Tipo 4

OEM-Kooperation: Der Flaggschiff-Deal

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Lancia-Fertigung bei Alfa Romeo

Hätten die Alfa-Romeo-Manager das Schicksal des Croma 1984 vorausgesehen, wäre es ihnen vielleicht ein Trost gewesen. Schienen sie doch bei der Weltpremiere des Lancia Thema auf dem Turiner Salon bereits zu ahnen, dass die Tage der Unabhängigkeit für Alfa Romeo gezählt waren. Tatsächlich war die wirtschaftliche Existenz der in Staatsbesitz befindlichen Marke Alfa Romeo Mitte der 1980er Jahre so gefährdet, dass die Übernahme durch den Fiat-Konzern nur eine Frage der Zeit war. 1986 und damit noch vor der Serienreife des neuen Alfa 164 war es dann soweit. Fiat integrierte den Mailänder Konkurrenten und führte Alfa Romeo vorerst gemeinsam mit Lancia in der neuen geschaffenen Division Alfa-Lancia Industriale S.p.A. Tatsächlich wurde der Sensationserfolg Lancia Thema sofort zusätzlich im Alfa-Romeo-Werk Arese gebaut, ein Horrorereignis für viele Alfisti.

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Gezeichnet von Giugiaro und Pininfarina

Dafür enthüllte Alfa Romeo auf der IAA 1987 endlich den Typ 164 – nun als erstes Produkt des frisch formierten italienischen Vielmarken-Konzerns. Weshalb ihm manche Tifosi bis heute nachsagen, kein echter Alfa zu sein. Ein unbegründeter Vorwurf, wurde der 164 doch zugleich als direkter Konkurrent zu den großen Lancia und Fiat konzipiert. Dies dokumentiert sich sogar durch seine völlig eigenständige Formensprache aus Pininfarinas Feder, die keine Verwandtschaft zu den drei anderen Tipo-4-Entwürfen zeigt, die sämtlich den Grundlinien eines von Giorgetto Giugiaro gezeichneten Karosseriekörpers folgen.

Sehr positive Reaktionen

Die Fachpresse feierte im Jahr 1987 den 164 anlässlich seiner Vorstellung als schönsten und leistungsfähigsten Alfa Romeo seit zwei Jahrzehnten. Ähnlich groß fielen die Lobeshymnen über die zuvor lancierten Tipo-4-Geschwister aus. „Lancia auf der Überholspur“, lautete der Tenor zum Thema, mit dem die Traditionsmarke ab 1984 tatsächlich ein kaum für möglich gehaltenes Revival erlebte. „Ein Saab pur und mehr denn je ein Karrieretyp fürs gehobene Management“, tönte es Ende 1984 über das neue schwedische Topmodell. Keine Spur von Kritik an Gleichteilen mit den Geschwistern aus Südeuropa. Statt dessen Bewunderung für den 129 kW/175 PS starken Turbo-16-Ventiler, der es in Komfort und Kraftentfaltung mit manchem Oberklasse-Konkurrenten aufnehmen konnte. Schließlich der Fiat Croma, der in Deutschland Anfang 1986 als luxuriöses und dennoch preiswertes Familienfahrzeug startete, während er auf dem Heimatmarkt mit V6-Benzinern rasch den Ruf einer Undercover-S-Klasse gewann. Immerhin fühlten sich im Fond des Croma nicht wenige italienische „direttori“ ähnlich wohl wie in der früheren Direktionslimousine Fiat 130.

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