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Historische Fahrzeuge Viertürige Sportler – Prestige des Wirtschaftswunders

| Autor / Redakteur: SP-X / Thomas Günnel

Ein schnelles und starkes Auto symbolisierte Wohlstand am Ende der Wirtschaftswunderjahre – viele PS bedeuteten viel Prestige. Erstmals waren viertürige Sportler angesagt, von Alfa bis Volvo, mit BMW 1800 und Glas 1700 als deutschen Dynamikern.

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Wer es zu etwas Wohlstand gebracht hatte, der zeigte dies auch am Ende der Wirtschaftswunderjahre gerne. Ein schnelles und starkes Auto gehörte dazu.
Wer es zu etwas Wohlstand gebracht hatte, der zeigte dies auch am Ende der Wirtschaftswunderjahre gerne. Ein schnelles und starkes Auto gehörte dazu.
(Foto: Fiat )

Als „Porsche mit fünf Plätzen“ bezeichneten manche Medien die Mittelklasse-Limousine BMW 1800 bereits, als der Viertürer mit 66 kW/90 PS vorfuhr. Begnügten sich doch konventionelle Familienkutschen etwa von Volkswagen oder Ford mit gerade einmal zwei Dritteln dieser Leistung. Zum ultimativen Dynamiker in der mittleren Dienstwagenklasse mutierte der BMW 1800 aber erst in den Ausbaustufen TI und TI-SA. Besonders für den 96 kW/130 PS starken TI-SA standen die Sportfahrer vor 50 Jahren Schlange, war das Homologationsmodell für den Motorsport doch in den Stückzahlen streng limitiert. Mit einer Vmax von fast 200 km/h ließ der TI-SA tatsächlich kaum einem Porsche eine Chance und, was noch wichtiger war, er deklassierte seine rassige italienische Rivalin Alfa Romeo Giulia 1600 TI.

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Tempo war Trumpf

Tempo war Trumpf Mitte der 1960er Jahre, nicht nur bei teuren Traumwagen. So gab der Dingolfinger Goggomobil-Bauer Glas Gas mit seiner neuen 1700 Limousine, Opel und Ford führten Sechszylinder für Familien- und Firmenfahrzeuge ein und Peugeot punktete mit der Kraft des Einspritzmotors. Volvo schrieb Sport bei Amazon und Buckelebenso groß wie Sicherheit, Fiat warb mit viel Velocità masssima für wenig Geld und die bis dahin betuliche englische Mittelklasse mutierte zu 100-Meilen-Dauerläufern (160 km/h) für die frisch eröffneten und noch unlimitierten Motorways auf der Insel, aber auch für Speed Trials auf dem Kontinent.

Ungünstige Wechselkurse

Allerdings litten die Angelsachsen unter ungünstigen Wechselkursen, wodurch etwa der avantgardistische Rover 2000 in Deutschland so teuer war wie die luxuriöse Mercedes-Benz S-Klasse. Entsprechend klein blieben die Verkaufszahlen der schnellen Rover-Limousine, die wenige Jahre später noch einmal für Furore sorgte: Als erste europäische Mittelklasse-Limousine mit amerikanischer V8-Power unter der Haube, gut für über 190 km/h. Deutlich langsamer war dagegen der 66 kW/90 PS starke 2,0-Liter-Sechszylinder im neuen Triumph 2000. Dabei hatte sich die größte Limousine der traditionsreichen Sportwagenmarke vom italienischen Stardesigner Giovanni Michelotti in betont dynamische Formen kleiden lassen, die über 14 Jahre aktuell blieben.

„Sinn für edle Rasse“

Nicht ganz so lang produziert wurde der Glas 1700, den Michelottis engster Freund, Pietro Frua, gezeichnet hatte. Dafür etablierte dieser Viertürer Europas damals kleinsten Großserienhersteller Glas kurzzeitig in der Mittelklasse. Dort trat der bis zu 74 kW/100 PS starke „Büffel im Frack“ – so ein Pressekommentar zu dem robusten bayerischen Beau – direkt gegen die BMW 1600 bis 1800 an. Knapp 14.000 Käufer begeisterten sich in drei Jahren für den viertürigen Glas im Frua-Gewand, der laut Werbung bestimmt war für Menschen mit "Sinn für edle Rasse", speziell "Rechtsanwälte, Ärzte und bessere Angestellte". Zu wenige Kunden, um Glas vor dem drohenden Konkurs zu bewahren. BMW übernahm den kleinen Konkurrenten und verschickte die Glas-1700-Produktionsanlagen Ende 1967 nach Südafrika, wo der sportliche Fünfsitzer mit BMW-Logos ein neues Leben begann.

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