Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid, aber kein Elektro: Bleibt beim neuen Tiguan alles beim Alten? Nein. Der Bestseller empfiehlt sich mit jeder Menge zusätzlicher Technik, selbst bei den Motoren.
Volkswagen hat sein Kompakt-SUV Tiguan komplett neu entwickelt.
(Bild: VW)
Bei über 7,6 Millionen verkauften Tiguan dürfte es in Wolfsburg keine langen Diskussionen gegeben haben, als es darum ging, eine dritte Modellgeneration des kompakten SUVs zu entwickeln. Und trotz aller Bemühungen, das Elektro-Programm voranzutreiben, setzt VW bei der dritten Generation des kompakten SUVs weiter auf Verbrenner. Die wurden komplett überarbeitet oder neu entwickelt.
Zu Preisen ab 36.600 Euro kommt VWs weltweit meistverkauftes Modell also wieder als Benziner, Diesel und Plug-in-Hybrid zwischen 96 kW/130 und 200 kW/272 PS und wahlweise mit Front- oder Allradantrieb. Feinschliff an der Karosserie senkt den Luftwiderstand um beachtliche 8,5 Prozent. Das spart Sprit, wie die Fahrt mit dem 130 PS starken Einstiegsmotor 1.5 E-TSI zeigt. Dank 48-Volt-Technik rollt der Benziner im Eco-Modus lange Strecken ungebremst mit abgeschaltetem Motor und verbraucht bei einem entspannten Autobahntempo von 130 km/h oder gemäßigter Überlandfahrt kaum über 6,0 Liter.
Verbesserte Dynamik bei Plug-in-Modellen
Als Alternative hat VW zwei 110 kW/150 PS oder 143 kW/195 PS starke Diesel im Angebot. Dazu zwei Plug-in-Hybride, bei denen die Fortschritte am deutlichsten spürbar sind. Überarbeiteter Turbobenziner, neues Getriebe mit integriertem E-Motor, mehr Drehmoment und eine die Fahrtlänge und Topografie berücksichtigende Motorsteuerung – die neuen Plug-in-Modelle fahren spürbar dynamischer als bisher. Und auch das Zusammenspiel zwischen E-Maschine und Verbrenner klappt geschmeidiger.
Da der Akku auf knapp 20 kWh gewachsen ist, kommt der Steckdosen-Tiguan im Idealfall elektrisch bis zu 100 Kilometer weit. Außerdem lädt er serienmäßig dreiphasig mit elf kW. So ist die Batterie an städtischen Stromstationen in weniger als drei Stunden voll. Am Schnelllader zapft der Hybrid mit 50 kW. Die Technik hat allerdings ihren Preis: Der 204 PS starke E-Hybrid kostet mindestens 48.660 Euro, die 272-PS-Version sogar 55.860 Euro. Ob sich ohne Förderung noch genügend Käufer für die Technik erwärmen können, bleibt abzuwarten.
Fortschritte bei der Bedienung
Neues gibt es auch im Innenraum. Der Wagen basiert jetzt auf der weiterentwickelten MQB-Plattform. So konnten die Ingenieure ein digitales Cockpit sowie den riesigen Zentralbildschirm einbauen, den auch der neue Passat und der ID 7 bekommen. Samt der so häufig kritisierten Slider für Lautstärke und Temperaturregelung. Die funktionieren nun gut und reagieren nicht mehr so sensibel wie zu Beginn in den anderen VW-Modellen. Außerdem wurden die Touchpads am Lenkrad durch vernünftige Drucktasten ersetzt.
So lässt sich der Tiguan trotz der vielen Funktionen und wenigen Tasten ganz intuitiv bedienen – dank integriertem Chat GPT gerne auch per Sprache. „Navigation lauter“, „Wo finde ich einen Geldautomaten?“ oder „Was gibt es in Mainz zu sehen?“ beantwortet das System so fix wie der heimische PC.
Effiziente Platznutzung
Am Raumangebot lässt sich ebenfalls nichts aussetzen. Zwar ist der neue Tiguan mit 4,54 Metern nur einen Tick länger und nicht breiter geworden, trotzdem nutzt er den Platz besser als der Vorgänger. Da der Automatikhebel hinters Lenkrad gerutscht ist, bleibt zwischen den Vordersitzen Platz für weitere Ablagen sowie eine Ladeschale. Und damit das Smartphone nicht überhitzt, ist diese sogar gekühlt.
Auch ist der Kofferraum spürbar gewachsen. Bei ganz nach vorne geschobener Rückbank lassen sich dort 652 Liter Gepäck verstauen. Das ist einiges mehr als in Konkurrenz-Modellen wie Opel Grandland (514 Liter) oder Kia Sportage (526 Liter) mit festen Sitzen hinten.
Ansonsten gibt es einiges an neuer Technik. Das hochwertigste Matrix-Licht aller VW-Modelle etwa, das jedes der 38.400 LEDs einzeln an- und ausknipst und so den Gegenverkehr exakt ausblendet. Oder die Möglichkeit, den Wagen von außen per App aus engen Parklücken herauszusteuern, wenn er in einer Pfütze steht oder die Tür zugeparkt ist. Außerdem kann sich das Navigationssystem an fünf Adressen die letzten 50 Meter vor dem Stellplatz merken. Auf Knopfdruck manövriert sich der Wagen dann selbstständig auch durch verwinkelte Zufahrten in die Parkposition.
Stand: 08.12.2025
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Der Allrounder steigt eine Komfortstufe auf
VW montiert je nach Ausstattung bis zu 20 Assistenzsysteme. Die meisten lassen sich mit nur zwei Klicks auf den großen Bildschirm ein- und ausschalten. Das Feld für den ungeliebten, von der EU verordneten Geschwindigkeitswarner haben die Ingenieure gleich ganz nach oben programmiert. Automatisch bremsen, beschleunigen und die Spur halten ist heute überall Standard. Wie gut die Systeme arbeiten, merkt der Fahrer jedoch erst im Alltag. Oder eben nicht. Genau das zeichnet nicht nur Tiguan Nummer drei, sondern alle neuen VW aus: Statt den Fahrer ständig anzuschreien, zu bimmeln oder am Lenkrad zu zerren, warnen die Wagen mit dezenten Hinweisen und halten mit sanftem Lenkeingriff den Kurs.
So bleibt der Tiguan Modelljahr 2024 weiterhin ein Allrounder, der mit neuen adaptiven Dämpfern noch sensibler federt und in der Summe seiner Eigenschaften eine Komfortstufe höher geklettert ist. Und ein bisschen elektrifiziert ist er ja auch.