letzte Woche weltweit stark reduziert – auch in Deutschland.

Gleichzeitig kündigte Tesla an, sämtliche Verkaufsstätten zu schließen und seine Fahrzeuge nur noch über das Internet zu vertreiben. Probefahrten gibt es nicht mehr, und wer von seinem frisch erworbenen Elektromobil enttäuscht ist, soll es binnen einer Woche zurückgeben können. Dann muss nur noch das Geld zurückfließen – ein Prozess, der nach Erfahrungen aus den USA alles andere als reibungslos erfolgt.

Tesla musste auch zwei Hiobsbotschaften in Form tödlicher Unfälle hinnehmen. Wie letzte Woche bekannt wurde, verbrannte Model-S-Fahrer Omar Awan am 22. Februar in Davie/Florida in seinem Model S, als sein E-Mobil unvermittelt von gerader Bahn abkam. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte die Türen des brennenden Autos nicht öffnen. Und am 1. März raste ein Model 3 unter einen querenden Lastwagen; der Fahrer, Jeremy Banner, starb sofort. Der tödliche Unfall erinnert an ein Unglück im Jahre 2016, als ein Tesla Model S mit eingeschaltetem „Autopiloten“ ungebremst unter einen ebenfalls querenden Lkw fuhr.

Elon Musk und Twitter: Taktlose Tweets

Dabei erlaubte sich Musk nach dem Feuerunfall von Davie eine besondere Geschmacklosigkeit: Kurz nach dem üblichen, lapidaren Kondolenztweet, in dem Tesla stets darauf hinweist, dass Geschwindigkeit ein Faktor war und konventionell angetriebene Fahrzeuge bei Hochgeschwindigkeitskollisionen ebenfalls in Flammen ausbrechen können, gab der Firmenlenker per Twitter bekannt, die Höchstgeschwindigkeit werde bei Model 3 und Model S auf 260 km/h angehoben. Übrigens handelt es sich dabei um einen Wert ohne Relevanz: Die Reichweite sinkt bei diesem Tempo auf rund 60 Kilometer.

Inzwischen bequemen sich die US-Behörden zu einer Untersuchung der Unfälle. Man lässt sich Zeit, denn Tesla genießt in den USA die Protektion der Politik – genau wie in Deutschland: Hierzulande lassen sich beispielsweise Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) oder die bayerische Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze gerne mit dem Tesla Model S abbilden. Gleichzeitig rüffelt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die deutsche Automobilindustrie, sie möge doch Autos bauen, die nur „halb so sexy wie ein Tesla” seien.

Tesla verlängert die Liste der angekündigten Modelle

Am 14. März kann die gescholtene Branche etwas lernen, wenn Elon Musk in seinem Designstudio in Los Angeles seine Vision des Model Y enthüllt. Und damit die Liste der angekündigten Modelle – die aktuell einen Roadster, einen Lastwagen sowie Autotransporter aus Eigenbau umfasst – um einen neuen Eintrag erweitert.

Dass es beim Model Y noch einmal einen Boom gibt wie beim Model 3, darf bezweifelt werden. Die gravierenden Qualitätsprobleme haben sich nach dem ersten Winter herumgesprochen, und die Konkurrenz schläft ebenfalls nicht. Ein Blick auf die Concept Cars in Genf wird es diese Woche beweisen.

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