Projekt Life Inspiree Industrieanlage für Seltene Erden aus Elektroschrott

Von Thomas Günnel 2 min Lesedauer

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Zwischen Rom und Neapel soll eine europäische Industrieanlage zum Recycling von Seltenerdmetallen entstehen – zum Beispiel aus E-Motoren. Die Nachfrage nach den Rohstoffen wird laut der EU deutlich steigen.

Permanentmagnete aus Elektromotoren enthalten wertvolle Rohstoffe.(Bild:  Audi)
Permanentmagnete aus Elektromotoren enthalten wertvolle Rohstoffe.
(Bild: Audi)

Das italienische Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit hat grünes Licht gegeben für das Projekt „LIFE 22ENV-IT-INSPIREE“ – die erste Industrieanlage Europas zum Rückgewinnen seltener Erden aus Elektroaltgeräten. Entstehen soll die Anlage in Ceccano zwischen Rom und Neapel. Das meldet die Nachrichtenseite Euronews.

Das Projekt gilt auf europäischer Ebene als strategisch und gehört zu 47 Vorhaben, die die Europäische Kommission im Rahmen der Verordnung über kritische Rohstoffe ausgewählt hat. Es soll die Autonomie der EU bei der Versorgung mit Schlüsselmaterialien für die Digitalindustrie, die Autoindustrie und den Energiesektor stärken.

Die Europäische Kommission erwartet, dass Lithium und Seltene Erden Öl und Gas in Kürze an Bedeutung übertreffen werden; die Nachfrage nach Seltenen Erden soll sich demnach bis zum Jahr 2030 voraussichtlich verfünffachen.

Pilotprojekt beendet – Industrialisierung folgt

Die Anlage entsteht laut Euronews auf dem Gelände des Werks von Itelyum Regeneration. Ein Pilotprojekt ist bereits erfolgreich beendet worden, jetzt folgt der industrielle Maßstab. In der ersten Projektphase wurden laut der Nachrichtenseite rund 20 Tonnen Permanentmagnete pro Jahr behandelt. Die Industrieanlage soll bis zu 2.000 Tonnen Magnete jährlich verarbeiten.

Die angestrebte Produktionskapazität von Seltenerdelementen beziffert die Europäische Kommission auf 170 Tonnen pro Jahr. Nach Abschluss des Projekts soll die Kapazität weiter wachsen: Fünf Jahre nach Projektende soll die Produktionskapazität 680 Tonnen Seltenerdelemente pro Jahr erreichen.

Der Standort ist laut Euronews einer der ersten in Europa, an dem im industriellen Maßstab Neodym, Praseodym und Dysprosium aus Neodym-Eisen-Bor-Magneten zurückgewonnen werden; zum Beispiel aus Elektromotoren, Festplatten und ausgedienten Elektronikgeräten.

Neues Verfahren mit geringerer Umweltbelastung

Basis des Recyclings ist ein zweistufiger Prozess. Die Magnete werden zerlegt und hydrometallurgisch behandelt. Die Technologie ermöglicht es, Oxalate, Oxide und Karbonate zu gewinnen – mittels chemischer Verfahren mit deutlich geringerer Umweltbelastung als beim klassischen Bergbau, schreibt Euronews. Ein Grund dafür ist das Wiederverwenden von Chemikalien und Wasser.

Die EU steuert zum Projekt laut Euronews rund 3,2 Millionen Euro bei, das Gesamtbudget beträgt rund 5,4 Millionen Euro. Das Projekt läuft bis Ende September 2028; Start war im Oktober 2023. Ceccano könnte sich mit dem Projekt zu einem der europäischen Zentren für das Hightech-Recycling Seltener Erden entwickeln. In den Recycling-Prozess sind mehrere Industrieunternehmen und Konsortien eingebunden. Dazu zählen Erion und EIT Raw Materials. Die Projektkoordination liegt bei Itelyum.

Deutlicher Ausbau bis zum Jahr 2040

Bis zum Jahr 2040 wollen die Projektpartner laut Europäischer Kommission die Produktion weiter ausbauen – auf dann jährlich mehr als 20.000 Tonnen Magnete. Diese sollen unter anderem aus ausrangierter Unterhaltungselektronik, LCD-Panels und Lithium-Ionen-Batterien stammen.

Das Projekt dient aber nicht nur geringerer Abhängigkeit von Rohstoffimporten. Das Recycling von 500 Tonnen Permanentmagneten jährlich spart 254.000 Kubikmeter Wasser, 0,62 Gigawattstunden Strom und 7.200 Tonnen CO2-Äquivalente jährlich – verglichen mit dem Abbau der Rohstoffe, rechnet die Europäische Kommission vor.

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