Wirtschaft Die Absatzzahlen 2022 der deutschen Automobilhersteller

Aktualisiert am 13.01.2023 Von Thomas Günnel Thomas Günnel

Anbieter zum Thema

Die deutschen Automobilhersteller haben ihre Absatzzahlen des Jahres 2022 vorgestellt. Die Verkäufe waren gegenüber dem Vorjahr rückläufig – außer bei elektrischen Modellen, teuren Fahrzeugen und Nutzfahrzeugen.

Mit dem abgelaufenen Jahr 2022 haben die deutschen Automobilhersteller ihre Jahreszahlen vorgestellt.
Mit dem abgelaufenen Jahr 2022 haben die deutschen Automobilhersteller ihre Jahreszahlen vorgestellt.
(Bild: AUDI AG)

Audi hat im vergangenen Jahr nur 1,61 Millionen Autos verkauft und damit seine im Oktober gesenkte Absatzprognose verfehlt. Den Rückgang um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr erklärte die Ingolstädter Volkswagen-Tochter mit Lieferengpässen, Herausforderungen in der Logistikkette und den Corona-Lockdowns in China.

In Europa legten die Verkäufe um ein Prozent zu auf 624.000 Autos. In China dagegen brachen sie um acht Prozent ein auf 643.000 Autos. Der Absatz vollelektrischer Autos stieg um fast die Hälfte auf gut 118.000. Ab 2026 will Audi nur noch vollelektrische Modelle neu auf den Weltmarkt bringen.

„Auch wenn wir weiter vor gesamtwirtschaftliche Herausforderungen gestellt werden, schauen wir zuversichtlich in die Zukunft“, sagte Wortmann. Die Finanzzahlen für das Geschäftsjahr 2022 will Audi am 16. März vorlegen. Im Oktober hatte der Autohersteller 1,65 bis 1,75 Millionen Fahrzeug-Auslieferungen in Aussicht gestellt, 60 bis 63 Milliarden Euro Umsatz und eine Umsatzrendite von 11 bis 13 Prozent.

BMW

BMW will seine Absatzzahlen in diesem Jahr wieder steigern. 2022 hatte der Autohersteller mit knapp 2,4 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen dagegen einen Rückgang um 4,8 Prozent hinnehmen müssen. Im Schlussquartal zeigten die Zahlen allerdings deutlich nach oben: 651.798 ausgelieferte Fahrzeuge der Konzernmarken bedeuteten ein Plus von 10,6 Prozent. Für dieses Jahr nannte der Konzern keine konkrete Zielmarke. Vertriebsvorstand Pieter Nota kündigte aber an, den „Kurs des profitablen Wachstums“ fortzusetzen.

Besonders stark will BMW bei vollelektrischen Autos zulegen. Hier soll der Anteil am Gesamtabsatz 2023 auf 15 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr lag er mit 215.755 Fahrzeugen bei neun Prozent. Dies war mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2021. „Besonders bei unseren vollelektrischen Modellen verzeichnen wir weiterhin hohe Auftragseingänge“, betonte Nota.

In den großen Märkten entwickelten sich die Absatzzahlen im Gesamtjahr ähnlich. Den stärksten Rückgang erlebte der Konzern mit 7,5 Prozent in Europa. Der Absatz in China sank um 6,4 Prozent, in Amerika um 2,3 Prozent. Es gab auch Ausnahmen: Dass der Absatz in Asien insgesamt deutlich langsamer als im größten Teilmarkt China sank, verdankte BMW unter anderem starken Absatzzahlen aus Südkorea.

BMW hatte bereits zuvor erste Zahlen genannt, unter anderem das Gesamtvolumen auf Konzernebene und von 2,1 Millionen Fahrzeugen für die Kernmarke BMW.

Daimler Truck

Der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck hat im vergangenen Jahr seine Verkaufszahlen gesteigert. Der Absatz weltweit wuchs um mehr als 14 Prozent von 455.445 Fahrzeugen auf rund 520.300 Fahrzeuge.

Der Absatz der Lkw-Marke Mercedes-Benz, die Fahrzeuge in Europa, Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten vertreibt, stieg laut Daimler Truck um rund 18 Prozent. Mehr als 166.000 Fahrzeuge wurden davon demnach verkauft. Auch die Lkw-Geschäfte in Nordamerika und Asien nahmen zu. Besonders kräftig zog das Bus-Geschäft mit einem Wachstum von 28,3 Prozent an. Hier wurden 24.041 Fahrzeuge verkauft. Weitere Details zum Geschäftsjahr 2022 will der Konzern im März vorstellen.

Mercedes-Benz

Mercedes-Benz hat im vergangenen Jahr etwas weniger Autos an Kunden ausgeliefert. Wie der Stuttgarter Konzern mitteilte, wurden rund 2,044 Millionen Autos verkauft – nach 2,055 Millionen im Vorjahr. Das Jahr sei herausfordernd gewesen und geprägt von regionalen Corona-Maßnahmen sowie Engpässen in der Logistik und bei den Halbleitern. Als Grund für die Rückgänge führte Mercedes zudem die Entscheidung an, den Export von Pkw und Transportern nach Russland einzustellen.

In Europa und Asien gab es ein Plus von einem Prozent. Auf dem chinesischen Markt, der mehr als ein Drittel der Verkäufe ausmacht, nahmen die Auslieferungen um ein Prozent ab. Der Konzern nannte die Corona-Maßnahmen als Grund.

Im Schlussquartal des vergangenen Jahres konnte sich Mercedes im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich steigern. Die Auslieferungen nahmen um 17 Prozent auf 540.800 Autos zu. Besonders stark stiegen die Verkäufe in Deutschland mit einem Plus von 23 Prozent. Auch in China legte der Automobilhersteller um 13 Prozent zu.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Bei den E-Autos konnte Mercedes seine Verkäufe im vergangenen Jahr mehr als verdoppeln. Die Auslieferungen der batterieelektrischen Fahrzeuge – ohne den Smart – legten von 52.500 auf rund 118.000 zu.

Porsche

Trotz Chipkrise und Lieferkettenproblemen hat der Sportwagenhersteller Porsche im Jahr 2022 etwas mehr Autos als im Vorjahr verkaufen können. Die Auslieferungen stiegen um drei Prozent auf 309.884. Im wichtigsten Einzelmarkt China sank die Zahl der Verkäufe jedoch um zwei Prozent. Porsche führte das auf die Corona-Einschränkungen zurück. Und für die vollelektrische Taycan-Baureihe brach der Absatz um 16 Prozent ein – Grund seien Engpässe in den Lieferketten und eingeschränkte Verfügbarkeit von Teilen, hieß es.

„Die vielen Herausforderungen, ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine, unterbrochene Lieferketten und die andauernde Halbleiterkrise, haben das vergangene Jahr geprägt und uns stark gefordert“, sagte Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Trotzdem hätten so viele Kunden wie nie einen neuen Porsche erhalten.

Absatz in Deutschland erhöht

Im Heimatmarkt Deutschland ging es mit den Verkaufszahlen um drei Prozent nach oben. In den USA – im Vorjahr Wachstumstreiber – trat Porsche beim Absatz auf der Stelle. Zulegen konnten hingegen das restliche Europa mit einem Plus von sieben Prozent und das Vertriebsgebiet „Übersee und Wachstumsmärkte“ – zu dem unter anderem Lateinamerika, Afrika, Australien, Japan oder Korea gehören – mit einem Plus von 13 Prozent.

Bentley und Rolls-Royce

Die Luxus-Autohersteller Bentley und Rolls-Royce haben im vergangenen Jahr eine Rekordzahl ihrer Fahrzeuge ausgeliefert. Bentley verkaufte 15.174 Autos und damit vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Am meisten nachgefragt war demnach das SUV-Modell Bentayga, es machte 42 Prozent der Verkäufe aus. Der Bentley Flying Spur, der auch als Hybridfahrzeug angeboten wird, wurde in Großbritannien in zwei Drittel der Fälle als Hybrid verkauft – in anderen Ländern lag der Anteil niedriger.

Auch die BMW-Tochter Rolls-Royce konnte trotz der Inflation mehr Autos absetzen als je zuvor. Nach eigenen Angaben verkaufte der Hersteller 6.201 Autos, was einer Steigerung um acht Prozent entspricht. Rolls-Royce verbuchte unter anderem in Großbritannien und Deutschland neue Höchststände bei seinen Verkaufszahlen.

Skoda

Die tschechische Volkswagen-Tochter Skoda hat 2022 deutlich weniger Autos an die Kunden gebracht als im Jahr zuvor. Das Unternehmen mit Sitz in Mlada Boleslav lieferte weltweit 731.300 Fahrzeuge aus. Das waren 146.900 oder rund 16,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum. Als Gründe dafür nannte der Hersteller die andauernde Halbleiterknappheit, den Krieg in der Ukraine, Probleme in der Lieferkette, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie Unsicherheit auf den Weltmärkten.

Besonders drastisch fiel der Rückgang der Auslieferungen in Russland mit minus 79,8 Prozent aus. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte der Volkswagen-Konzern sein Russland-Geschäft eingestellt. Im Wachstumsmarkt Indien konnte Skoda die Zahl der Auslieferungen indes mehr als verdoppeln – von 22 800 Fahrzeugen 2021 auf 51 900 im Jahr 2022.

Beliebtestes Modell war weltweit gesehen der Skoda Octavia, gefolgt von den SUV-Modellen Kamiq und Kodiaq. „Die Marktlage bleibt auch 2023 weiter angespannt, wir sind jedoch vorsichtig optimistisch, dass sich die Situation in den kommenden Monaten allmählich entspannt“, teilte Skoda-Chef Klaus Zellmer mit. Mit einer E-Offensive für den Umstieg auf die Elektromobilität sei das Unternehmen für die kommenden Jahre gut gerüstet.

Volkswagen Pkw

Die Volkswagen-Kernmarke VW Pkw hat im vergangenen Jahr wegen angespannter Lieferketten weniger Autos verkauft. Mit 4,56 Millionen waren es weltweit 6,8 Prozent weniger ausgelieferte Fahrzeuge als im Vorjahr. Fortschritte machte VW mit vollelektrischen Wagen und kam mit rund 330.000 Batterieautos auf ein Verkaufsplus von 23,6 Prozent.

Im wichtigsten Einzelmarkt China konnte VW die Auslieferungen seiner stockend angelaufenen ID-Modellfamilie auf 143.100 Elektroautos mehr als verdoppeln. Für dieses Jahr erwartet Volkswagen weiter eine schwankungsanfällige Versorgungslage. Sie soll sich aber schrittweise verbessern und damit eine stabilere Produktion ermöglichen.

Der Auftragsbestand sei nach wie vor sehr hoch. Über alle Antriebsarten lägen in Europa rund 640.000 Bestellungen vor, hieß es. Das sind 18 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Trotz anhaltender Versorgungsengpässe haben wir 2022 ein solides Absatzziel erreicht“, sagte Markenvertriebschefin Imelda Labbé.

Insgesamt sind SUVs bei VW weiter beliebt: Ihr Anteil am Gesamtverkauf stieg um vier Punkte auf 45 Prozent. In den USA waren mehr als vier von fünf verkauften Fahrzeugen SUVs.

Volkswagen-Konzern

Versorgungsengpässe bei Elektronik und die daraus folgenden Produktionsprobleme haben im abgelaufenen Jahr auch dem Volkswagen-Konzern erheblich zu schaffen gemacht. Die zweitgrößte Autogruppe konnte insgesamt deutlich weniger Fahrzeuge verkaufen als 2021. Allerdings verbesserte sich der Absatz von Elektromodellen erneut spürbar.

Um sieben Prozent sanken die weltweiten Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr, wenn alle Marken und Regionen über die vollen zwölf Monate berücksichtigt werden. Auf dieser Basis wurde der VW-Konzern rund 8,26 Millionen Fahrzeuge los. Im bereits nicht einfachen zweiten Corona-Jahr davor waren es noch etwa 8,88 Millionen Stück.

Einzige Wachstumsregion war 2022 unterm Strich Asien-Pazifik – wenn hier der wichtigste Markt China außen vor bleibt, wo es insbesondere aufgrund von Covid-Lockdowns um 3,6 Prozent abwärtsging. Jedoch stabilisierte sich das Geschäft im Jahresverlauf spürbar. Für den Dezember stand ein globales Absatzplus von 18,1 Prozent in der Statistik, mit Zuwächsen von fast 23 Prozent in China oder 18 Prozent in Westeuropa. In Deutschland verkaufte der Konzern 3,8 Prozent mehr Autos und kam auf eine Summe von über einer Million. Die weltweiten Auslieferungen pendelten sich im vierten Quartal bei plus 14,3 Prozent ein.

Der Chipmangel und die wirtschaftlichen Verwerfungen der jüngsten Corona-Einschränkungen in der Volksrepublik hatten sich zuletzt etwas entspannt. Düster blieb die Lage in der Konfliktregion Zentral- und Osteuropa. Dort landeten die Konzernverkäufe 2022 um fast ein Drittel unter dem Vorjahresniveau, auch zum Ende blieben sie im Dezember um nahezu 22 Prozent im Minus. Eine zusätzliche Auswirkung des Krieges in der Ukraine auf die Autobranche war, dass wichtige Zulieferteile von dort wie Kabelbäume nun anderswo beschafft werden mussten.

Bei Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb sieht das Gesamtbild positiver aus. Hier gelang den VW-Konzernmarken gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um gut 26 Prozent auf über 572.000 Wagen. Damit seien inzwischen 6,9 Prozent aller ausgelieferten Autos reine Stromer gewesen, erklärte die Volkswagen-Gruppe – 1,8 Prozentpunkte mehr als 2021. Der Anteil soll von möglichst elf Prozent in diesem Jahr über 20 Prozent im Jahr 2025 auf gut 50 Prozent bis 2030 zulegen.

Besonders stark zogen die Elektroverkäufe in vergangenen Jahr relativ gesehen in China an, um mehr als zwei Drittel. Volkswagen kommt hier noch von einem vergleichsweise geringen Ausgangsniveau und hatte zunächst auch einige Startprobleme mit der ID-Reihe seiner Kernmarke. Weltweit brachte VW Pkw im Jahr 2022 knapp 24 Prozent mehr reine Elektroautos an die Kunden. Bei Audi betrug die Steigerung etwa 44 Prozent, bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sowie bei Seat/Cupra gelang jeweils sogar deutlich mehr als eine Verdoppelung.

Alle Antriebsformen zusammengerechnet schnitt Porsche besser ab: Die Auslieferungen kletterten über das gesamte Krisenjahr 2022 leicht um 2,6 Prozent auf knapp 310.000 Fahrzeuge. Porsche war damit neben dem addierten Wert für die Edelmarken Bentley und Lamborghini die einzige Pkw-Tochter, die einen Zuwachs schaffte. Bei den schweren Nutzfahrzeugen erreichte der US-Truckhersteller Navistar ein deutliches Plus – er ist erst seit 2021 im Konzern.

VW rechnet im neuen Jahr mit einer nach wie vor schwankungsanfälligen Versorgung. Lieferengpässe würden sich „voraussichtlich im Laufe des Jahres schrittweise verbessern“, schätzt Vertriebschefin Hildegard Wortmann. Das Fehlen von Mikrochips hatte bei Autoherstellern 2022 sehr viele Produktionsschichten ausfallen lassen. In Deutschland war oft Kurzarbeit die Folge, mehrfach standen große Werksteile still. (Mit Material von dpa)

(ID:48986828)