Anbieter zum Thema
Unterschiedliche Entwicklungsansätze
In der ewigen Bestenliste der erfolgreichsten gezielten Kooperationen zwischen mindestens drei unabhängigen Konzernen könnte das Projekt Tipo 4 tatsächlich ganz vorn liegen. Jedes der Modelle brachte es auf Stückzahlen, die alle Erwartungen übertrafen und jedes der Modelle verschaffte seiner Marke letztlich einen Imagegewinn – auch wenn das manche Automobilfans bis heute anders sehen und der Erfolg des Tipo 4 Projekts erst nach Überwindung mancher Probleme erzielt wurde. So konstruierte Saab seine Autos grundsätzlich von innen nach außen, Technik, Sicherheit und Langlebigkeit gingen vor. Die Italiener dagegen legten mehr Wert auf schöne Formen und exklusive Ausstattungen als auf eine möglichst massive Konstruktion. Mit der Folge, dass Saab Fahrwerk (noch mit hinterer Starrachse) und Technik seines 9000ers eigenständig entwickelte und die drei Italiener erst im Zuge eines Facelifts über eine ausreichend steife Karosserie verfügten.
Um die Formfindung für Lancia, Saab und Fiat hatten sich Bertone, Coggiola und Giugiaro (ItalDesign) mit Entwürfen beworben. ItalDesign bekam zwar den Zuschlag, aber Saab setzte dennoch sein eigenes Team ein, um genügend Eigenständigkeit zu bewahren. So teilte sich das automobile Trio nur die gleich gestalteten Türen, während Alfa ohnehin Pininfarina für eigene Designlinien beauftragt hatte.
Vier Fahrzeuge – vier Charaktere
Das Establishment der etablierten Businessliner mischten die vier Baureihen durch vielfältige Besonderheiten auf. Der Saab 9000 wurde zum Inbegriff der schnellen Luxus-Limousine mit Turbo-Power aus vier Zylindern, dazu stellte er im amerikanischen Talladega gleich mehrere Weltrekorde auf. Am Ende seiner Laufbahn gab es ihn zwar auch mit V6-Antrieb von GM, gerade die Amerikaner liebten aber den schwedischen Weg der Kraftentfaltung. Der Lancia Thema glänzte als Staatslimousine mit langem Radstand, extravaganter Kombi aus der Carrozzeria Pininfarina und als „Lancia by Ferrari“ mit dem Motor aus dem Ferrari 308 Quattro Valvole. Knapp 4.000 Enthusiasten begeisterten sich für diesen ersten Viertürer mit Maranello-Antrieb. Dagegen gefiel der Fiat Croma durch großzügiges Raumangebot und günstige Preise immerhin 450.000 Käufern, den weltweit ersten Diesel-Direkteinspritzer orderten allerdings fast nur Italiener. „Alfa ist wieder Alfa“, lautete dagegen das Fazit der Fachwelt über den 164, der einhellig als Stilikone gepriesen wurde.
(ID:42842661)