Elektronik Automotive-Produkte auf der Embedded World 2025

Von Stefanie Eckardt 8 min Lesedauer

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Vom 11. bis 13.03.2025 dreht sich in Nürnberg alles um Embedded Systeme. Die Messe Embedded World zeigt die gesamte Bandbreite von Hardware über Software bis hin zu Dienstleistungen und Werkzeuge.

Die Embedded World öffnet vom 11. bis 13. März 2025 ihre Pforten.(Bild:  NürnbergMesse / Thomas Geiger)
Die Embedded World öffnet vom 11. bis 13. März 2025 ihre Pforten.
(Bild: NürnbergMesse / Thomas Geiger)

Mitte März 2025 kommt die Embedded-Community für drei Tage zusammen. Man darf gespannt sein, ob die erfolgreichen Zahlen aus 2024 in diesem Jahr getoppt werden können. So zeigten mehr als 1.100 Aussteller aus knapp 50 Ländern auf der Messe ihre Produkte, Lösungen und Lösungen. „Die drei Tage waren großartig“, zeigte sich Executive Director Benedikt Weyerer nach der Embedded World 2024. Über 32.000 Besucher kamen laut Veranstalter auf das Messegelände in Nürnberg. Da darf man gespannt sein, was die Messe dieses Jahr bietet. Die Produktankündigungen der Hersteller sprechen schon einmal eine deutliche Sprache – insbesondere der Automotive-Bereich.

Middleware und Mikroprozessor-Tuning

Auf dem Weg zum Software-definierter Fahrzeug und automatisierten Fahren steht Sicherheit an erster Stelle. Der Messeauftritt von Etas in Halle 4A am Stand 512 widmet sich Software-Entwicklungswerkzeugen, mit denen sich sicherheitskritische Fahrzeugfunktionen effizienter entwickeln und kalibrieren lassen sollen. Ein Beispiel ist die Middleware Solution. Middleware fungiert als Verbindung zwischen dem Betriebssystem und den Anwendungen auf Steuergeräten. Sie sorgt für eine reibungslose Kommunikation zwischen verschiedenen Software-Funktionen und vereinfacht die Integration neuer Software-Funktionen.

Middleware Solution integriert erstmals alle Funktionsdomänen – von Chassis- und Komfortfunktionen über Bremssysteme bis zu automatisierten Fahrfunktionen. Zudem gehören Werkzeuge zur Validierung von Fahrerassistenzsystemen in virtuellen Umgebungen, die unvorhersehbare und gefährliche Szenarien simulieren können. Ferner bringt das Unternehmen Embedded AI Coder mit. In der Automobilindustrie liegt beim Einsatz von Embedded-Systemen und Mikrocontrollern in Steuergeräten der Fokus auf minimaler Latenz und hoher funktionaler Sicherheit, was oft zulasten von Speicherkapazität und Rechenleistung geht. Die Entwicklung komplexer Funktionen für ADAS und autonomes Fahren erfordert jedoch das Management großer Datenmengen und die Nutzung trainierter neuronaler Netze. Thema Nummer 3: die Messung und Kalibrierung von mikroprozessorbasierenden Fahrzeugcomputern.

Die Zukunft der zonalen Architekturen für Software-definierte Fahrzeuge zeigt NXP in Halle 4A auf Stand 222. Der Halbleiterhersteller beleuchtet die aktuellen Herausforderungen, mit denen Automobilhersteller dabei konfrontiert sind, beispielsweise die Konsolidierung von elektronischen Steuergeräten sowie die unterschiedlichen Anforderungen an die verschiedenen zonalen Bereiche.

Chiplet und HMI-Funktionen

Socionext wird sein Fachwissen bei der Bereitstellung von hochleistungsfähigen, skalierbaren und energieeffizienten System-on-Chips (SoCs), die auf branchenspezifische Anforderungen zugeschnitten sind, in Halle 4A am Stand 628 hervorheben. Für den Automotive-Bereich hat der Halbleiterhersteller chipletbasierte Architekturen für KI-gestütztes ADAS, High-Performance-Computing und automobile Halbleiterlösungen im Gepäck.

Spannende Neuheiten verspricht Microchip in Halle 3A am 135 mit seinen Touchscreen-Controllern ATMXT3072M1 und ATMXT2496M1. Moderne Cockpit-Designs setzen stark auf mehrere Bildschirme und neue Techniken für die Mensch-Maschine-Interaktion. Damit einher gehen gestiegene Ansprüche an die Integration kapazitiver Berührungssensoren, vor allem aufgrund der dünneren Schicht und der zunehmenden Anzahl von Berührungselektroden.

Dafür bietet Microchip die neuen Bausteine. HMI-Entwicklern im Fahrzeugbereich stehen somit zuverlässige Touch-Lösungen zur Verfügung. Die Controller sind so konzipiert, dass sie den ASIL-A-/B-Standards entsprechen. Sie wurden gemäß dem ISO26262 Functional Safety Management System von Microchip entwickelt, das vom TÜV Rheinland zertifiziert ist. FMEDA und Sicherheitshandbücher helfen, die Zertifizierung für die Touch-Funktion ihrer Systeme effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Die Firmware der Touch-Controller lässt sich über den Hauptrechner des Fahrzeugs aktualisieren und über die integrierte Firmware-Authentifizierung verifizieren. Diese Cybersicherheitsfunktion ermöglicht zuverlässige Over-the-Air-Updates gemäß ISO 21434:2021.

Um die Zeit, in der der Blick nicht auf die Straße gerichtet ist, zu begrenzen und sichereres Fahren zu gewährleisten, werden die Hersteller bei den Euro-NCAP-Tests im Jahr 2026 dazu ermutigt, separate physische Bedienelemente für grundlegende Funktionen zu verwenden. Die Knob-on-Display-Technik des Herstellers ermöglicht das Hinzufügen intuitiver physischer Tasten auf den Touchscreen, was die Sicherheit verbessert, während das schlanke Aussehen moderner Fahrzeugdisplays erhalten bleibt. Darüber hinaus sorgt haptisches Feedback auf dem Touchscreen dafür, die Ablenkung des Fahrers zu reduzieren.

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Embedded World 2025 aus Automotive-Sicht
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Safety & Security

Perforce stellt auf der Embedded World 2025 die Frage, ob künstliche Intelligenz (KI) für mehr Sicherheit sorgt oder ein höheres Risiko entsteht. KI hebt im Safety-Umfeld die Beschränkungen deterministischer Software auf. Das bedeutet, dass die Software auf ein und dasselbe Ereignis nicht mehr eindeutig in der gewünschten Art und Weise reagiert. Das liegt einerseits an dem höheren Freiheitsgrad, den eine künstliche Intelligenz von Haus aus mit sich bringt. Andererseits sorgt das beständige Tainieren der KI dafür, dass sich einmal erlernte Reaktionen auf Ereignisse sowie Verhaltensweisen verändern können.

Traditionelle Standards und Prozesse zur Verifizierung und Validierung von funktionaler Sicherheit sind deshalb nicht mehr uneingeschränkt anwendbar. Das verdeutlicht die Studie „2025 State of Automotive Software Development“ des Unternehmens, in der 650 Verantwortlichen aus der Automobilindustrie in Hinsicht ihre Bedenken zu KI äußerten. So sind für 78 Prozent der Studienteilnehmer die funktional sichere Entscheidungsfindung von KI-Algorithmen in autonomen und automatisierten Fahrzeugen extrem oder sehr besorgniserregend. Das Vermeiden von Sicherheitslücken und Cyberangriffen als Folge der Einführung von fortgeschrittener KI-Technik löst bei 63 Prozent extreme oder sehr große Besorgnis aus. Und 71 Prozent der Befragten bejahten die Frage, ob der geplante neue Standard ISO/DPAS 8800 mit dem Titel „Road Vehicles – Safety and Artificial Intelligence“ für sie relevant sein werde. Perforce Software arbeitet zurzeit an KI-gestützten Funktionen, die dazu dienen sollen, Safety und Security in der Embedded-Entwicklung zu erhöhen, wie das Unternehmen in Halle 4, Stand 510.

In Halle 4 auf Stand 318 zeigt Parasoft seine automatisierte Softwaretestfunktionen C/C++test, die durchgängige Konformität mit Sicherheitsstandards wie ISO 26262, DO-178B/C, IEC 62304, EN 50218 und IEC 61508 ermöglicht. Automatisierte Abläufe beschleunigen die Konformität um rund 50 Prozent. Auf Anwendungen im großen Maßstab zielt Parasoft C/C++test CT ab. Indem Parasoft eine entscheidende Lücke zwischen Open-Source Testframeworks und Zertifizierungsanforderungen schließt, senkt es große Hürden für die Entwickler von sicherheitskritischen Anwendungen. Das ermögliche eine schnellere Time-to-Market.

RISC-V als Alternative zu Autosar

Der systemeigene Ansatz von RISC-V zur Anpassung der Architektur durch Software eröffnet neue Möglichkeiten zur Lösung von Aufgaben, die derzeit von Autosar übernommen werden. RISC-V kann somit eine Alternative für viele typische Autosar-Funktionen darstellen. Die Open-Source-Befehlsarchitektur punktet mit vielen Vorteilen, die sie attraktiv für die Automobilindustrie macht, wie Kosteneffizienz, Anpassungsfähigkeit an Normen und Standards, Flexibilität oder hohe Performance und Effizienz. Daher setzt sich u. a. Infineon dafür ein, RISC-V als offenen Standard für Automobilanwendungen zu etablieren und arbeitet mit Partnern zusammen, um die Einführung und Reife von RISC-V-basierten Lösungen zu beschleunigen. Seine Entwicklungsfortschritte stellt der Halbleiterhersteller in Halle 4A, Stand 138 vor.

Darüber hinaus kündigt Quintauris – Infineon ist neben Bosch, Nordic, NXP und Qualcomm Gründungsmitglied – mit RT-Europa das erste RISC-V-Profil für sicherheitskritische Echtzeitanwendungen im Fahrzeug an. RT-Europa passt RISC-V-Implementierungen für Safety Island und Domain Controller an, bei denen deterministische Ausführung und geringe Latenz von entscheidender Bedeutung sind. Diese Lösung ist der erste Schritt zur Bereitstellung einsatzbereiter RISC-V-Spezifikationen, die für funktionale Sicherheit und Echtzeit-Performance-Workloads in der Automobilindustrie optimiert sind.

Messen und Testen

Für die Entwicklung dynamischer Energiesysteme mit schnellen leistungselektronischen Schaltungen wie sie in den Bereichen E-Mobility, der Luft- und Raumfahrt oder der Bahnindustrie genutzt werden, benötigen Steuerungsentwickler und Testingenieure hochpräzise Echtzeitsimulationen. Hierfür hat dSpace XSG Power Electronics Systems (XSG PES) vorgestellt.

Die Software für Hardware-in-the-Loop Tests enthält eine Bibliothek mit fertigen Modellen von leistungselektronischen Schaltungen, so dass Anwender Simulationen ihrer Leistungselektronik schnell und einfach erstellen können. dSpace kann in Halle 4 an Stand 327 besucht werden.

In Halle 4, Stand 320 zeigt Göpel electronic seine neuen Entwicklungen für den Test von Kamera-, Display- und Videoanwendungen sowie zum Steuergerätetest und zur Restbussimulation im Automotive-Bereich.

Das Global Navigation Satellite System (GNSS) spielt in der Automobilindustrie eine zunehmende Rolle, um neue Infotainment- und automatisierte Fahrfunktionen zu ermöglichen. Um die geforderte Qualität von GNSS-Systemen an Bord von Fahrzeugen sicherzustellen, hat das chinesische Nationale Technische Komitee für Automobilstandardisierung die Richtlinien „Anforderungen und Testmethoden für Bordpositionierungssysteme“ erstellt. Rohde & Schwarz arbeitete an der Ausarbeitung der Norm mit. Diese Anforderungen wurden am 28. November 2024 mit dem „Implementierungstermin“ Juni 2025 veröffentlicht. Während die Testspezifikation derzeit nur empfohlen wird, wird sie aller Voraussicht nach im kommenden chinesischen E-Call-Standard verpflichtend sein.

Rohde & Schwarz hat zusammen mit u-blox dessen neues GNSS-Modul für den Automotive-Bereich validiert. Die Validierung erfolgte nach der GB/T-Testanforderung aus China, die sich mit GNSS-Positionsbestimmungssystemen in Fahrzeugen auseinandersetzt. Für die Validierung nutzten beide Unternehmen die R&S SMBV100B-basierte GNSS-Simulatorlösung. Den Aussteller finden Besucher in Halle 4, Stand 218.

Entwicklungs-Werkzeuge

Mit neuen Funktionen, die Entwicklern das Debugging und die Trace-basierte Analyse komplexer Microcontroller-Anwendungen vereinfachen, punktet die neue Version UDE 2025 der Universal Debug Engine, die PLS in Halle 4, Stand 310 vorstellt.

Benutzerfreundlich und im Praxisalltag überaus hilfreich ist das neue Easy-to-work-Startfenster. Sofort nach dem Programmstart und zeitlich sortiert erhalten Anwender nun direkten Zugang zu ihren zuletzt benutzten Debugger-Workspaces. Auch das Anlegen einer neuen Debugger-Sitzung nimmt dank der intuitiven Gestaltung jetzt noch weniger Zeit in Anspruch. Weiter optimiert wurde das Execution Sequence Chart, das die zeitliche Abfolge von ausgeführten Funktionen oder Betriebssystem-Tasks visualisiert. So kann nun eine bestimmte Funktion über ihren Namen gesucht werden, was insbesondere bei großen, per Trace aufgezeichneten Datenmengen sehr hilfreich ist.

Für die detailliertere Untersuchung des Zeitverhaltens insbesondere von Echtzeitbetriebssystemen oder von Autosar-Software mittels Timing-Analysis- bzw. Visualisierungs-Tools von Drittanbietern stellt die UDE 2025 nicht nur eine sehr benutzerfreundliche Trace-Aufzeichnung zur Verfügung. Sie bietet auch komfortable Export-Funktionen für diese Daten, die dann beispielsweise in die Werkzeuge von Vector oder Inchron importiert und dort weiterverarbeitet werden können. Noch enger ist die Tool-Kopplung für das Timing-Analyse-Werkzeug „T1.timing“ von Gliwa.

Um zusätzliche Features ergänzt wurden außerdem die UDE-internen Analyse-Funktionen für Echtzeitbetriebssysteme. Auf aufgezeichneten Trace-Daten basierend kann die CPU-Last nun für die einzelnen Tasks statistisch über die gesamte Beobachtungszeit ermittelt werden. Damit lassen sich sehr schnell und einfach erste Anhaltspunkte für eine Optimierung von echtzeitkritischen Applikationen ermitteln.

Die Debug- und Trace-Funktionen und der Bedienkomfort kommen vor allem bei Highend-Mikrocontrollern wie dem seit Ende 2024 verfügbaren Aurix TC4Dx-Chip von Infineon, der RH850/U2C-Familie von Renesas, den S32K31-, S32K36- und i.MX RT1180- MCUs von NXP und dem Stellar SR6 G6 Line Controller von ST Microelectronics in vollem Umfang zum Tragen. Echtes Multi-Core-Debugging bietet die UDE 2025 ab sofort auch für die THA6 Serie von Tongxin Micro, Chinas erstem ASIL-D zertifiziertem Arm Cortex-R52 mit integriertem Bosch Generic Timer Module (GTM).

Datenübertragung

Zur Embedded World 2025 bringt Peak-System die Ixxat Automotive-Gateway-Lösungen mit. In Halle 1, Stand 304 zeigt das Unternehmen diese einfach konfigurierbaren Gateways, die den Zugriff auf verschiedenste Bussysteme in Fahrzeugen, zum Beispiel für anspruchsvolle Gateway-, Diagnose-, Logging- und Visualisierungsanwendungen ermöglichen. (sp)

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