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Tipo 4

OEM-Kooperation: Der Flaggschiff-Deal

| Autor/ Redakteur: SP-X / Thomas Günnel

Lancia und Saab entwickelten gemeinsam die Modelle Thema und 9000. Dann sprangen noch Alfa Romeo (164) und Fiat (Croma) auf die Entwicklung im Expresstempo, die unter der internen Bezeichnung „Tipo 4“ als Beispiel für geglückte Kooperationen Geschichte schrieb.

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Vor 35 Jahren begannen Lancia und Saab mit der Entwicklung eines gemeinsamen Topmodells. Alfa Romeo und Fiat folgten wenig später. Unter der Bezeichnung „Tipo 4“ glückte den vier Beteiligten eine bemerkenswerte Kooperation.
Vor 35 Jahren begannen Lancia und Saab mit der Entwicklung eines gemeinsamen Topmodells. Alfa Romeo und Fiat folgten wenig später. Unter der Bezeichnung „Tipo 4“ glückte den vier Beteiligten eine bemerkenswerte Kooperation.
(Foto: Saab)

Die Prognosen vieler Automobilauguren sind nicht selten so zuverlässig wie die Wettervorhersage im April. Man denke nur daran, was Anfang der 1980er Jahre alles tot gesagt wurde: Vmax-Fahrten auf unlimitierten deutschen Autobahnen, leistungshungrige Autokäufer - und luxuriöse Limousinen von Lancia, Fiat, Alfa Romeo und Saab. Waren doch die Modelle Lancia Gamma, Fiat Argenta und Alfa 6 veritable Flops während Saab finanziell am Boden lag ohne Kraft zum Befreiungsschlag. Ein Markenquartett, das kaum unterschiedlicher sein konnte, und doch geeint wurde durch die klamme Kassenlage und den unbedingten Willen mit neuen Flaggschiffen zu frischen Erfolgen zu fahren. Gesagt, getan. Die drei Konzerne – Alfa war damals noch unabhängig – kooperierten und schoben das Gemeinschaftsprojekt Tipo 4 in die Entwicklungspipeline.

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Transalpine Allianz

Wobei Lancia Ende der 1970er Jahre den Grundstein gelegt hatte mit Studien für einen Frontantriebs-Nachfolger der beiden Baureihen Beta und Gamma. Ebenfalls auf Vorderradantrieb setzte seit jeher Saab, die schwedische Marke, die seit 1974 den Autobianchi/Lancia A 112 in Skandinavien vertrieb und nun einen Ersatz für den urigen Saab 96 suchte. Warum nicht den Lancia Delta transformieren, fragte man sich in Trollhättan und schloss im Oktober 1979 eine transalpine Allianz. Aus dem Delta wurde der Saab 600, vor allem aber wurde die Entwicklung des neuen Spitzenmodells Saab 9000 eingeleitet, gemeinsam mit dem Lancia Thema. Das Projekt trug den Codenamen Tipo 4, als sich Alfa Romeo entschloss, auch in der großen Klasse den Hinterradantrieb aufzugeben und den Alfa 164 gemeinsam mit Lancia und Saab zu entwickeln. Fehlte noch Fiat, aber nicht lange. Der italienische Kleinwagenriese und Mutter von Lancia hatte gerade das endgültige Aus des Hinterradantriebs beschlossen und sparte nun ebenfalls Entwicklungskosten für sein neues Flaggschiff.

Schwedisch-italienisches Quadrifoglio

Heraus kam ein schwedisch-italienisches Quadrifoglio, das den Beteiligten überraschende Erfolge bescherte. Den Anfang machten 1984 Lancia Thema und Saab 9000, ein bzw. drei Jahre später folgten Fiat Croma und Alfa Romeo 164. Vier Typen, die trotz vieler Gleichteile höchst unterschiedliche Charaktere besaßen und die sich alle einen Eintrag ins automobile Geschichtsbuch sicherten. Sei es als erster Viertürer mit Ferrari-Motor (Lancia Thema 8.32), als erster drehmomentstarker Turbo-Vierzylinder, der es mit V8-Konkurrenten aufnehmen konnte (Saab 9000), als erster Diesel-Direkteinspritzer (Fiat Croma 1.9 TD i.d.) und als zeitlose Designikone im Pininfarina-Gewand (Alfa 164). Verlierertypen waren nicht dabei, was den Fiat Croma aber nicht davor bewahrte, heute vergessen zu sein. Ein Schicksal, das er sich mit seinem gleichnamigen Nachfolger von 2005 teilt.

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