Suchen

Wirtschaft BMW schließt die europäischen Werke für vier Wochen

Redakteur: Svenja Gelowicz

Nach Daimler und VW stoppt auch BMW den Betrieb in seinen europäischen Werken wegen des Coronavirus. Der Hersteller plant außerdem Kurzarbeit. Einkaufschef Andreas Wendt sichert derweil Zulieferern in schwieriger Lage Unterstützung zu.

Firma zum Thema

BMW stoppt in seinen europäischen Werken die Produktion.
BMW stoppt in seinen europäischen Werken die Produktion.
(Bild: BMW)

BMW erwartet für das laufende Jahr einen weiteren deutlichen Gewinnrückgang und plant mit Instrumenten wie Kurzarbeit. BMW-Chef Oliver Zipse verkündete außerdem in München, die Produktion in den europäischen Werken sowie im südafrikanischen Werk Rosslyn wegen des Coronavirus für vier Wochen zu unterbrechen. Für Standorte in Mexiko und USA sei es noch zu früh, eine Aussage über Werksschließungen zu treffen. Zipse betonte, es gelte jetzt mit der Corona-Krise umzugehen. Gleichzeitig müsste die Betriebsbereitschaft signalisiert und umgesetzt werden. „Es gibt eine Zeit während Corona und es wird eine Zeit nach Corona geben“, sagte Zipse weiterhin.

In China spüre man bereits eine Erholung. Der Auftragseingang nehme zu, die Zeichen deuteten im März „in die richtige Richtung“. Für eine Prognose für das Gesamtjahr sei es dennoch zu früh.

Betriebsratschef Manfred Schoch sagte, die Gesundheit der Mitarbeiter müsste geschützt und ihre Arbeitsplätze und Einkommen müssten abgesichert werden. Dazu gebe es drei mit dem Betriebsrat vereinbarte Instrumente: Arbeitszeitkonten, Homeoffice und Kurzarbeit. Ein Tarifmitarbeiter bekomme auch bei Kurzarbeit mindestens 93 Prozent seines Nettolohns. Mit diesen drei Instrumenten werde BMW die Belegschaft sicher durch die Coronakrise steuern.

Ebit von zwei bis vier Prozent

Finanzchef Nicolas Peter merkte in München an, man befinde sich in einer Ausnahmesituation. Sein Fokus liege auf der Stabilisierung der Liquidität und des Ergebnisses. Die Ausbreitung des Coronavirus dürfte die Nachfrage nach Autos in allen wesentlichen Märkten erheblich beeinträchtigen, teilte das Unternehmen weiterhin mit. Im laufenden Jahr werde die Ebit-Marge im Autogeschäft voraussichtlich auf zwei bis vier Prozent vom Umsatz fallen. Geplant hatte das Unternehmen mit einem Wert zwischen sechs und acht Prozent.

Weil auch die Finanzdienstleistungen bei den Neuverträgen von der Krise betroffen sind, soll das gesamte Konzernergebnis vor Steuern im Jahr 2020 noch einmal deutlich unter dem Vorjahr liegen. Deutlich bedeutet bei BMW einen Rückgang um mehr als zehn Prozent. Bereits 2019 war das Vorsteuerergebnis unter anderem wegen hoher Vorleistungen und einer milliardenschweren Kartellrückstellung um 26,1 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro zurückgegangen.

Im laufenden Jahr rechnet Finanzchef Peter nur mit bis zu 6,4 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern. Ohne die Coronakrise hätte der Konzern einen deutlich steigenden Vorsteuergewinn angepeilt, sagte Peter. Auch der freie Mittelzufluss kommt unter Druck, immerhin soll der Free Cashflow nach 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr noch positiv ausfallen.

Wendt: Lieferketten intakt

Einkaufschef Andreas Wendt versicherte, bislang sei noch keine Lieferkette abgerissen. Das liege an der Führung der Partner im Lieferantennetzwerk und an der „Kompetenz der Mitarbeiter in Logistik und Procurement, die seit Wochen die N-Tier-Lieferanten in Detailarbeit beobachten“. Im Moment sehe man, dass auch die Lieferanten ihre Produktion schrittweise zurückfahren würden. Die finanziellen Auswirkungen des Coronavirus könnte man in dieser Hinsicht noch nicht abschätzen. Aber, betonte Wendt, man sei darauf ausgerichtet, Unternehmen in schwieriger Lage in gewissem Maße zu unterstützen. Auch der BMW-Auftragsfertiger Magna drossele die Produktion bereits.

Mit Material von dpa

(ID:46414757)