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CO2-Vorgaben Kommentar: „Die Politik bringt unseren Wohlstand in Gefahr“

| Autor: Claus-Peter Köth

Deutschland und Europa haben entschieden, dass sich das Klima nur mit Elektroautos retten lässt. In China hingegen kann sich jede Technologie bewähren. Ein Kommentar von »Automobil Industrie«-Chefredakteur Claus-Peter Köth.

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Chefredakteur Claus-Peter Köth.
Chefredakteur Claus-Peter Köth.
(Bild: Stefan Bausewein)

Was treibt eigentlich die Politik? Während die Autobranche noch mit den ambitionierten CO2-Zielen der EU für 2030 und den Folgen der Corona-Pandemie kämpft, fällt Berlin und Brüssel nichts besseres ein, als die Grenzwerte noch einmal zu verschärfen. Statt minus 37,5 Prozent sollen Neuwagen im Jahr 2030 in der Flotte nun rund 50 Prozent weniger CO2 ausstoßen im Vergleich zu 2021.

Umgerechnet entspräche das einem Durchschnittsverbrauch von etwa zwei Litern auf 100 Kilometern. Auch mit noch so effizienten, respektive elektrifizierten Verbrennungsmotoren ist das nicht mehr zu schaffen. Die vermeintliche Lösung: noch mehr Elektroautos. Etwa jedes zweite im Jahr 2030 neu zugelassene Fahrzeug müsste dann ein Battery Electric Vehicle, kurz BEV, oder ein Plug-in-Hybrid sein.

Zukunftsfonds statt Technologieoffenheit?

Da braucht es schon einen mächtigen Zukunftsfonds für Zulieferer, der die Folgen der Transformation abfängt und die Unternehmen und mit ihnen bis zu 100.000 Arbeitsplätze rettet. Dem Weltklima bringt das wenig, solange man in der CO2-Bilanzierung jeden Sektor für sich betrachtet und die internationale Dimension von Energieerzeugung und -verbrauch vernachlässigt.

In China ist an dieser Stelle bereits Realismus eingekehrt: Es ist den Behörden aufgefallen, dass sich die Luftqualität in den Städten keineswegs verbessert, wenn Fahrzeuge mit modernen Verbrennungsmotoren Elektroautos weichen (müssen), deren Energie aus einem Kohlekraftwerk stammt. Jede Technologie kann sich in China bewähren, auch Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe.

Klimaschutz nutzen, um eigene Industrie zu stärken

Und es gibt noch einen wesentlichen Unterschied zu Europa: Die internationalen Vereinbarungen in Sachen Klimawandel werden von der Regierung klug ausgenutzt, um die eigene Position zu verbessern. Die deutsche und europäische Politik hingegen verschenken unsere Kernkompetenzen und bringt unseren Wohlstand in Gefahr.

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 Claus-Peter Köth

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