Recaro Automotive Seating Recaro und Johnson Controls: Neue Wege

Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy / Claus-Peter Köth

Die Übernahme durch Johnson Controls scheint Recaro neuen Schwung zu verleihen.Der Spezialist für Sportsitze plant mit neuen Konzepten und dem Einstieg ins Nutzfahrzeuggeschäft ein stattliches Umsatzwachstum.

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Der Standort Kaiserslautern ist mit Konstruktion, Musterbau, Versuch, Crashtest-Simulationsanlage und Prototypenfabrik das Herz von Recaro Automotive Seating (RAS).
Der Standort Kaiserslautern ist mit Konstruktion, Musterbau, Versuch, Crashtest-Simulationsanlage und Prototypenfabrik das Herz von Recaro Automotive Seating (RAS).
(Foto: Recaro)

Rückblende, Sommer 2011: Ende Juni übernahm Johnson Controls das Automotive-Geschäft der früheren Keiper Recaro Group. Der mittelständische Sitzespezialist hatte mit der raschen Globalisierung der vergangenen Jahre nicht mehr ganz Schritt halten können; hohe (Vor-)Entwicklungsleistungen und die weltweite Expansion forderten ihren finanziellen Tribut. Die Eigentümer der Keiper Recaro Group trennten die Produktion von Recaro-Komplettsitzen und Keiper-Lehneneinstellern von den anderen Unternehmensbereichen ab (Recaro Aircraft Seating, Recaro Child Seating und Recaro Home). Mit Johnson Controls griff ein Unternehmen zu, das die Autositze von Recaro als Sahnehäubchen für sein bereits vorhandenes Sitzegeschäft wollte.

Die „Speerspitze“ für das Premiumsegment

Gut ein Jahr später: Die Lehneneinsteller von Keiper sind in eine Product Business Unit (PBU) von Johnson Controls eingegliedert, und die neue Recaro Automotive Seating (RAS) bildet eine eigene PBU. Quasi als „Speerspitze“ soll RAS die Technologieführerschaft im Markt anstreben und Komplettsitze vor allem für das Premiumsegment anbieten. Denn Johnson Controls ist zwar mit einem Marktanteil von 25 Prozent Weltmarktführer bei Automobilsitzen, aber bisher vorwiegend im Volumengeschäft tätig.

Recaro hat auch im Geschäft mit Nutzfahrzeugsitzen Fuß gefasst. Diese sind nach eigenen Angabendoppelt so robust wie Wettbewerbsprodukte.
Recaro hat auch im Geschäft mit Nutzfahrzeugsitzen Fuß gefasst. Diese sind nach eigenen Angabendoppelt so robust wie Wettbewerbsprodukte.
(Foto: Recaro)

Komplettsitze für Nutzfahrzeuge

Neu ist, dass RAS nicht nur Pkw-Sitze anbietet. Schon unter der früheren Recaro Keiper Group wurde der Entschluss gefasst, künftig Komplettsitze auch für Nutzfahrzeuge zu fertigen – sowohl für die Erstausrüstung als auch für das Nachrüstgeschäft. Seit Kurzem rüstet RAS nun neue Trucks von Scania mit Fahrersitzen aus, ab 2013 auch schwere Lkw von Renault. Die Nachrüstsitze sind seit Dezember 2012 ebenfalls auf dem Markt und kosten je nach Modell und Ausstattung zwischen 1.900 und 3.200 Euro.

Marktanteil: 20 Prozent

Mit diesem Kundenkreis wird Recaro nach eigenen Angaben praktisch aus dem Stand auf einen Marktanteil von etwa 20 Prozent bei Fahrersitzen von schweren Nutzfahrzeugen kommen. Damit nicht genug: Parallel dazu konnte RAS auch einen Komplettlieferanten für die Bestuhlung von Omnibussen – die Franz Kiel GmbH & Co. KG – davon überzeugen, Fahrersitze von Recaro zu beziehen. Gefertigt werden die Nutzfahrzeugsitze im Werk Skarbimierz in Polen. Die maximale Kapazität beträgt 900 Einheiten am Tag.

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