Software für VW-Konzern Cariad-Chef Hilgenberg erhöht Druck auf Zulieferer: „Gibt nur zwei Wege“

Autor: Svenja Gelowicz

Die Volkswagen-Softwareschmiede Cariad strebt eine globale Führungsposition an und will das Geschäftsmodell des Konzerns wandeln. Nun macht Cariad-Chef Dirk Hilgenberg Druck in Richtung der großen Zulieferer – mit einer Option, die den Begriff „Partnerschaft“ kaum verdient.

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Cariad will künftig weniger von Zulieferern abhängen – Dirk Hilgenberg (rechts im Bild), Chef der Software-Sparte, findet dafür klare Worte in einem Interview.
Cariad will künftig weniger von Zulieferern abhängen – Dirk Hilgenberg (rechts im Bild), Chef der Software-Sparte, findet dafür klare Worte in einem Interview.
(Bild: Cariad)

Dirk Hilgenberg, Leiter der VW-Softwaresparte Cariad, erhöht in einem Interview mit „Handelsblatt“ den Druck auf die großen Automobilzulieferer. Die bewährten Lieferstrukturen änderten sich bei Software künftig deutlich. Sein Unternehmen wolle die Entwicklung genau diktieren statt einem Lieferanten etwas abzukaufen, was dieser vorher selbst in seiner F&E-Abteilung erdacht hatte.

„Da gibt es nur zwei Wege: Entweder er geht eine Partnerschaft mit uns ein, oder er kommt für uns als Zulieferer nicht infrage“, sagt Hilgenberg. In zeitlich begrenzten Partnerschaften könnten sie sich einbringen. Doch: „Wenn wir eine Partnerschaft eingehen, entwickeln wir Software gemeinsam. Ich bringe meine Mannschaft mit ein, und die lernt“.

Tesla als Vorbild und Angriffsziel

Damit orientiert sich Cariad noch stärker an Tesla und dem hohen eigenen Wertschöpfungsanteil des Konzerns rund um Elon Musk: „Seine Autos fahren, sammeln Daten, er macht alles selbst. Das ist auch unser Ziel“, sagt Hilgenberg weiter. Das erste Ergebnis seines Teams sind die Over-the-air-Updates für ID-Modelle. Cariad will die Entwicklung damit viel stärker als früher kontrollieren und das Tempo bestimmen. Konzernchef Diess kündigte schon vor Monaten an, den Anteil der eigenen Software-Wertschöpfung von zehn auf 60 Prozent erhöhen zu wollen.

Das ist durchaus eine Bedrohung für den ein oder anderen Zulieferer.

Dirk Hilgenberg

VW will hierzulande nach dem IT-Riesen SAP die zweitgrößte Software-Schmiede werden und sogar global die „führende Software-Alternative zu Tesla und Google“ entwickeln. Dafür arbeitet Cariad unter Hochdruck auch am eigenen Betriebssystem VW.OS. Dann wollen wir, so Hilgenberg im „Handelsblatt“, auch den Großteil der Software für automatisiertes Fahren selbst entwickeln. Die Zulieferer wiederum sollen vor allem Hardware liefern, etwa Sensoren oder Zentralrechner: „Das Zusammenarbeitsmodell mit den Zulieferern wird sich ändern, das ist durchaus eine Bedrohung für den ein oder anderen Zulieferer“, so Hilgenberg.

Bis zur Mitte des Jahrzehnts sollen 10.000 Beschäftigte bei Cariad arbeiten. Bislang sind es etwa 4.500 Personen, die an einer einheitlichen Software- und Technologieplattform für alle VW-Marken arbeiten. Die erste Version, die Cariad „E3 1.1“ nennt, ist bereits in den Modellen ID 3 und ID 4 eingezogen. Die nächste Entwicklungsstufe will Cariad in zwei Jahren mit einem „Premium-Software-Stack“ für Fahrzeuge der Konzernschwestern Audi und Porsche starten. Darin enthalten: eine einheitliche Infotainment-Plattform, einen App-Store für Drittanbieter und erste Fahrzeuge sollen auf die neue Volkswagen Automotive Cloud migrieren.

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Redakteurin im Ressort Management