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Neue Mobilität

Automatisierte Lufttaxis im Anflug

| Autor/ Redakteur: Ampnet/Hans-Robert Richarz / Maximiliane Reichhardt

Der Traum von automatisierten Flugtaxis ist längst nicht mehr so fern, wie er einst schien: Volocopter und Daimler wollen noch dieses Jahr Flugtaxis in Singapur starten lassen.

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Gemeinsam mit Fraport will Volocopter Konzepte für die Bodeninfrastruktur und den Betrieb von Flugtaxis an Flughäfen entwickeln.
Gemeinsam mit Fraport will Volocopter Konzepte für die Bodeninfrastruktur und den Betrieb von Flugtaxis an Flughäfen entwickeln.
(Bild: Volocopter)

Nach einem Interview im Frühjahr 2018, in dem Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, über automatisierte Flugtaxis sprach, wurde sie nicht ernst genommen: „Science Fiction einer Traumtänzerin.“ Verfasser solcher und ähnlicher Zeilen hinken nun den Zeichen der Zeit hinterher: Auf der Jahrespressekonferenz von Daimler teilte Vorstandschef Dieter Zetsche mit: „Gemeinsam mit dem Start-up Volocopter entwickeln wir Mobilität in der dritten Dimension. Dieses Jahr starten unsere Flugtaxis in Singapur.“ Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis solche Dienste flächendeckend verfügbar seien.

Aber: „Schon 2025 werden Flugtaxis in großen Städten auf ersten, festgelegten Routen Passagiere transportieren“, sagt Dr. Daniel Guffarth, Studienleiter und Mobilitätsexperte bei der Düsseldorfer Unternehmensberatung Horváth & Partners, voraus. In der Initialphase von Urban Air Mobility (UAM) ab 2025 würden sich Flugtaxis in Megacitys beziehungsweise Metropolregionen etablieren. In Deutschland könnten sich Pilotstrecken auf stark strapazierten Pendlerwegen durchsetzen, zum Beispiel in der Rhein-Ruhr-Region. Generell seien neben innerstädtischer Mobilität aber auch Stadt-Land- oder Stadt-Stadt-Verbindungen zur Entlastung des Berufsverkehrs von hoher Relevanz.

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Ein Unternehmen, das senkrechtstartende, vollelektrische Multikopter als Lufttaxi entwickelt, ist das Start-up Volocopter aus Bruchsal. Hier ist Mobilität in der dritten Dimension zu Taxipreisen nach siebenjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit greifbar nahe. Als Investoren sind neben Daimler auch der Halbleiterhersteller Intel aus Santa Clara in Kalifornien sowie eine Reihe weiterer Unternehmen eingestiegen. Neuerdings gibt es auch Geld aus der Politik: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer startete Ende Februar ein Förderprogramm für Drohnen und Flugtaxis in Höhe von 15 Millionen Euro.

Zwei Wochen zuvor hatte die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport und Volocopter enge Zusammenarbeit vereinbart. „Gemeinsam entwickeln die Unternehmen Konzepte für die Bodeninfrastruktur und den Betrieb von Flugtaxis an Flughäfen. Im Vordergrund stehen die reibungslose Fluggastabfertigung sowie die effiziente Anbindung an bestehende Verkehrsinfrastruktur. Das wird beispielhaft an einem sogenannten Volocopter Port untersucht. Diese könnten in Zukunft Knotenpunkte in Städten miteinander verbinden – auch eine Verbindung vom und zum Flughafen Frankfurt soll geprüft werden“, sagt Yi-Chun Sandy Chen, Fraport-Sprecherin für Digitalisierung und Servicethemen.

18 Rotoren treiben den Multikopter an

Die Bruchsaler waren die ersten, die eine Zulassung für bemannte voll-elektrische Flüge erhalten und zudem in Dubai im September 2018 den ersten öffentlichen Flug eines unbemannten Zweisitzers im Innenstadtverkehr vorgenommen hatten. Die Vision des Unternehmens ist, dass 2030 in einigen Städten in der Welt Tausende Volocopter fliegen. Der Doppelsitzer 2X besitzt 18 Rotoren, mit denen sich das Gefährt überdurchschnittlich leise fortbewegen soll. Angeblich verursacht der 2X in 75 Metern Entfernung gerade mal so viel Krach wie ein Kleinsthubschrauber in 500 Metern. Die Reichweite betrage 27 Kilometer.

Auch Boeing, Airbus, Uber und Autobauer wie Volkswagen und Porsche kündigten an, Fluggeräte für den Stadtverkehr zu entwickeln. Als Vorreiter gelten aber die beiden Startups Lilium mit einem elektrisch betriebenen Senkrechtstarter für den Mittelstreckenverkehr und Volocopter.

Schon jetzt werden zukünftige Fahrpreise kalkuliert: Die Beratungsagentur Porsche Consulting errechnete am Beispiel für einen sechsminütigen Beförderungsflug vom Flughafen Stuttgart ins benachbarte Bietigheim-Bissingen 57 Euro. Würde man die Strecke mit einem herkömmlichen Straßen-Taxi zurücklegen, bräuchte man unter günstigsten Bedingungen 30 Minuten und würde um die 90 Euro bezahlen. Die Flugtaxipreise würden zur Entfernung relativ gleichmäßig ansteigen. Ein Linienverkehr soll ab 2025 möglich sein.

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