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Elektroautos Audi stoppt Produktion des R8 e-tron

| Autor/ Redakteur: Jens Meiners / Thomas Günnel

Eines der ambitioniertesten Projekte der jüngeren Autogeschichte ist leise zu Ende gegangen: In diesen Tagen werden die letzten Exemplare des vollelektrischen Supersportwagens Audi R8 e-tron ausgeliefert.

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Eines der ambitioniertesten Projekte der jüngeren Autogeschichte ist zu Ende gegangen: Audi liefert die letzten Exemplare des vollelektrischen R8 e-tron aus.
Eines der ambitioniertesten Projekte der jüngeren Autogeschichte ist zu Ende gegangen: Audi liefert die letzten Exemplare des vollelektrischen R8 e-tron aus.
(Bild: Audi)

Es war ein herausragendes Projekt: Der 340 kW/462 PS starke Hecktriebler Audi R8 e-tron war auf dem Genfer Salon 2015 im Serientrim gezeigt worden. Einmal noch, nämlich zwei Monate später, war der Zweisitzer ins Rampenlicht gerückt worden – nämlich auf der CES in China, wo er als Forschungsobjekt für autonomes Fahren fungierte. Danach ist es still geworden. Verkaufsliteratur gab es nicht und im Konfigurator tauchte das Modell nie auf; interessierte Kunden wurden von Händlern ans Werk verwiesen. Der Kaufpreis lag bei einer Million Euro, angeboten wurde das Modell nur in Europa. Jetzt ist aus Audi-Kreisen zu erfahren, dass der Produktionsstopp unmittelbar bevorstehe – ein offizielles Statement gibt es indes nicht. „Wir hätten mehr bauen können, als wir letztlich getan haben“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Auch die tatsächlichen Stückzahlen will Audi nicht nennen; „weniger als dreistellig“ sei das Kontingent gewesen.

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Erste Studie im Jahr 2009

Die lange öffentliche Karriere des R8 e-tron begann mit einer Studie auf der IAA 2009, die bereits kurz darauf von Journalisten zu fahren war. 2010 absolvierte der damalige Entwicklungsvorstand Michael Dick einige Runden im Vorfeld der 24 Stunden von Le Mans. Sein Nachfolger Wolfgang Dürheimer, heute Bentley- und Bugatti-Chef, stoppte das Projekt, und als der nächste Entwicklungsvorstand, Ulrich Hackenberg, wieder grünes Licht gab, war es zu spät, den e-tron noch auf Basis der ersten R8-Generation zu realisieren. 2015 stand das fertige Auto auf Basis der zweiten Modellgeneration in Genf – als Beleg für die Innovationsfreudigkeit der Marke. Im Laufe des Entwicklungsprozesses war Audi von dem aufwendigen Konzept mit vier Elektromotoren – je zwei an Vorder- und Hinterachse – abgerückt. Das Serienauto besaß nur noch zwei Elektromotoren an der Hinterachse – und war damit der einzige Straßen-R8 mit Heckantrieb.

Inspiriert von Mercedes-AMG

Inspiriert war der R8 e-tron nicht zuletzt vom Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive – ein Supersportwagen, bei dem es den Entwicklern gelungen war, vier Elektromotoren unterzubringen und aufeinander abzustimmen. Der 550 kW/750 PS starke AMG verfügt über ein getrenntes Getriebe und kann alle vier Räder einzeln ansteuern; angeboten wurde er für 350.000 Euro plus Steuern. Einige Fahrzeuge wurden um das Jahr 2013 an Endkunden verkauft, vor allem nach Norwegen und Deutschland. Die Stückzahlen blieben im untersten zweistelligen Bereich. Viel mehr, so darf spekuliert werden, wird Audi vom R8 e-tron ebenfalls nicht abgesetzt haben. „Wir waren zu früh dran“, sagt AMG heute im Rückblick auf das SLS-Projekt. Drei Jahre später gilt für Audi noch immer der gleiche Befund.

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