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Der klassenstärkste Diesel
Die größte Bedeutung im Verkauf dürfte der 1,6-Liter-CDTI haben. Die GM-Tochter hatte sich ja lange eine eigenständige Selbstzünderentwicklung gespart und statt dessen Konstruktionen von Isuzu und später Fiat verwendet. Doch nach der Auflösung von Fiat GM Powertrain im Jahr 2005 hat sich Opel eigene Dieselkompetenz aufgebaut. Nur der Standort der 500 Personen starken Entwicklungsabteilung erinnert noch an die kurzlebige Zusammenarbeit mit Fiat: die norditalienische Autometropole Turin. Dort begann die Entwicklung laut Opel mit dem viel zitierten weißen Blatt Papier. Ziel war es, die höchste spezifische Leistung in dieser Hubraumklasse zu erreichen, was mit 100 kW/136 PS sowie 320 Newtonmetern Drehmoment auch gelungen ist.
Quadratisches Hub-Bohrungs-Verhältnis
Mit seinem quadratischen Hub-Bohrungs-Verhältnis hebt sich der 1,6-Liter von vielen Konkurrenzprodukten ab, die langhubig ausgelegt sind. Der Hersteller verspricht sich davon einen guten Kompromiss aus Package und Thermodynamik. Mit viel Detailarbeit hat er die innere Reibung minimiert, etwa durch eine schwächere Kolbenkühlung – und damit weniger Pumpenleistung – bei niedriger Drehzahl. Trotzdem entschieden sich die Techniker für einen Ventiltrieb via Kette, obwohl ein Zahnriemen reibungsärmer gewesen wäre. Für eine perfekte Kontrolle der Verbrennung sorgt eine Common-Rail-Anlage von Denso mit 2.000 bar Raildruck. Die Magneteinspritzventile können pro Zyklus bis zu zehn Mal öffnen und schließen. Drucksensorglühkerzen wachen über den Verbrennungsablauf. Auf diese Weise soll der Motor einen spezifischen Verbrauch von 300 Gramm pro Kilowattstunde erreichen – das wäre ein Rekordwert im Pkw-Segment. Im Zafira Tourer ergäben sich lediglich 4,1 Liter auf 100 Kilometern (Durchschnittswert nach NEFZ). Das entspricht einer CO2-Emission von 109 Gramm pro Kilometer. Dank SCR-Kat ist er schon nach Euro 6 homologiert. Im leichteren Astra hingegen kommt ein NOx-Speicherkat zum Einsatz. Der kompakte Vierzylinder soll den 1,7-Liter sowie die schwächeren Versionen des Zweiliter-Diesel in den meisten Opel-Modellen ablösen. Künftig soll es sogar eine doppelt aufgeladene Version geben, die neue Bestwerte bei Leistung und Drehmoment erreichen dürfte.
Der Otto-Bruder
Der Benzinbruder des 1.6 CDTI nennt sich SIDI (für Spark Ignition Direct Injection) und ist Opels erster Ottomotor mit Direkteinspritzung und Turbolader. Er wird zusammen mit dem Diesel in einer flexiblen Fabrik in Ungarn gebaut. Bereits bekannt ist die 170-PS-Version aus dem Cascada. Doch nun bietet das Unternehmen zusätzlich einen 147 kW/200 PS starken „Performance Turbo“ an. Im Vergleich zum Vorgänger, dem aufgeladenen 1,6-Liter mit Saugrohreinspritzung, schafft der Neuling laut Opel 30 Prozent mehr Drehmoment bei zehn Prozent weniger Kraftstoffverbrauch. In der Version für den Insignia besitzt er als einziger Motor dieser Klasse Ausgleichswellen Mit bis zu 300 Newtonmetern im Overboost sorgt der Vierzylinder zudem für sehr sportliche Fahrleistungen.
Sinkende Emissionsgrenzen
Mit dieser Technikoffensive dürfte der Flottenverbrauch bei Opel weiter sinken. Das muss auch so sein, denn bis 2020 soll die durchschnittliche CO2-Emission laut EU-Vorschrift schließlich nur noch 95 Gramm pro Kilometer betragen. Und der Trend zeigt weiter nach unten: Als nächste Stufe sind 78 Gramm im Gespräch. Spätestens dieser Wert ist allein mit effektiven Verbrennungsmotoren nicht zu erreichen. Am Ende wird die Automobilindustrie am Elektroantrieb nicht vorbeikommen – und sie sollte damit besser nicht bis zum Jahr 2525 warten.
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