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Elektromobilität

Akkuwechsel-Stationen: Strom für die Langstrecke

| Autor: Holger Holzer/SP-X

Mit Akkuwechsel-Stationen für E-Autos wollte das Start-up Better Place die Welt Anfang des Jahrtausends zu einem besseren Ort machen. Und scheiterte. Nun kommt die Idee zurück.

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Nio plant Akkuwechsel-Stationen. Mittelfristig sollen reiselustige E-Mobilisten so bis zu 2.285 Kilometer quer durch China fahren können.
Nio plant Akkuwechsel-Stationen. Mittelfristig sollen reiselustige E-Mobilisten so bis zu 2.285 Kilometer quer durch China fahren können.
(Bild: Nio)

In den Anfangstagen der modernen E-Mobilität galt die Idee des Wechsel-Akkus kurze Zeit als zukunftsträchtig. Dann ging deren größter Vorkämpfer pleite und der Siegeszug der Schnellladetechnik begann. Doch nun kommt das Konzept der Austausch-Batterien für E-Autos zurück.

Bis 2020: 1.100 Batteriewechsel-Stationen

Der Neustart beginnt in China. E-Mobil-Hersteller Nio will bis 2020 rund 1.100 Batteriewechsel-Stationen entlang der Transitroute von Nord- nach Südchina bauen, die ersten 18 Anlagen seien bereits in Betrieb und versorgen die Kunden der Marke vollautomatisch mit Langstreckentauglichkeit. Nio zufolge wird das Auto dazu in eine Art Garage gefahren und oberhalb einer Grube positioniert. In diese sei ein Roboter eingelassen, der die unter dem Fahrzeugboden verschraubte leere Batterieplatte löst, eine volle herbeifördert, diese einpasst und festschraubt.

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Das Prozedere dauere keine zwei Minuten, während denen der Fahrer sitzen bleibt. Danach könne er sofort weiterfahren. Mittelfristig sollen reiselustige E-Mobilisten bis zu 2.285 Kilometer quer durch das Land fahren können – das ist die Länge der Strecke des sogenannten G4 Expressway, an dem Nio künftig seine Wechselstationen platzieren will.

Zunächst soll also China elektrisch von Norden nach Süden elektromobil querbar gemacht werden. Danach könnten auch Europa und die USA ins Visier des Herstellers kommen. Den Markteintritt hat er bereits für 2020 angekündigt.

Kleine Batterien – kleine Preise

Der Charme des Akku-Tausches ist offensichtlich: Der „Tankvorgang“ dauert demnach nicht länger als an der klassischen Zapfsäule. Selbst die schnellste künftige Schnellladetechnik dürfte nicht annähernd so fix sein; aktuell ist ein Ladevorgang zum vollen Akku kaum unter einer halben Stunde zu haben.

Sollte Nio die Pläne umgesetzt bekommen, könnte das Reichweiten-Problem des E-Autos Geschichte sein. Und auch die hohen Preise wären womöglich Vergangenheit. Statt große und teure Batterien könnten kleine und günstige für künftige E-Autos verfügbar sein, statt ewig an der Steckdose zu hängen, würde der Akku-Drive-in einen frisch gefüllten Energiespeicher vorhalten.

Identisches Projekt von Better Place

Kein Wunder, dass vor Nio schon jemand auf die Idee mit den Austausch-Akkus gekommen ist: Das israelische Start-up „Better Place“ hat ab 2007 ein nahezu identisches Projekt gestartet. Doch bereits 2013 war Better Place insolvent. Heute gelten vor allem zwei Umstände als Gründe für das Scheitern der Firma: Zum einen konnte Better Place neben Renault keinen weiteren Autohersteller überzeugen, auf die Tauschakku-Technik zu setzen.

Zum anderen waren die Kosten enorm: Allein die Ladestationen schlugen mit rund zwei Millionen Euro pro Stück ins Konto. Für die Batteriewechsel-Idee war das ein schwerer Schlag. Für das Auto wurde sie beerdigt, lediglich einige Elektroroller-Hersteller wie die taiwanesische Scooter-Marke Gogoro hielten und halten an ihr fest.

Chancen für Nio

Heute sieht die Situation für den chinesischen Autohersteller Nio möglicherweise besser aus. Weil das Unternehmen seine Autos gleich selbst baut und vertreibt, fallen viele Abstimmungsprozesse und Reibungsverluste mit einem Industriepartner weg. Zudem sind die Preise für Akkus im vergangenen halben Jahrzehnt deutlich gesunken. Die Kosten für einen Grundstock an Tauschware wären im Vergleich mit der Better-Place-Ära wohl geringer. Und nicht zuletzt boomt die E-Mobilität in China.

Verkaufszahlen halten sich noch in Grenzen

Dass es mit dem Batterietausch klappt, ist aber längst nicht ausgemacht. Zum einen hat Nio zurzeit nur zwei Modelle im Angebot, von denen lediglich der siebensitzige Crossover ES8 – Reichweite pro Batterie: 355 Kilometer – überhaupt für den maschinellen Wechsel vorgerüstet ist. Und bislang halten sich die Verkaufszahlen in Grenzen: In den ersten drei Monaten seit dem Marktstart im Sommer 2018 wurden keine 2.500 Autos gebaut, die Zahl der Auslieferungen betrug nur 1.500 Fahrzeuge.

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Zum Vergleich: Nio-Vorbild Tesla bringt in einem Vierteljahr rund 10.000 Autos nach China. Und hat mit seinem Supercharger-Schnellladenetzwerk ebenfalls ein gutes Argument für Kunden, die mit ihrem E-Auto Langstrecken zurücklegen wollen. Das gilt im Übrigen auch für Europa und die USA, wo die westlichen Autohersteller ebenfalls an Schnellladenetzwerken bauen. Akkutausch-Systeme hätten also eine starke Konkurrenz.

Produktionspartner: JAC und Changan

Trotzdem zählt Nio zu den spannendsten Automobilherstellern in China und weltweit. Dass die Chinesen mittlerweile in der Formel E vertreten sind, zeigt zumindest ihre finanziellen Möglichkeiten und Ambitionen, in der E-Mobilität vorne mitzufahren. Und auch beim selbstfahrenden Auto spielt das erst 2014 gegründete Unternehmen prominent mit. Mit den chinesischen Autoherstellern JAC und Changan zwei etablierte Produktionspartner an seiner Seite zu wissen, dürfte ebenfalls helfen.

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