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Jubiläum 75 Jahre Jeep: Vom Soldaten zum Gentleman

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Der Jeep wurde im Auftrag der US Armee entwickelt. Ohne ausgemustert zu werden, fuhr der Geländewagen nach 1945 bereits als ziviles Modell Jeep CJ-2A im Alltagseinsatz. Ein Resümee nach 75 Jahren.

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Jeep feiert mit einer 75th Anniversary Special Edition seine quasi 75-jährige Geschichte: Die Sondermodelle gibt es für die Modelle (v.l.) Wrangler, Renegade, Grand Cherokee und Cherokee.
Jeep feiert mit einer 75th Anniversary Special Edition seine quasi 75-jährige Geschichte: Die Sondermodelle gibt es für die Modelle (v.l.) Wrangler, Renegade, Grand Cherokee und Cherokee.
(Bild: Jeep )

Die Geschichte begann im Jahr 1941: Damals rollte ein Geländewagen vom Band, der eigentlich keinen Namen hatte und als Willys MB im zweiten Weltkrieg Furore machte. Von ihm liefen für den militärischen Bedarf bis 1945 bei Willys-Overland rund 370.000 und bei Ford 277.000 Einheiten vom Band. Der Viersitzer mit Allradantrieb für das US-Militär hatte 1.114 kg Leergewicht, eine Nutzlast von 363 kg und 454 kg Zuglast sowie eine Bodenfreiheit von 22 cm. Sein Radstand betrug bei 3,327 m Länge 2,03 m und die Spurbreite kam bei 1,57 m Fahrzeugbreite auf 1,245 m (vorn und hinten). Sein 2,2-l-Vierzylinder-Benzinmotor mit rund 45 kW/61 PS schaffte maximal 88 km/h und brachte es auf circa 380 km Reichweite mit dem 54-Liter-Tank. Wer Gelegenheit hat, den Willys MB zu fahren, weiß, wie enorm der Techniksprung ist. Denn das Fahren des Willys – mit Blattfedern und hydraulischen Stoßdämpfern sowie Dreigangschaltung plus Rückwärtsgang und Geländereduktion – wird mit Einscheiben-Trockenkupplung und hydraulischer Betriebsbremse heute zum Abenteuer, weil gewohnte Eigenschaften, wie „Kraftunterstützung“ beim Kuppeln, Lenken und Bremsen fehlen. Für den Willys mit dem kleinen Wendekreis von etwas mehr als sechs Meter sind Kraft in Armen und Beinen von Nöten – und volle Konzentration.

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Der Off-Roader erhielt erst 1950 den geschützten Markennamen Jeep, zu dessen Herkunft es viele Geschichten gibt. Seit dem zivilen Einsatz und weiteren Fahrzeugentwicklungen fährt Jeep in der Erfolgsspur. In Europa wurde Jeep bisweilen als Name für Geländewagen benutzt – wie etwa „Tempo“ für Papiertaschentücher. In den USA hatte sich dagegen für die Geländewagen der Begriff SUV durchgesetzt. Jeep und seine SUV waren als Geschäftsbereich unter vielen (Konzern-)Dächer beheimatet, zu denen auch Daimler und Chrysler gehörten. Infolge der weltweiten Finanzkrise ab 2007 kam Jeep mit der Chrysler LLC im Jahr 2009 unter die Fittiche des neuen Anteilseigners Fiat Group Automobiles und fusionierte 2014 als Fiat Chrysler Automobiles (FCA) mit Sitz in Amsterdam.

Eigenständig und erfolgreich

Nach Jahren unter vielen (Konzern-)Dächern ist Jeep heute eine eigenständige Marke bei Fiat Chrysler Automobiles – mit einem schnell wachsenden Absatz. Im Rückspiegel taucht immer häufiger der markante Kühlergrill mit sieben senkrechten Lüftungsöffnungen auf: ein Modell von Jeep. In drei Jahren hat sich der Absatz in Deutschland verdoppelt, 2015 auf fast 15.000 neu zugelassene SUV gegenüber knapp 7.000 Fahrzeuge in 2013 – unter Chrysler waren es 2011 noch weniger als 4.000 Neuzulassungen. Der Drive im Absatz von Jeep ist global, das SUV-Segment wächst weltweit überproportional. Das macht Jeep zur Nummer 1 bei diesen Fahrzeugen. Im letzten Jahr stieg der Absatz der Marke weltweit auf 1,2 Millionen SUV, bis 2018 wollen die Italo-Amerikaner das Verkaufsziel von zwei Millionen SUV erreichen. Zum Jubiläum offeriert Jeep nun in vier Modellreihen die 75th Anniversary Edition. Ausgenommen den Compass, gibt es das Sondermodell beim kleinen Renegade, dem Cherokee und Grand Cherokee sowie bei der Jeep-Ikone Wrangler. Die vier Modelle stehen im Wettbewerb jeweils zum Beispiel mit Mini Countryman, VW Tiguan, Audi Q5 sowie Mercedes G-Klasse und BMW X5.

Revival erfolgreicher Modelle

Die Absatzerfolge von Jeep lassen einen neuen SUV oberhalb des Grand Cherokee erwarten, wie einst den Grand Wagoneer, das erste Premium-SUV. Es galt als revolutionär: erstmals mit einem Automatikgetriebe in einem vierradangetriebenen Fahrzeug, außerdem der erste Allradler mit vorderer Einzelradaufhängung. 1973 gab es mit Quadra-Trac den ersten automatischen, permanenten Vierradantrieb. Die Modelle Wagoneer, Grand Wagoneer und Cherokee (SJ) wurden von 1963 bis 1991 gebaut. Nun soll der Wagoneer Ende 2018 auf dem Markt sein Revival feiern und mit dem Range Rover in Konkurrenz treten. Im Jahr 2017 will Jeep den neuen Grand Cherokee an Kunden ausliefern. Ebenfalls hat die Marke einen neuen Wrangler avisiert, der als direkter Nachfahre des Willys MB, mit der erfolgreichen Original-Jeep-Formel 2017 kommen werde – allerdings mit fortschrittlicher Technik, eigenständigem Karosserie- und Innenraumdesign, aktuellen Motoren sowie zeitgemäßer Sicherheits- und Komfortausstattung.

Sondermodelle zum Jubiläum

Für die angebotenen quasi vollausgestatteten Editionsmodelle mit Allradantrieb gibt es Lederausstattung und Lackfarben, die den Reiz der Sondermodelle unterstreichen. Bei der großen Ausstattungsfülle sind die Preise ansprechend: Der Renegade mit 2.0-MultiJet-Turbodiesel (103 kW/140 PS) kostet mit Neunstufenautomatik 34.975 Euro – 1.900 Euro weniger mit Sechgang-Handschaltung – und als Benziner mit 1.4-Multi-Air-Motor mit Neunstufenautomatik 34.475 Euro. Den Cherokee 2.2 Multi Jet (147 kW/200 PS) mit Neunstufenautomatik bietet Jeep mit zwei 4x4-Versionen an: die mit Allrad-Active-Drive I für 48.775 Euro und die mit zusätzlicher zweiter Gangstufe im Transfergetriebe sowie einem elektronischen Drehmomentmanagement (Active Drive II) für 50.475 Euro. Den Antrieb des Sondermodells Grand Cherokee übernimmt der 3.0-V6-MultiJet-Turbodiesel (184 kW/250 PS) mit Achtstufenautomatik, für den mit der Topausstattung 66.675 Euro fällig werden.

Die Jeep-Ikone Wrangler gibt es mit 2,8-l-CRD-Turbodiesel (147 kW/200 PS) sowie mit 3,8-l-V6-Benzinmotor (209 kW/284 PS) – beide mit Fünfgangautomatik und zum selben Preis: 46.475 Euro. Gleiches beim viertürigen Wrangler Unlimited: Ob mit Benzin- oder Dieselmotor, den Klassiker gibt es für 49.475 Euro. Eines ist allen Jeeps gemein: ihre „DNA“. Und über die Jahre wurden die Fahrzeuge so weiterentwickelt, dass die Technik sie im Off-Road-Einsatz brillieren lässt – die On-Road-Qualität ist dabei die Kür. Vor 75 Jahren war das noch anders.

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