Neue Modelle Nissan Micra – Eigenständig bei Exterieur und Fahrwerk

Von Tomas Hirschberger/SP-X 4 min Lesedauer

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Mit dem Nissan Micra kehrt ein fast schon ikonischer Kleinwagen-Name auf die Autobühne zurück. Komplett neu eingekleidet, mit vollelektrischem Antrieb und der Technik des Konzernbruders Renault 5.

Für den neuen Micra kooperiert Nissan stark mit Renault.(Bild:  Nissan)
Für den neuen Micra kooperiert Nissan stark mit Renault.
(Bild: Nissan)

Nissan hat immer gesagt, wenn es sich um ihr ikonisches Stadtauto Micra handelte. Seit den frühen 1980er-Jahren steht der Japan-Mini für günstige Verlässlichkeit und eine gewisse Portion Charakter, Charme und Unbeschwertheit. Doch mit der Zeit verließen Nissan nicht nur der Mut, sondern auch das Fingerspitzengefühl für Form und Fantasie. Der Micra wurde zunehmend zur grauen Maus im Kleinwagensegment.

Jetzt haben die Macher aus Yokohama ihre Frühform wiederentdeckt. In sechster Generation und nach über sechs Millionen verkauften Micras kommt der kleine Klassiker komplett neu eingekleidet, mit vollelektrischem E-Antrieb und zu Preisen ab knapp 28.000 Euro zu uns. Der neue Micra ist ab Anfang 2026 der Auftakt zu einer neuen E-Offensive von Nissan. Ihm folgen wird der neue Leaf, der vollelektrische Juke sowie ein komplett neues E-Auto im A-Segment.

Speziell für Europa entworfen

Der elektrische Micra ist alles andere als ein profanes, weiteres Fortsetzungsmodell. Nissan hat entschieden, aus dem vertrauten Namen wieder ein Statement zu machen. Zunächst ausschließlich für den europäischen Markt konzipiert, ist der Fünftürer mit seinen 3,97 Metern deutlich in die Kompaktklasse gewachsen. Entworfen im Nissan-Design-Europe-Studio in London, zeigt sich der Micra moderner, charismatischer und selbstbewusster – abgeschmeckt mit einer schönen Prise Nostalgie. Oder wollen wir es Retrocharme nennen?

Diesen Charakterzug teilt er sich mit seinem Bandnachbarn Renault 5 E-Tech, der ebenfalls auf der Konzernplattform „AmpR Small“ aufbaut und mit dem der Micra gemeinsam im französischen Werk „ElectriCity“ in Douai produziert wird. Eine typische Win-win-Gemeinschaft. Renault kann die Produktionskosten aufteilen und Nissan – derzeit finanziell nicht unbedingt auf Rosen gebettet – kommt günstig an eine anerkannt gute Elektro-Plattform.

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Neues Lichtdesign und 14 Farbkombinationen

Die enge Verwandtschaft zum Franzosen lässt sich bereits an der Silhouette mit den leicht ausgestellten Kotflügeln und der seitlichen Fensterlinie ablesen. Die Dachpartie wurde komplett vom R5 übernommen. Front und Heck des Micras sind hingegen völlig neu gestaltet und geben dem Japaner einen eigenständigen Charakter. Die scheinbar grinsende Micra-Front, mit niedlichen, aus LED-Streifen modellierten Kulleraugen, die zum Willkommensgruß einladend blinken, bedient dabei – wie der ewige Mini – das kindliche Klischee eines süßen Stadtmobils. Passend für ein Auto aus dem Land des Lächelns.

Auch am Heck formen die Lichtstreifen einen Kreis, verbunden durch eine waagerechte Leiste mit dem Firmennamen in großen Buchstaben. Wem es gefällt, bestellt sich den kompakten Fünftürer für 900 Euro extra im Zweifarben-Design mit schwarzem oder grauem Dach. Insgesamt gibt es 14 verschiedene Farbkombinationen.

Zwei Antriebsvarianten mit pragmatischer Ladeleistung

Im künftigen Leben des Micra spielt der R5 die alles entscheidende Rolle. Denn technisch sind beide absolute Zwillinge. Keine so schlechte Nachricht für den Micra, schließlich ist der R5 aktuell „Car of the Year 2025“. Neben der optischen Differenzierung liegen die Unterschiede im Kleingedruckten: Beim Nissan gibt es vorerst nur zwei, statt drei Leistungsstufen, und weil der Micra dem Wind etwas weniger Widerstand leistet, sind die Reichweiten geringfügig besser. Konkret bedeutet das: Der Micra parkt mit zwei unterschiedlich großen Lithium-Ionen-Batterien in den Preislisten.

Die Einstiegsversion „Engage“ für 28.000 Euro hat einen 40-kWh-Akku, kommt mit einer Leistung von 90 kW und verspricht eine elektrische Reichweite von knapp 320 Kilometern. Die größere 52-kWh-Batterie startet in der Ausstattungslinie „Advance“ bei 30.000 Euro, ist immer 110 kW stark und surrt damit laut Nissan bis zu 416 Kilometer weit. An einer 11-kW-Wechselstrom-Ladestation (AC) braucht dieser rund 4,5 Stunden, um sich von 10 auf 100 Prozent aufzufrischen, der kleinere Akku ist eine Stunde schneller fertig.

Das DC-Schnellladen wird mit 80 kW oder 100 kW bei der größeren Batterie erledigt, in beiden Fällen sind die Energiespender nach etwa 30 Minuten zu rund 80 Prozent gefüllt. Besonders praktisch und immer dabei ist die „Vehicle-to-Load“-Technik, also die Möglichkeit des bidirektionalen Ladens zum Betreiben von Lautsprechern, E-Grills oder zum Auffüllen von Fahrrad-Akkus.

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Viel Renault-Optik im Innenraum

Der Radstand von 2,54 Metern sorgt vorn für ordentlich Platz, größere Mitfahrer stoßen hinten allerdings mit Knien und Füßen schnell an ihre Grenzen. In den Kofferraum, bei dem man zunächst über eine üppige Ladekante stolpert, passen gut 320 Liter, mit umgeklappten Rücksitzlehnen sind es 1.100. Optisch ist auch hier alles R5. Von den beiden digitalen Displays über die Anordnung des Cockpits samt Mittelkonsole, bis hin zum abgeflachten Lenkrad mit seinen überfordernden vier Lenkstockhebeln. Selbst die Grafiken übernimmt Nissan.

Etwas mehr Wille zur Eigenständigkeit hätte dem Micra gutgestanden. Aber das kostet eben. So beschränken sich die Unterschiede auf Farben und Muster sowie die Art der Steppnähte.

Bemerkenswert agiles Fahrgefühl

Je nach Ausstattung ist der zentrale Bildschirm sieben oder 10,1 Zoll groß, das Infotainment integriert Google-Dienste wie Maps, Assistant oder Play. Hier stehen im Menü 70 Apps zum Download zur Verfügung. Für fünf Jahre sind die Dienste kostenfrei. Apple Carplay und Android Auto sind kabellos verfügbar. Natürlich fahren auch zahlreiche digitale Assistenten serienmäßig mit oder sind optional verfügbar. Über eine Smartphone-App lässt sich der Micra vorklimatisieren, Ladevorgänge sind planbar, zur Basisausstattung zählen unter anderem eine Klimaautomatik, die Wärmepumpe oder der schlüssellose Smart-Key.

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Wie gut die Gene des Technikspenders sind, merkt man spätestens beim Fahren. Zunächst sind da die auffällig leisen Wind- und Abrollgeräusche. Folge einer aufwendigen Dämmung, besonders in den Radkästen. Die Federung – im angenehmen Bereich zwischen Komfort und Sport – wird den meisten gefallen. Ein Höhepunkt in dieser Klasse ist dabei die Mehrlenker-Hinterachse, die den Micra bei schnellen Richtungswechseln stabil durch die Kurven führt und wellige Straßen souverän federt, ohne nachzuschwingen. Das jederzeit prognostizierbare und verlässliche Handling des Micra ist bemerkenswert. Drei Fahrmodi stehen zur Wahl: Komfort, Sport und Eco. Leistungsmäßig zählt die von uns gefahrene Topversion eher zu den schwächeren E-Autos auf dem Markt. Doch, weil Micra auf sein Gewicht achtet (rund 1,5 Tonnen), kommen die 110 kW recht unbeschwert in Fahrt. Das reicht allemal, um ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern, das dem des Micra in nichts nachsteht.

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