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Elektromobilität

Elring Klinger: Alles aus einer Hand

| Autor/ Redakteur: Elring Klinger / Christian Otto

Elring Klinger arbeitet bereits länger an der Diversifizierung seines Geschäfts. Neben Bauteilen für den Verbrenner hält das Unternehmen auch Produkte für die E-Mobilität vor. Dabei konzentriert sich der Zulieferer gleich auf zwei Technologien: die Batterie und die Brennstoffzelle.

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Das Elring-Klinger-Batteriesystem ist modular aufgebaut, sodass individuelle Bedürfnisse von Auftraggebern flexibel berücksichtigt werden können.
Das Elring-Klinger-Batteriesystem ist modular aufgebaut, sodass individuelle Bedürfnisse von Auftraggebern flexibel berücksichtigt werden können.
(Bild: Elring Klinger)

Elring Klinger ist laut eigener Angabe Weltmarktführer bei Zylinderkopfdichtungen – und seit 20 Jahren im Bereich der Brennstoffzellentechnologie tätig. Das liegt nahe, denn Schlüsselkompetenzen wie Stanzen und Prägen im Mikrometerbereich benötigt das Unternehmen sowohl bei der Herstellung von High-Tech-Dichtungen als auch bei der Bipolarplatten-Produktion, die zu Brennstoffzellenstacks gestapelt werden. „Wir sind Pionier bei der Fertigung von Bipolarplatten. Unsere Stacks zeichnen sich durch eine sehr hohe Leistungsdichte aus, und wir liefern bis hin zu den Anschlüssen“, verrät Armin Diez, Vice President Battery and Fuel Cell Technology.

Auch bei der Batterietechnologie verzeichnet das Unternehmen Großaufträge und verfügt mittlerweile über die Kompetenz, einen kompletten elektrischen Antriebsstrang zu fertigen. Elring Klinger ist damit einer der wenigen Zulieferer, die bereits heute breit aufgestellt sind. Denn für den Verbrennungsmotor werden weiterhin optimierte Bauteile gefertigt – in erster Linie Zylinderkopfdichtungen und Dichtsysteme sowie thermische und akustische Abschirmsysteme.

Kunststoff-Leichtbauteile und -module werden laut dem Zulieferer in beiden Welten verwendet: Bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen tragen sie durch ihr geringeres Gewicht dazu bei, dass Emissionen und Kraftstoffverbrauch zurückgehen, und bei E-Fahrzeugen verlängert sich die Reichweite. Immer wichtiger werden die Bereiche um Batterie- und Brennstoffzellentechnologie sowie den elektrischen Antriebsstrang.

Großauftrag von Sono Motors

Im Mai dieses Jahres gab Elring Klinger einen umsatzstarken Auftrag vom Münchner Unternehmen Sono Motors bekannt. Das Elektroauto-Start-up betraute den Zulieferer damit, ein komplettes Batteriesysteme für ein vollelektrisches Solarfahrzeug zu entwickeln und zu produzieren. „Der Auftrag umfasst ein Gesamtvolumen von mehreren hundert Millionen Euro bei einer Laufzeit von acht Jahren“, erklärt Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Wolf. Der Beginn der Serienfertigung ist für das zweite Halbjahr 2019 vorgesehen. „Mittlerweile entwickeln wir übrigens für weitere Unternehmen komplette Batteriesysteme. Unser Vorteil ist die Nähe zum Kunden. Wir arbeiten gemeinsam an anwendungsspezifischen Lösungen.“

Das Elring-Klinger-Batteriesystem ist modular aufgebaut, sodass individuelle Bedürfnisse von Auftraggebern flexibel berücksichtigt werden können. Die Basis bildet ein 48-Volt-Modul, mit dem Gesamtsystemspannungen von bis zu 800 Volt realisiert werden können. Die Module, die Komponenten wie das Zellkontaktiersystem, Sensorik und Zell-Monitoring umfassen, werden durch ein Batteriemanagementsystem überwacht. Neben den Batteriemodulen und dem Batteriemanagementsystem liefert Elring Klinger weitere Komponenten wie das Kühlsystem, das Gehäuse und mehrere elektrische Baugruppen, die das Ganze zu einem kompletten Batteriesystem ergänzen.

Erfolgsfaktor Hybridtechnik

Mittel- und langfristig setzt der Automobilzulieferer vor allem auf die Hybridtechnik von Brennstoffzelle und Batterie. „Wir vereinen damit das Beste aus zwei Welten. Die Batterien zukünftiger Elektrofahrzeuge haben hohe Ladeleistungen. Der Flächen- und der Strombedarf wäre sehr hoch. Fünf Kilogramm Wasserstoff reichen dagegen für rund 500 Kilometer und sind etwa so schnell getankt wie fossiler Kraftstoff. Kombiniert mit einer relativ kleinen Batterie – beispielsweise mit 20 bis 30 kWh Kapazität – und einer Brennstoffzelle als Range Extender ist das aus unserer Sicht die beste Lösung“, meint Diez. Der Arbeitsweg ließe sich mit dieser Kombination rein elektrisch zurücklegen, bei längeren Fahrten würde die Batterie über das Brennstoffzellensystem während der Fahrt nachgeladen. Den dynamischen Fahrbetrieb – die Beschleunigung – bewerkstelligt die Batterie, die größere Reichweite deckt der Wasserstoff ab.

Auch in Lkws oder Bussen ist ein reiner Batteriebetrieb aus Sicht von Elring Klinger quasi nicht möglich. Da die Fahrzeuge häufig im Mehrschichtbetrieb fahren, stellen die relativ langen Ladezeiten ein enormes Hindernis dar. Auch hier gilt für das Unternehmen deshalb: Die Kombination macht’s. „Wir haben dazu schon mehrere Gespräche mit großen Speditionen geführt, mit denen wir die verschiedenen Szenarien durchgerechnet haben“, verrät Dr. Wolf.

China will die Brennstoffzelle

Während Politik und Industrie in Deutschland und weiten Teilen Europas noch kein Datum für das Aus des Verbrennungsmotors genannt haben, setzen vor allem die Entscheider in Asien auf Elektromobilität. In China werden Brennstoffzellen in hohem Maße staatlich unterstützt. Die Regierung zahlt dort bis zu 70.000 Euro pro Brennstoffzellenbus, was zu einem enormen Hype führt.

Die Elring Klinger-Geschäftsführung nimmt deshalb zunehmend wahr, dass China nach Brennstoffzellentechnologie verlangt. „Wir waren bisher stark fokussiert auf Bipolarplatten und Brennstoffzellen-Stacks, also auf das Herz des Systems. Um Systemkomponenten haben sich unsere europäischen Kunden, die einen Stack oder Bipolarplatten von uns beziehen, bislang selbst gekümmert. In China haben wir aber die Situation, dass man dort die ganze Technologie benötigt. Das bedeutet, dass wir heute Systemtechnologien mitliefern müssen, damit asiatische Hersteller in der Lage sind, unseren Stack zu betreiben. Demzufolge verfolgen wir derzeit auch das Thema Systemtechnologie sehr intensiv“, skizziert Diez die Asien-Strategie des Unternehmens.

E-Antriebsstrang-Kompetenz

Und auch im Bereich der elektrischen Antriebssysteme hat Elring Klinger sein Leistungsspektrum nach eigenen Angaben entscheidend erweitert: Mit der strategischen Beteiligung am Systemspezialisten Hofer hat das Unternehmen Entwicklungskompetenz und Innovationskraft in den Bereichen Getriebe, Elektromotor, Elektronik und Software für den gesamten elektrischen Antriebsstrang hinzugewonnen. Beide Unternehmen werden Antriebssysteme, insbesondere Getriebe, Elektroantriebe und Batteriesysteme, für exklusive Kleinserien anbieten. „Das Prozess-Know-how und die globale Aufstellung von Elring Klinger, gebündelt mit der Entwicklungskompetenz des Hofer-Teams mit rund 600 Ingenieurinnen und Ingenieuren, ergibt eine starke Partnerschaft“, verspricht der Vorstandsvorsitzende.

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