Historische Fahrzeuge

Viertürige Sportler – Prestige des Wirtschaftswunders

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BMW steigt zum Massenhersteller auf

Dagegen stieg BMW dank der eigenen Mittelklasse erstmals in die Liga der europäischen Massenhersteller auf. Dazu ersetzte 1964 der BMW 1600 den schwächeren 1500 und der 1800 markierte die neue Leistungsspitze. Nur ein Jahr später rollte schon die Produktionsnummer 100.000 der sogenannten Neuen Klasse (Typen 1500-1800) vom Band. BMW bewies, dass der gelungene Mix aus sportiven Formen und starken Motoren gut war für gänzlich neue Bestseller in der Businessclass. Tatsächlich waren die BMW-Vierzylinder-Viertürer auch schneller als viele repräsentative Sechszylinder-Limousinen, wie bei den damals populären Autobahn-Duellen nicht wenige Mercedes-S-Klasse- und Opel-Kapitän-Chauffeure frustriert konstatieren mussten.

Aber auch der mit großem Reklameaufwand eingeführte Opel Rekord L-6 mit 74 kW/100 PS starkem Sechszylinder aus dem Kapitän konnte nicht kontern. Nur 16.000 Käufer der lange Zeit populärsten deutschen Mittelklasse-Baureihe entschieden sich für den schnellen Sechsender. Woran lag's? Trotz Motor und Hinterachse vom Kapitän fehlte es dem Rekord L-6 an Noblesse und Prestige, offenbar glich er optisch zu sehr seinen Vierzylinder-Geschwistern.

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Luxus- und leistungsverliebte Ära

Dagegen vermittelten V6-Motoren im überraschend erschwinglichen neuen Ford Taunus 20 M erfolgreich das Gefühl von Leistung wie in der Oberklasse. So war der 20 M ein prickelnder, preiswerter Cocktail, der die Kölner Automobilhersteller in höhere Sphären katapultierte und die gehobene Mittelklasse mit Sturmgewalt durcheinander wirbelte. Dies sogar durch den V6-Kombi 20 M Turnier: Sportiver Lifestyle in einem schnellen Transporter, das hatte es so noch nie gegeben. Die Kölner V6 passten einfach perfekt in jene luxus- und leistungsverliebte Ära, deren erste Anfänge ein Jahrzehnt zuvor Borgward, Volvo und natürlich Alfa Romeo gesetzt hatten. Borgward war zwar trotz der Isabella 1961 in einen finanziellen Abgrund gestürzt, Volvo dagegen hatte bereits seit Mitte der 1950er Jahre erst mit schnellen Buckelmodellen (PV 444 & PV 544 Sport) und dann mit aufregenden Amazonen (P 122 Sport) Amerika und Westeuropa erobert.

Erfolgsstory Giulietta

Alfa Romeo wiederum war durch die Giulietta zum Großserienhersteller aufgestiegen und schrieb diese Erfolgsstory nun mit der größeren Giulia fort. Das Geheimnis von Giuliettas Tochter Giulia war erschwingliche Sportlichkeit für die ganze Familie und ein Charakter voller Charisma und Kanten. Kantig war vor allem die vom Windkanal geprägte Karosserie mit knochigem Heck. Charisma gewann die Giulia aber auch durch reinrassige Sportwagentechnik und moderne Aluminiummotoren, die schon zur Modelleinführung eindrucksvolle 68 kW/92 PS Leistung freisetzten. Das war sogar mehr Kraft als sie etwa Porsche 356 oder BMW 1500 unter der Haube hatten.

Ausstattungsdetails wie Scheibenbremsen rundum, Fünfganggetriebe, Dreipunkt-Automatikgurte und Drehzahlmesser setzten in den 1960er Jahren Maßstäbe. Rund 820.000 Einheiten der verführerischen Italienerin wurden in 16 Jahren verkauft, darunter atemberaubend-schöne Coupés und Spider, exzentrische Zagato-Sportler, reinrassige Rennwagen und die erste italienische Diesel-Limousine.

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