Auto Shanghai Deutsche Autobauer holen bei E-Autos kräftig auf

Autor / Redakteur: dpa / Tanja Schmitt

Auf der größten Automesse der Welt zeigen die Hersteller, was sie in Sachen Elektromobilität so drauf haben. Die deutschen Marken zeigen sich selbstbewusst und sehr aggressiv.

BMW präsentiert in Shanghai den iX als erstes Modell der Marke mit dem neuen Operating System 8 sowie der jüngsten Generation des iDrive-Bediensystems.
BMW präsentiert in Shanghai den iX als erstes Modell der Marke mit dem neuen Operating System 8 sowie der jüngsten Generation des iDrive-Bediensystems.
(Bild: BMW)

Nach anfänglichem Zögern haben die deutschen Automobilhersteller bei der Elektromobilität aufgeholt. Zur Eröffnung der größten Automesse der Welt in Shanghai waren Experten am Montag (19. April) voll des Lobes. „Sie sind schneller, entschlossener“, sagte der deutsche Unternehmensberater Peter Hage von der in Peking ansässigen Districom Group. „Da ist viel Substanz – und damit auch mehr Wahrnehmung“, sagte der langjährige Branchenkenner. „Geschwindigkeit wird immer wichtiger, aber die deutschen Marken haben ein unglaublich starkes Fundament und eine Historie, worauf sie aufbauen können.“

Hunderttausende Besucher erwartet

Auf der „Auto China“ erwarten rund 1.000 Aussteller bis zum 28. April Hunderttausende Besucher. Da China das Coronavirus seit dem vergangenen Sommer weitgehend im Griff hat, ist es nach dem Branchentreffen in Peking im September schon die zweite große Automesse im Land binnen nur sieben Monaten. Allerdings müssen Besucher negative Corona-Tests vorweisen, ihre Körpertemperatur messen lassen und mit einer Handy-App nachweisen, dass sie nicht in Risikogebieten waren und ihre Teilnahme unbedenklich ist. E-Mobilität und Konnektivität sind die großen Themen der Messe, die sich über zwölf Hallen erstreckt.

Chinesische Autobauer sind „ernste Konkurrenz“

Die chinesischen Hersteller sind aus Sicht von Districom-Gründer Hage eine „ernste Konkurrenz“. „Insgesamt wächst von unten ein Bestreben, in den sogenannten Premium-Markt vorzudringen.“ Aber da hätten die deutschen Marken „enorm starke Ausgangspositionen“, die sie wahrscheinlich auch für die nächsten Jahre noch behalten würden.

„Insgesamt hat sich das Marktumfeld noch nicht eingependelt“, meinte Hage. Anfangs sei es stark vom US-Hersteller Tesla und den neuen chinesischen Marken getrieben gewesen. „Aber wenn mehr Produkte und Neuheiten auch von den Deutschen kommen, wird es das Umfeld noch einmal stark beeinflussen.“

Fehlende Batterien sind europaweites Problem

„Der Wandel der deutschen Autohersteller verlief ziemlich schnell“, sagte auch der Direktor der Vereinigung der chinesischen Autohändler, Jia Xinguang. „Vor fünf Jahren hat Europa noch gedacht, dass die Entwicklung von E-Fahrzeugen nicht realistisch ist“, so der Experte. „Aber jetzt war die Wende bei den Unternehmen aus Deutschland schneller als bei jenen aus den USA oder Japan und Südkorea.“ Er hob besonders den Volkswagen-Konzern hervor, der mit seinen Plattformen die Massenproduktion standardisiert habe. „Doch einDefizit in Deutschland wie auch in Europa sind die Batterien.“

Dudenhöffer: BMW haftet zu stark am Hybridantrieb

„Der Volkswagen-Konzern hat einen sehr guten Job bei den Elektroautos gemacht“, sagte der Direktor des Centers for Automotive Research, Ferdinand Dudenhöffer, in Duisburg. „Die China-Strategie bei VW-Audi-Porsche-Skoda stimmt.“ Auch Mercedes sei in Shanghai „schwungvoll“ mit neuen Modellen gestartet. „Einzig BMW war in der Vergangenheit sehr zögerlich“, sagte Dudenhöffer.

Die Münchner seien aus seiner Sicht noch zu stark bei den Plug-in-Hybriden mit Otto- und Elektromotor engagiert, die am Markt eine kurze Lebensdauer hätten. So wolle beispielsweise die Hafenmetropole Shanghai, die wie andere Metropolen in China die Zulassung von Benzinern beschränkt, schon am dem Jahr 2023 keine Nummernschilder mehr bevorzugt an solche Hybrid-Modelle ausgeben. „Das wird weh tun, und es werden andere folgen“, sagte Dudenhöffer. „BMW hat zu lange den Trend zu reinen Batterieautos ignoriert.“

Zunahme von E-Autos um 70 Prozent

Auch der Generalsekretär der Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, sieht eine rasante Wende, mit der die deutschen Autobauer jetzt Tesla und der chinesischen Konkurrenz Paroli bieten. „Zusätzlich zu den heimischen Herstellern sind die deutschen Marken im Vergleich zu anderen sehr gut, sehr aggressiv“, sagte der Experte.

Gegenüber japanischen, südkoreanischen und amerikanischen Joint Ventures oder internationalen Autobauern seien sie „angriffslustiger“. „Die deutschen Autohersteller können sich dem Trend besser anpassen.“ Gemäß Dongshu wird der Absatz von E-Autos in China im laufenden Jahr um rund 70 Prozent zulegen.

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