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Bilanzgespräch

Dr. Schneider: „Wir sind sehr gut ausbalanciert“

| Redakteur: Christian Otto

Der Zulieferer Dr. Schneider aus Kronach-Neuses vermeldet sein siebtes Wachstumsjahr in Folge. Für das laufende Jahr setzt der Mittelständler auf hohe Investitionen: in die eigene Entwicklungsleistung, die Werke und vor allem das Personal.

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Die Köpfe hinter der Dr. Schneider Unternehmensgruppe (v.l.): Wilhelm Wirth, Geschäftsführer, Annette Schneider, Gesellschafterin, Parag Shah, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Sylvia Schmidt, Gesellschafterin.
Die Köpfe hinter der Dr. Schneider Unternehmensgruppe (v.l.): Wilhelm Wirth, Geschäftsführer, Annette Schneider, Gesellschafterin, Parag Shah, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Sylvia Schmidt, Gesellschafterin.
(Bild: Dr. Schneider)

Die Dr. Schneider-Unternehmensgruppe blickte im Rahmen des Jahrespressegesprächs am 8. Mai auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Das familiengeführte Unternehmen mit Stammsitz in Kronach-Neuses erwirtschaftete 2016 mit rund 500 Millionen Euro einen Umsatz leicht über dem Vorjahresniveau und festigt so laut eigener Angaben seine Marktposition. Seit der Wirtschaftskrise 2009 konnte der Automobilzulieferer bereits das siebte Jahr in Folge ein Umsatzplus verzeichnen und seine positive Geschäftsentwicklung weiter fortsetzen. Rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftete die Unternehmensgruppe in Deutschland, weitere 34 Prozent in Europa sowie 16 Prozent in den USA und China.

Mit zahlreichen Strategieprojekten hat Dr. Schneider im vergangenen Geschäftsjahr zudem die Weichen für das Wachstum der kommenden Jahre gestellt. Der seit 2016 an der Spitze der Gruppe stehende Vorsitzende der Geschäftsführung, Parag Shah, hat vor allem die Strategie mit seinem Führungsteam nochmals geschärft. Das Thema Innovationen steht dabei im Fokus. Diese orientieren sich klar an aktuellen Trendthemen wie dem automatisierten Fahren und der Vernetzung. Diese haben starke Auswirkungen auf den künftigen Fahrzeuginnenraum, für den Dr. Schneider diverse Konzepte bietet: „Das autonome Fahren bietet uns große Entwicklungschancen, weil es die generelle Tendenz zu einem schönen, qualitativen Innenraum verstärkt und vielfach zwingend zu hochwertigen Oberflächen führt – eine unserer Kernkompetenzen.“, betont Shah deshalb.

Diesel-Krise kaum gespürt

Dr. Schneider liefert technologisch anspruchsvolle Kunststoffprodukte. Sie sollen zukünftig zudem mittels elektronischer Komponenten weitere Funktionen bieten. Die Unabhängigkeit vom Thema Powertrain hat aber auch einen weiteren Vorteil: Der Zulieferer generiert etwa 32 Prozent seines Geschäfts mit der VW-Gruppe. Trotz der Dieselprobleme spürte der Zulieferer aufgrund seines Fokus auf den Innenraum die Sparrunden des Volkswagen-Konzerns nicht so stark. Parag Shah nennt noch einen anderen Grund für die gute Entwicklung: „Andere OEMs haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Sie gleichen mögliche Defizite aus. Wir sind deshalb sehr gut ausbalanciert.“ Trotzdem sieht er trotz des breiten Kundenportfolios noch interessante Partner, mit denen er künftig ins Geschäft kommen will: „Wir werden uns noch stärker bei den koreanischen Herstellern Hyundai und Kia sowie den japanischen OEMs engagieren.“

Um ihre Ziele zu erreichen, investiert die Unternehmensgruppe in diesem Jahr rund 60 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 33,6 Millionen Euro. Ein Teil ist für das neue Management- und Project-Center sowie die Planung eines Technologie- und Prozesscenters in Kronach-Neuses vorgesehen. Daneben will das Unternehmen kräftig in neue Technologien und den Maschinenpark investieren, denn in den weltweiten Produktionswerken gehen zahlreiche neue Produkt-Programme in Serie. Hinzu kommen der Ausbau der Produktionen in den USA, China und Polen sowie kontinuierliche Ersatzbeschaffungen an den traditionellen Standorten. Rund 60 Prozent der Investitionen fließen laut des Unternehmens in deutsche Standorte. Der hohe Anteil an Investitionsmitteln ermögliche es, den technologischen Vorsprung zu erhalten und kontinuierlich zu steigern, erläutert Shah.

Eigengewächse nötig

Auch in Personal investiert der Zulieferer: Die Zahl der Mitarbeiter hat sich im vergangenen Jahr erhöht, weltweit beschäftigt der Automobilzulieferer mittlerweile mehr als 3.900 Mitarbeiter (2015: 3.600), etwa 1.400 davon arbeiten in Kronach-Neuses. Fachkräfte rekrutiert Dr. Schneider weiterhin aus den eigenen Reihen. So stieg die Anzahl der Ausbildungsplätze für das kommende Jahr nochmals. Mit aktuell 141 Auszubildenden ist Dr. Schneider der größte Ausbildungsbetrieb des Landkreises. „Wir sehen uns besonders an unserem Stammsitz in der unternehmerischen Verantwortung, junge Menschen auszubilden und beim Start in ihr Berufsleben zu begleiten. Als Familienunternehmen stellen wir die Mitarbeiter – das Herzstück unseres Unternehmens – in den Mittelpunkt“, hoben die Gesellschafterinnen Sylvia Schmidt und Annette Schneider hervor. Und Parag Shah ergänzte: „Wir sind auf Eigengewächse angewiesen.“

Für die kommenden Jahre fällt die wirtschaftliche Prognose positiv aus: „Wir gehen bis 2020 gemäß der Marktentwicklung unserer Kunden von einer stabilen Umsatzentwicklung aus“, blickt Wilhelm Wirth, der in der Geschäftsführung alle kaufmännischen Belange verantwortet, optimistisch in die Zukunft. Dabei profitiert die Unternehmensgruppe, die großen Wert darauf legt, aus eigener Kraft und in einem vernünftigen Rahmen zu wachsen, von der ungebrochen großen Nachfrage nach Autos weltweit. Zudem konnte sich der Automobilzulieferer, der sich insbesondere bei den Premium-Herstellern einen Namen gemacht hat, vom reinen Komponenten-Lieferanten hin zu einem System-Lieferanten entwickeln.

Kein Übernahmekandidat

Der positive Ausblick ergibt sich auch noch aus einem weiteren Grund: „Unser starkes Projektgeschäft ist eine sichere Bank. Dort können wir sehr gut planen“, so Wirth. Und mit Blick auf die stark nachgefragten Fahrzeugsegmente freut sich Parag Shah, dass man hier schon in der Vergangenheit die richtigen Schwerpunkte gesetzt hat: „CUV und SUV haben weiterhin das stärkste Wachstum. Daneben sind es die Premium- und Super-Luxus-Fahrzeuge im Pkw-Bereich, die auch künftig stark nachgefragt werden dürften. In diesen Segmenten sind wir mit 80 Prozent unseres Portfolios tätig.“

Dr. Schneider-Chef Shah sieht die erfolgreiche Arbeit des Unternehmens auch durch diverse Auszeichnungen der Kunden bestätigt. Allen voran freute man sich über den Daimler Supplier Award 2016 im Bereich Innovationen. Für Shah eine „Art Oscar der Branche“. Doch die Innovationskraft des Unternehmens dürfte auch anderen Unternehmen nicht entgangen sein und macht den Mittelständler zu einem attraktiven Übernahmeziel. Doch hier betonen Management und Gesellschafter, dass man in jedem Fall ein Familienunternehmen bleiben wolle.

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